Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

10D4. Begriffe, Schriftenreihe



1. Kallisophie, Kalliosophie

1.1 Wortwahl

Huter schuf das Wort "Kallisophie" im Jahre 1883 in Dresden.
Das Wort "Kallisophie" ist eine Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern für Schönheit (kalos) und Wissenschaft (sophie). 

Huter hat den Begriff "Kallisophie" in mehreren Texten erwähnt und auch mehrfach umschrieben. Im Hauptwerk, 1904-1906, kommt er mehrfach vor. 

Carl Huter hat in der Zeitschrift "Hochwart", Heft 4, Januar 1901 die Wortwahl erläutert.

Zitat Anfang:

  • Ein ähnlicher Streit entstand in Karlsruhe vorigen Frühling über das Wort "Kallisophie", ob mit einem "l" oder zwei l "(ll)" besser sei. Dieser Streit ist freilich weniger leicht zu entscheiden, beides ist richtig und Geschmacksache. 
  • Wir wählten aber absichtlich zwei l (ll), weil wir die Ideenassoziation mit "Kali", einem vielgenannten chemischen Handelsartikel, streng vermeiden wollten. 
  • Wir wählten auch darum nicht Kalisophie, wie es als richtiger behauptet wurde, weil "Kali" weich klingt und doch das männlich Schöne bezeichnet, dabei tiefere Verehrung abzwingt, zum Pathetischen führt und von da zur eventuellen religiösen Erstarrung und Naturabweichung, wie wir es ja auch im Katholizismus wahrnehmen. (1)
  • "Kallisophie", unsere Wahl des Wortes, birgt mehr Leben, Thatenfrische, Natürlichkeit, hat mehr Wohlklang, trägt auch mit dem Weiblichen Rechnung und bleibt bei Kunst, Natur und bei schöner gesunder Menschlichkeit, was gerade die Kallisophie nach unserer Bestimmung soll: sie soll die irdische Schönheits- oder Himmelswissenschaft von Leben sein und nicht entarten, wie die meisten Religionen im Unmenschlichen, Nurgöttlichen und daher Menschfeindlichen, wahres religiöses Glück Tödtenden. 
  • Nein, die Kallisophie ist unsere Richtung von der Erkenntnis der heiligsten Dinge, die stets das Natürliche, lieblich Lebenswarme, Schöne, in Natur, Mensch und Gottheit suchen, pflegen und bewahren will.

Zitat Ende.

(1) Zur besseren Verständlichkeit: Kallisophie, da der Begriff das männlich Schöne bezeichnet. Das Wort Kalisophie führt allzu leicht zum Pathetischen und es besteht die Gefahr der Naturabweichung.

Um 1910 verwendet Huter einzelne wenige Mal die Bezeichnung "Kalliosophie", siehe Freunde der Huterschen Wissenschaft: Aus eigener Kraft, 1911, Teil VII und Teil IX, je am Schluss. Meist gilt die letzte Bezeichnung als die endgültige Bezeichnung.


1.2 Was ist unter Kalliosophie zu verstehen? - Teil 1

Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft, 1910

Irma Fleischhacker umschreibt den Begriff wie folgt:

Zitat Anfang:

  • Er nennt diese Tugend-, Selbsterlösungs-, Schönheits- und Gottheits-Lehre Kallisophie und er glaubt an sie als die alles besiegende und alles überwindende Weltreligion der Zukunftsmenschheit.

Zitat Ende.

Daraus lässt sich entnehmen:

  • Die Kallisophie ist die von Carl Huter ausgearbeitete Lehre über die Gottheit, die Untersterblichkeit, die Schöpfung und die Evolution des Lebens (1)
  • Die Kallisophie ist eine Tugend-, Selbsterlösungs-, Schönheits- und Gotteslehre.
  • Die Kallisophie söhnt die reine Religion mit der Wissenschaft aus. Sie vereint den Schöpfungs- und den Entwicklungsgedanken in völlig befriedigender Weise. (2), (3)

(1) Erläuterungen dieser Briefe befinden sich in der in Ziffer 1 genannten Broschüre und in den sonstigen Huterschen Schriften.

(2) Die vorgenannten Erkenntnisse und Überzeugungen beruhen auf den Huterschen Lehren über den Äther, das Empfindungs-vermögen, die Entstehung und Entwicklung der materiellen Welt, die Entstehung und Entwicklung des Lebens, etc. Gemäss diesen Lehren ist die Welt, das Leben, der Mensch, etc. sowohl durch Schöpfung und Entwicklung entstanden, ohne dass ein Gott oder ein Geist dem Menschen eine Seele eingehaucht hat, etc. In der Hutersche Lehre über Welt und Mensch gibt es keine offenen Bruchstellen und keine unerklärbaren Übergänge, z.B. zwischen anorganischer und organischer Welt, zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt, zwischen materieller und geistiger Welt.

(3) Huter hat sich oft über die Kalliosophie geäussert, aber die wiederholt angekündigten Schriften sind nicht erschienen. Die Nachwelt muss sich mit den wenigen Erläuterungen begnügen. Bestimmt werden spätere Anhänger der Huterschen Lehren noch bessere Erklärungen über die Kalliosophie geben und erläutern, wie die Kalliosophie in der Praxis ausgeübt wird.

Carl Huter schlägt vor, die kallisophische Religion durch die Familie zu charakterisieren: Mann, Frau und ein Kind oder drei Kinder, siehe Rubrik  9G. Religion , Ziffer 4.


1.3 Was ist unter Kalliosophie zu verstehen? - Teil 2

Carl Huter: Grundlegende Entdeckungen für die wissenschaftliche Psycho-Physiognomik und ethische Schönheitsreligion, 1910. Mein Kampf um die neue Weltanschauung

Carl Huter umschreibt diesen Begriff in der obgenannten Broschüre in folgender Weise:

Zitat Anfang:

  • Das Lebensideal, das ich auf die psychophysiognomische Wissenschaft aufgebaut habe, ist das Ideal der ethischen Schönheit.
  • Ich will die Harmonie des einzelnen Menschen mit sich selbst und der Welt, die Harmonie der Menschen untereinander in Ehe, Beruf, Familie, Gesellschaft, Staat und Weltpolitik.
  • Ich will das Streben nach einem gemeinsamen Ziel anbahnen, das durch die Vergöttlichung der menschlichen Natur in vollendeter körperlicher und geistiger Schönheit erreicht werden kann.

Ich nenne diese Neukulturlehre Kallisophie.

Sie umfasst:

1. Welterkenntnis;
2. Lebenserkenntnis;
3. Geisteserkenntnis;
4. Formenerkenntnis;
5. Menschenkenntnis;
6. Erkenntnis der letzten Weltenergie;
7. Geschlechtserkenntnis;
8. Charaktererkenntnis;
9. Persönlichkeitskultur, Gesundheitspflege und Heilkunde;
10. Gesellschaftskultur und neue Ethik;
11. Ideallehre, Kunst und Religion;
12. Idealkultur, neue Rechts- und Staatslehre.

Die neue Ethik, die aus der neuen Naturwissenschaft Psycho-Physiognomik gewonnen wurde, lehrt: Da alles, was ist, durch Liebe entstanden ist und da eine Vervollkommnung des Lebens nur durch Liebe möglich ist, so gibt es auch keine Geistes- und Erkenntniskraft, kein Studium und keine Wahrheitserkenntnis ohne Liebe.

Zitat Ende.

Danach erläutert Huter diese 12 Fachgebiete.

Diese Umschreibung unterscheidet sich von der Umschreibung in der Broschüre von Irma Fleischhacker, siehe obige Ziffer 1.2. Aber in beiden Fällen sind darunter Lehren zu verstehen, die von Carl Huter ausgearbeitet worden sind.


1.4 Weitere Informationen

  • Die Kallisophie wird sowohl durch die einzelne Person als auch durch Zusammenkünfte in einer Gruppe praktiziert.
  • Die einzelne Person praktiziert sie, indem sie sich mit dem Gedankengut befasst, es nach Möglichkeit annimmt, und in entsprechender Weise lebt, also denkt und handelt.
  • Die Gruppe praktiziert sie, durch Bildung einer kallisophischen Gemeinschaft und durch Zusammenkünfte. Huter bildete zwei kallisophische Gruppen, eine in Hamburg, 1901 und eine in Detmold, ca. 1899. Es gibt dazu nur wenige weitere Einzelheiten, die man im Carl-Huter-Archiv findet.



2. Schriftenreihe "Der neue Mensch und die neue Welt"


2.1 Einleitung

Carl Huter hat in seinen Schriften, u.a. im Hauptwerk, mehrmals auf seine  Schriftenreihe mit dem Titel "Der neue Mensch und die neue Welt" hingewiesen. Die Veröffentlichung war im Anschluss an das Hauptwerk vorgesehen. Carl Huter schrieb dazu, in "Hochwart", 1903, Heft II: 

  • Auf Grund dieses Werkes*) erscheint das zwölf Bände umfassende Werk, welches die Ideen der Psycho-Physiognomik und Kallisophie ins praktische Leben einführt und den tieferen Denker weiterbildet
    *) damit ist das Hauptwerk gemeint.

Danach folgt eine Aufzählung dieser zwölf Teile, siehe Ziffer 2.2.

Im Hauptwerk, V. Lehrbrief, zwölfte Lektion, bezeichnet Carl Huter diese 12-bändige Schriftenreihe mit "Die Weltreligion des neuen Menschen".

Zeichenerklärung für nachstehende Ziffer 2.2:

a. Die mit "E" bezeichneten Werke sind erschienen. 6 Titel. 
b. Die mit "P" erschienen Werke sind posthum erschienen. 2 Titel.
c. Die mit "N" bezeichneten Werke sind nicht erschienen und das Manuskript ist nicht im Carl-Huter-Archiv vorhanden und es ist nicht bekannt, ob es jemals vorhanden war und wenn ja, ob es noch existiert. 4 Titel.

Fettgedruckte Titel: Die Broschüre hat einen direkten Bezug zur kallisophischen Lehre, resp. bei nicht erschienenen Titel: Die Broschüre scheint, aufgrund ihres Titels, einen direkten Bezug zur kallisophischen Lehre zu haben.

Für weitere Einzelheiten, z.B. Jahr der Erstveröffentlichung, Datum des Vorworts und damit Jahr der Niederschrift beachte man das Literaturverzeichnis und die jeweilige Schrift. 


2.2 Der neue Mensch und die neue Welt: Verzeichnis 1903

In der Hochwart 1903, Heft II veröffentlicht Huter erstmals das Verzeichnis der Schriftenreihe "Der neue Mensch und die neue Welt":

  • Band l: Individuum und Universum. Enthält die grundlegenden Ideen Carl Huter's neuer Weltlehre. (P)
  • Band ll: Die innere Erschliessung einer höheren geistigen Welt. Behandelt alle Formen des Okkultismus von ganz neuen Gesichtspunkten aus. (P)
  • Band lll: Die neue Religion und die Ethik der Kallisophischen Gemeinschaft. Wichtig für alle die, welche nach einer neuen, Herz und Geist befriedigenden Religion streben. (N)
  • Band lV: Ausgewählte Gedichte. Eine neue Poesie. (E)
  • Band V: Die Heilwissenschaft der Zukunft. Menschenkenntnis, Krankenbeurteilung, Reaktionskraft, Gesundheits- u. Krankheitslehre, Heilmittel u. Heilkunst. (E)
  • Band VI: Liebesleben und Ehegemeinschaft der Zukunft. (E, die Broschüre "Liebe, Ehe, Familie und Gesellschaft der Zukunft" kann als diese Schrift angesehen werden)

... (verlegerische Informationen) und am Ende: 1905 zu gleichen Bedingungen im Verlage des Verfassers und enthält folgende Bände:

  • Band VII: Erziehung, Schulwesen und Lebensberuf. (E, der Text in Teil VIII von "Wie erwirbt man sich die Mitgliedschaft ..." kann als diese Schrift angesehen werden)
  • Band VIII: Wirtschafts- und Staatsform. (E, der Text in Teil X und XI von "Der Gebildete auf der Höhe" kann als diese Schrift angesehen werden)
  • Band lX: Neue Bahnen in der Weltpolitik. im Völker- und im Staatsbürgerrecht. (N)
  • Band X: Kunst und Dichtung der Zukunft. (N)
  • Band XI: Reform im Strafrecht, in der Rechtspraxis und in der Strafvollziehung. (E, der Text in Teil XII von "Der Gebildete auf der Höhe" kann als diese Schrift angesehen werden)
  • Band XII: Die Umwandlung der Religionen in kallisophische Gemeinschaften. (N)


2.3 Der neue Mensch und die neue Welt: Verzeichnis 1909

Die Broschüre Carl Huter: Katechismus der Huterschen Wissenschaft und die Broschüre Carl Huter: Leitfaden zu meinem System der wissenschaftlichen Psycho-Physiognomik, beide Broschüren erschienen 1909, veröffentlicht Huter zum zweiten Mal das Verzeichnis der Schriftenreihe "Der neue Mensch und die neue Welt". Es ist nicht ganz deckungsgleich mit dem Verzeichnis von 1903:

Die neue Welt und der neue Mensch. 300-600 Seiten; Mk. 10. -, gebunden Mk. 12.-, jeder Band Gross-Oktavformat, von 1910-1915.

  • Band I. Individuum und Universum. Die Philosophie des realen und idealen Seins im Weltgeschehen und im Persönlichkeitsbewusstsein.
  • Band 2. Offenbarungen eines neuen Evangeliums, Die Mystik, der Spiritualismus und der Okkultismus und ihre Aufhellung im Lichte der Experimental-Psychologie.
  • Band 3. Die neue Weltreligion und die Kirche der Zukunft der Kallisophischen Gemeinschaft.
  • Band 4. Der neue Staat und das neue Recht.
  • Band 5. Die neue Kunst und das neue Schrifttum.
  • Band 6. Die neue Heilwissenschaft und die Berechtigung alle Heilmethoden nach der natürlichen Reaktionskraft und des angeborenen Naturells der verschiedenen Individuen.

Von diesen Schriften ist keine erschienen. Zwar gibt es eine Broschüre mit dem Titel "Individuum und Universum" und ein Buch mit dem Titel "Die neue Heilwissenschaft", aber: 

  • Die posthum erschienene Broschüre "Individuum und Universum" (erstmals vollständig erschienen im Jahre 1962)  beruht auf einem Manuskript aus dem Jahre 1892 und der Umfang beträgt knapp 100 Seiten, also deutlich weniger als die von Huter hier genannten 300-600 Seiten.
  • Das Buch "Die neue Heilwissenschaft", erschienen 1898, schrieb Huter, bevor er die Helioda vollständig erforscht hatte. Erst anfangs 1899 erkannte er, dass die Helioda eine selbständige Erscheinung ist und nicht als odische oder als magnetische Erscheinung anzusehen ist. Beim angekündigten Band 6 muss es sich daher um eine überarbeitete oder um eine neue Version dieses Werkes handeln.


2.4 Erschienene und geplante Werke: Verzeichnis 1910

Die Broschüre Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft, erschienen 1910, enthält ein Verzeichnis der bereits erschienen und noch geplanten  Werke. Dort findet man folgenden Eintrag:

  • 29. Der neue Mensch und die neue Welt. Band l.
    Von Pinsel und Palette zur Naturwissenschaft und Philosophie, Psycho- Physiognomik und Kallisophie. M. 10. —, geb. M.12.—.
  • 30. Band II. Die Grundzüge einer neuen Weltreligion der Liebe, Wahrheit, Kraft und Schönheit und des neuen Staats-, Völker-, Familien-, Ehe-, Liebes-, Arbeits-, Versicherungs-, Regierungs- und Sittenrechts, mit Vorschlägen zu edleren Rechtsnormen. Dieses Werk erscheint ab 1911 in fünf Lieferungen à M. 5. —.

Das Werk Nr. 29 ist im Jahre 1911 erschienen. Es wurde in 2000 Exemplaren gedruckt. Davon sind nur ca. 200 Exemplaren ausgeliefert worden.

Das Werk Nr. 30 ist nicht erschienen. Ob Carl Huter daran gearbeitet hat, ist unbekannt und wenn ja, wo sich das Manuskript befindet.



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