Carl-Huter-Stiftung
 

10B. Weltanschauung -
Fundamentales über Welt und Mensch,
auch über Empfinden, Geist und Gott

Nachstehend werden drei Texte zu diesem Thema wiedergegeben. Sie stammen aus den Jahren 1892 bis ca. 1910. Sie erklären die Entstehung des Raumes, der Welt und der Materie in ähnlicher Weise, aber nicht vollkommen mit denselben Worten und Begriffen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll versucht werden, diese Texte miteinander zu verweben. 


1. Hutersche Gedanken über den Anfang unserer Welt.
Carl Huter: Meine Weltanschauung und die 16 Weltursachen. Fachartikel. 
Dieser Artikel wurde erstmals von Carl Huter veröffentlicht und danach in der Zeitschrift "Der gute  Menschenkenner", 1932/1941, Heft 24, Dezember 1934 sowie in der Zeitschrift "Der gute Menschenkenner", 1953/1979, Heft 4, 5 und 6, März, April und Mai 1961. Nähere Einzelheiten über die Erstveröffentlichung sind im Moment nicht bekannt. Vermutlich erschien der Artikel erstmals um 1910 und zwar in der Zeitschrift "Hochwart".

Zitat Anfang:

Die zwei Weltursachen der schaffenden Welturkräfte

  • Ursächlich gab es zwei schaffende Welturkräfte, es sind dies die ersten und die letzten Weltgeheimnisse; sie bestehen
    a. in der Energie der Grösse und Weite des Raumes vom Örtlichen bis zum Unendlichen und
    b. in der Energie der Kleinheit des Raumes von der Örtlichkeit des Einzelnen bis zur Unendlichkeit der Verinnerlichung, also des undenkbar Kleinsten. Dieser letzte Teil ist die innere, der erste Teil ist die äussere grosse Hälfte des Raumes.
  • Wir leben im äusseren Teil des Raumes, soweit wir äusserlich und körperlich sind, und wir leben im inneren Teil des Raumes soweit wir innerlich und geistig sind. Dass dies nicht blosse Theorie, sondern absolut reale Wahrheit ist, beweist uns der Vorgang unseres Erkennens.
  • Der erste Beweis hierfür ist: In gleichem Masse, wie wir die Grösse und Weite und viele neue Einzelheiten der äusseren Welt erkennen, versenkt sich die Erkenntnis in die unendlichen Tiefen unserer inneren geistigen Welt, die ich als die zweite Welt oder als die andere grosse Hälfte des Raumes betrachte.
  • Der zweite Beweis ist: Da unser Gehirn hierbei nicht grösser wird, soweit ein ausgewachsenes Hirn in Frage kommt, so muss es eine Raumdimensionsmöglichkeit geben nach der Seite der Verkleinerung hin, in welcher alle aufgenommenen, erlebten und empfundenen Tatsachen, Ideengestaltungen und Begriffe ihren wohlgeordneten Platz finden, wodurch nicht nur die Verinnerlichung, sondern auch die Entfaltung des Geistigen erklärlich wird.
  • Raum war eher da als Kraft, Stoff und Empfinden, denn diese können sich erst im Raum betätigen.
  • Das Göttliche ist nicht das Urseiende, sondern das Gewordene, weil sich das Göttliche aus Geist und Empfindungskräften entwickelt hat.
  • Alles Geistige und Göttliche wirkt innerhalb des Raumes und äussert sich körperlich an der Physiognomie der Dinge.
  • Die beiden wirklich vorhandenen Raumenergien sind die wahrhaftigen Urschöpferkräfte und unbegreiflichen Weltgeheimnisse.
  • Ich sehe sie an als Mann und Frau, die von Ewigkeit her waren und sein werden, die sich gegenseitig befruchten und Kraft und Liebe, Schmerz und Glückseligkeit austauschen.


Das Universum

  • Aus den beiden Raumenergien ist das Ganze geboren, das Weltall. Dieses ist das Kind des dualen Raumes. Zusammen bilden sie, wie z.B. Vater, Mutter und Kind, eine Dreiheit.
  • Das erste ist die innere Raumenergie, das zweite die äussere Raumenergie; Länge, Breite und Tiefe sind nur Richtungen im Raume, der Raum selber enthält Geist, Stoff und Kraft zugleich.


Die Dreieinigkeit von Stoff, Geist und Kraft in der Form

  • Die äussere sichtbare Welt besteht aus Urstoff, dem Weltäther, und aus dem Urempfinden.
  • Aus dem Urempfinden wurde die Kraft geboren, indem der Empfindungsimpuls auf den Stoff wirkte und diesen in Bewegung setzte.


Die Dreiteilung des Stoffes

  • Der Urstoff ist ebenfalls dreifacher Art,
    a. Empfindungsäther,
    b. Schweräther,
    c. Bewegungsäther.
  • Der Empfindungsäther ist der, welcher die seelischen Körper baut und das Leben erzeugt. Der Schweräther ist der, aus welchem die chemische Materie und die chemische Energie geworden ist. Hingegen ist der Bewegungsäther der Träger aller mechanischen Energien, aller Schwingungen und Wellenbewegungen, Erstarrungen und Sammlungen.


2. Grundlegende Thesen aus Carl Huters Weltanschauung
Artikel von Carl Huter, der den obigen Titel trägt. Er ist enthalten in der Carl Huter: Die neue Weltanschauung, 1908. Broschüre. Der Artikel besteht aus 36 Elementen. Carl Huter hat einen Nachsatz hinzugefügt: Diese neue Glaubenslehre ist von Carl Huter im Juli 1908 entworfen und für die .reiferen Schüler seiner Lehre niedergeschrieben und veröffentlicht.
Gliederung und Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung.

Zitat Anfang:

  • 1. Ich bin überzeugt, dass der Raum überall einen Mittelpunkt, eine Veräusserlichung und eine Verinnerlichung ohne Ende hat, und dass diese Energien des Raumes in ihrer ganzen Spannweite dem menschlichen Verstande ewig unbegreiflich sind.
  • Ich glaube, hinter diesen Raum-Energien wirken die Urwelt-Mächte, die alles, was im Raume ist, geschaffen haben.
  • Ich glaube, die Weltinnenkraft und die Weltaussenkraft wirken aufeinander in ewiger Liebe wie das männliche und weibliche Geschlechtliche und Persönliche, um sich ewig zu verjüngen, zu erhalten, zu beglücken, zu beleben, ohne dass die eine oder die andere Kraft ihre ureigene Wesenheit verliert.
  • 2. Ich bin überzeugt, dass überall im Raume ursprünglich eine stoffliche Masse gleichmässig verteilt war, und dass dieser eine Urstoff der volle Urweltäther war, aus dem sich alle weiteren Dinge der Welt entwickelt haben.
  • 3. Ich bin überzeugt, dass dieser Urweltäther drei verschiedene Grundelemente in sich trug,
    a) das Ruh- und Schwerelement,
    b) das leichtere vibrierende Bewegungselement und
    c) das leichteste Empfindungselement. Alle drei Elemente waren in jedem Ätherkleinstteilchen, dem Äther-Ilion, gleich stark vorhanden
    .
  • 4. Ich glaube, dass in den Schwerelementen zuerst die Neigung zur Vereinigung entstanden ist, um ihrem Charakter entsprechend von den leichteren Elementen mehr losgelöst zu werden und zur grösseren Ruhe zu kommen.
  • 5. Ich glaube, dass diese Neigung der Schwerteile aller Ätherilionen die Konzentrations-Energie, die erste physische und chemische Kraft unter den physischen und chemischen Kräften wurde, wodurch sich die ersten grossen Weltnebel-Riesenbälle bildeten, aus denen bei weiterer Entwicklung die Sonnen und Sonnensysteme hervorgegangen sind.
  • 6. Ich bin überzeugt, dass im Mittelpunkte dieser Schwerelement-Riesenmassen, die sich zu verdichten strebten, die Licht- und Leichtmassen der Empfindungsätherteile, die sich zum Teil von den zwei übrigen Ätherelementen der Ruh- und der Bewegungsmasse teilweise abspalteten, besonders gesammelt haben.
  • Die heutigen Sonnen oder Fixsterne sind daher mit Leichtäther, Lebensäther und daher von Empfindungsmassen gefüllt, die von zwei Hohlkugeln der festesten und dichtesten Masse umgeben sind.
  • 7. Ich glaube, in den Schwermassennebeln entstand der Mutterstoff aller schweren oder chemischen Materie, in den Zentralen dieser Nebel der Mutterstoff aller seelischen und lebenerzeugenden Energie. Jenes war die erste ursprüngliche Hartmedioma, dieses die Weichmedioma. Aus der Hartmedioma bildeten sich gewaltige Ringe oder Hohlkugeln in den Weltnebeln, die um ihre Zentrale, der werdenden Sonne, kreisten.
  • 8. Ich glaube, nach und nach bei immer weiterer Verdichtung rollten sich diese Ringe zu Kugeln auf und es entstanden die Planeten, die zwei innersten Ringkörper rollten sich nicht auf, sondern blieben konstante Hüllen der Zentrale der Sonne. Der innere Ring, der als Hohlkugel von starker Attraktionsenergie, der äussere, der von starker elektrischer Energie geladen zu sein scheint, stehen wahrscheinlich in folgendem Verhältnis zueinander: Die äussere elektrisch geladene Hohlkugel wird wahrscheinlich die innere als basalen Körper umkreisen. Die Verdichtung der Schwersubstanzen musste eine Begrenztheit in den dichtesten Schwermetallen finden, und zwar durch den Widerstand des neutralen Weltäthers, welcher überall vorhanden und sich nirgends ganz wegdrängen lässt. Der Dichtigkeitsspannung der schwersten Atome setzte die Expansionsspannung des Äthers einen Widerstand, einen Gegendruck und dadurch ein Gleichgewicht entgegen.
  • 9. Der neutrale Äther ist der von Schwer-, von Leichtempfindungs- und von vibrierendem Bewegungsäther entladene. Wahrscheinlich sucht sich der Vibrationsäther zum Teil mittels neutralem Äther beisammenzuhalten.
  • 10. Allen Ätherteilen, auch denen von Schwer- und von Leichtstoff  entladenen, bleiben doch Teile von Empfindungsätherelementen anhaftend , dieser Empfindungsäther wurde daher die alles verbindende und empfindende Energie im Weltall, die ja auch dem Schwer- und dem Vibrationsäther zum Teil anhaftend, diesen mit dem reinen Empfindungsäther und mit dem neutralen Äther verbindet.
  • 11. Die Sammlung oder Konzentration der Massen zu gemeinsamen Körpern war demnach der erste Wille zum Neuschaffen. Das Körperbilden war demnach das erste Schöpfungswerden, hinter dem der gemeinsame Wille vieler Äthereinzelteile stand.
    Es ist daher der Impuls, der Anstoss, aus den Schwermassen des Weltäthers gekommen, aber nicht aus diesen als tote Massen gedacht, sondern als von Empfinden und Empfindungsäther beseelte Ätherteilmassen.
    Hinter der ersten mechanischen und chemischen Energie stand als Impulsivkraft die Empfindungsenergie, die die Schwermassen in Bewegung setzten.
    Es gibt daher, da alle weiteren chemischen und mechanischen Kräfte sich aus diesem ersten Vorgang entwickelt haben, keinen chemischen oder mechanischen Vorgang überhaupt in der Welt, der ganz frei von allem Empfinden wäre. Empfindung begleitet mehr oder weniger jeden Kraft-, Stoff- und geistigen Energievorgang.
    12. Daher ist die empfindende Energie sowohl die impulsive als auch alle Vorgänge und Dinge begleitende und allem Werden und Vergehen dienende Kraft. ...



3. Die Raumkräfte als polare Weltursachen
Carl Huter: Individuum und Universum. Niedergeschrieben 1892. Broschüre. Erstmals vollständig veröffentlicht im Jahre 1962. Huter hat die Broschüre als Manuskript hinterlassen.

8. Die treibenden Kräfte in der organischen Welt von der Urzelle bis zur Menschwerdung

Zitat Anfang:

  • Die urgeschichtliche Entstehung des Menschen wird uns in ewiges Dunkel gehüllt bleiben. Die verschiedenen Volksreligionen bringen lediglich nur Mythen; und so ist die jüdisch-christliche Schöpfungsgeschichte nichts weiter als eine schöne poetische Anschauungsweise.
  • Die Lehren über die Weltschöpfung und Menschwerdung der Bibel gelten dem streng wissenschaftlichen Denker für sehr unwahr.
  • ...
  • Eine auf rein naturwissenschaftliche Tatsachen gegründete neue Philosophie, welche, wenn sie auch den alten Religionshypothesen freundlich gesinnt ist, diese doch der Trugbilder wegen negiert und ihnen entgegentritt, diese Philosophie, die eine neue, schönere, wahrere Religion sucht und findet, das ist die Psycho-Physiognomik. Sie gipfelt in folgenden Schlusssätzen:

    1. Aus der Materie entstand der Geist, und der Materie wohn-
    ten die Urkeime des Geistigen inne.

    2. Die Materie selbst entstand aus zwei sich polar liegenden Weltenergien, die in der Raumkraft gebunden liegen.

    3. Der Grobmaterie wohnen die Kräfte zur Entwicklung von Feinmaterie inne, und zwar quantitativ und qualitativ.

    4. So ist jede feste Substanz in flüssige, jede flüssige in gasige  Substanz umwandlungsfähig in quantitativer Richtung durch
    Molekularveränderung (Verdichtung, Spannung, Lockerung).

    5. Verschiedene materielle Grundstoffe können durch gewisse innere Anordnung, also durch sympathische Beziehungen, zu einem  gemeinsamen Zweck zusammentreten zur Entwicklung einer konzentrischen Willenskraft; und dieser Wille, der sich aus unbewusstem Neigen, Sehnen, Suchen, Finden einheitlich in den sympathisch zusammengehörig en Stoffgruppen bildet, kann sich bewusst werden, und zwar durch Reizwirkungen, die von außen her gegen dieses Willensprinzip wirken, gleichviel ob diese Gegenwirkung bewusst oder unbewusst von außen kommt.

    6. Das Erwachen des Bewusstseins einer individuellen Willensenergie wird ursprünglich durch Gegenreize, also durch störende Reize hervorgerufen.

Zitat Ende.

Der fünfte und letzte Teil ist überschrieben mit: 

21. Die Raumkräfte als polare Weltursachen und Schöpferkräfte der Materie statt des jüdisch-christlichen Eingottes als Weltschöpfer.

Zitat Anfang:

  • ...
  • Zum Schluss will ich noch kurz erklären, warum die Gottheit nicht die Schöpferkraft der Welt ist, noch sein kann.
  • Die Gottheit ist heilig, glücklich, der Welt entrückt, der Gipfelpunkt aller Entwicklung.
  • Die Urschöpferkräfte der Welt liegen ganz woanders; sie sind
    im Raum begründet.
  • Das übersahen die Materialisten und Philosophen alle, die an Stelle des Eingottes Stoff und Kraft der Materie setzten. Auch diese Lehre war ein verhängnisvoller Irrtum; denn ehe Stoff und Kraft war, musste Raum da sein, wo Stoff und Kraft ihr Sein erst entfalten konnten. Stoff und Kraft der Materie ist nicht ewig, sondern stets wandelbar in sich und in der Form. Das chemische Grundelement ist im Äther auflösbar, umwandelbar in andere chemische Grundstoffe. Es gibt aber etwas, was unwandelbar und unlöslich ist; das ist die erste Weltursache- der Raum-, oder besser gesagt, die beiden sich polar liegenden Raumenergien.
  • Im allgemeinen denkt man sich den Raum in Grösse, in Ausdehnung; man denkt sogar die Unendlichkeit hinein und vergisst ganz, dass hinter dieser Unendlichkeit der Größe eine Kraft walten muss, welche die Ausdehnung des Raumes bewirkt. Wenn nun eine Kraft die Ausdehnung des Raumes bewirkt, so setzt das eine andre Kraft voraus, welche die Energie der Verneinung der Ausdehnung und Größe bewirkt, eine Energie, die nach dem Kleinsten, nach der Unendlichkeit ohne Ende im Kleinen strebt; oder vielmehr wirkt im Raum ein Etwas, eine uns unbekannte, magische Weltenergie als polare Energie der Unendlichkeit des Raumes im Kleinen. -Man denke sich ein Sandkorn viele billionenmal kleiner und immer kleiner, und wir sind am Ende unseres Vorstellungsvermögens der Kleinheit angelangt; die Kleinheit ist genau so unendlich wie die Größe. Der Raum hat im Grunde genommen nur diese beiden Ausdehnungen oder Dimensionen.
  • Beide sind unendlich, die Größe wie die Kleinheit. Man denke sich
    dem billionenmal verkleinerten Sandkorn gegenüber die unendliche Grösse der Welt, in der man die Entfernungen der Weltenkörper nach Lichtjahren berechnet und an kein Ende der Weltgrösse kommt. Hinter dieser Größe steht aber jenseits der Weltperipherie entweder eine ungeheure, gigantische Kraft, welche diese Ausdehnung bewirkte, oder diese Kraft liegt im Raume selber. Die zweite unbegreifliche Kraft der Kleinheit, des Raumseins in sich ohne Ende, steht gleichfalls hinter dieser noch viel rätselhafteren Unendlichkeit der Kleinheit oder liegt ebenfalls als Kernkraft im Raume.
  • Auf jeden Fall sind es demnach zwei polare Kräfte, die hinter diesem grossen, unendlichen Weltenraum wirken, die eine nach der Grösse und Weite, die andere nach der Tiefe und Kleinheit.
  • Diese beiden Urkräfte sind die ewigen Schöpfer aller Dinge, von Ewigkeit her, zur Ewigkeit hin, durch ihre Energiebewegungen und polaren Raumkraftwirkungen. 
  • Wir begreifen diese beiden Kräfte in ihrem inneren Sein nicht. 
  • Aber sie sind beide darum notwendig, weil niemals eine Weltursache die Schöpferkraft der Welt sein kann. Eine Kraft in sich würde sich, mechanisch gedacht, erschöpfen, psychisch gedacht, müde und zuwider leben.
  • Es müssen zwei Welturkräfte sein, um zu schaffen, ewig und
    unendlich zu leben und die Welt mit sich erhalten zu können.
  • Der Begriff, den wir aber bisher über Gott, Götter und die Gott-
    heit hatten, ist ebensowenig für die Weltschöpferkräfte anwendbar wie der Begriff, den die kindlich-kleinschauenden Materialisten den oberflächlichen Erscheinungen der Natur, wie sie in Stoff und Kraft auftreten, beilegen. 
  • Denn Stoff und Kraft sind ebensowenig die Ursachen des ewigen Weltseins wie irgendein in die Wolken projizierter jüdischer Zebaoth oder christlicher Dreieinigkeitsgott. 
  • Stoff und Kraft, Gott und Götter sind doch nicht anders als im Raum denkbar, sie setzen den Raum voraus.
  • Folglich muss der Raum eine vorhergehende Ursache von Stoff, Kraft, Geist und Gottheit gewesen sein, und das ist er auch in der Tat. Aber selbst der Raum ist noch eine Erscheinungsform, hinter welcher die beiden ersten Weltursachen stehen.
  • Soll ich diesen beiden Weltursachen Namen geben, so erscheint mir "Allah" als der geeignetste Ausdruck für die Energie, welche die Grösse und Weite bewirkt. (1)
  • Für die Kraft, welche die Kleinheit verursacht, ist meiner Meinung nach "Mindah" die passendste Bezeichnung. (2)
  • Allah und Mindah sind also die Ursachen der Welt, die, wie ich
    glaube, sich selber leben im ewigen Austausch, im ewigen Wechselströmen ihrer Kräfte. Keine kann jemals in sich zerfallen, weil die andere Weltmacht einen immer neuen Lebensreiz auf sie ausübt.
  • Wie sind nun diese ewigen Lebensreize, mit welchen die beiden
    Weltmächte aufeinander wirken, zu denken? Sind es Schmerzen
    oder Freuden? Sind die beiden Mächte sich feindlich oder liebe-
    voll gesinnt ? Das sind Fragen, die nicht leicht zu beantworten
    sind.
  • Ich glaube, in ihrem Wesen sind die beiden Mächte grundverschieden, in ihrem Streben aber berühren sie sich. (3)
  • In sich, in ihrem Selbstsein miteinander verglichen, sind sie die
    denkbar stärksten Gegensätze, aber in ihren Lebensäusserungen
    finden sie sich in Harmonie wieder. 
  • Diese Harmonie nun zeugte
    den Stoff und die Kraft, rief das organische und geistige Leben
    des Individuums hervor und legte in das Individuum den Wesens-
    kern der Unsterblichkeit.
  • Alles Sein aber ererbte die innere Polarität von den ersten beiden Schöpferkräften der Welt; und so bekam das Atom, als Kleinstteil des Stoffes, die Doppelkraft: im Streben nach Kleinheit - Atom zu bleiben, im Streben nach Größe - mehrere Atome zu Molekülen zu verbinden. Damit begann das Werden in der Natur, das uns die Naturwissenschaft in Physik und Chemie enthüllt.
  • Die Materie ist das Kind der Welterzeuger Allah und Mindah;
    und dieses Kind trug die Kraft der Urzeugung organischen Lebens in sich, die das Anfangsstadium der organischen Zelle hervorrief.
  • In der Zelle verkörpert sich der Anfang des individuellen Geistes, und zwar durch die Wechselwirkung der Spannkräfte von Zellkern und Zellhaut. 
  • Das Prinzip, welches alle auf die Zellperipherie wirkenden Energien des Universums in sich zu einem scheinbaren Nichts konzentriert, in die in dem Zellkern waltende Zentralenergie aufsaugt, das ist das Abbild der Welt, der Anfang des geistigen Lebens. 
  • Die Zelle entfaltet durch Konzentration in sich höhere Kraft des Geistes; und die Entwicklung des Geistes geht durch Pflanzen, Tiere bis zu den hochentwickelten Menschen.
  • Und zwar geht sie in folgender Weise vor sich: Je schöner und kunstvoller, je mehr aufnahmefähig für immer feinere Reize der materielle Körper gebaut wurde, desto intensiver entwickelte sich die innere geistige Kraft bis der materielle Körper zerfällt und ein feinerer, ätherischer Seelenkörper, für feinere Reize empfänglich, den Geist weiter zu entwickeln vermag.
  • Immer von äusseren, materiellen Bedingungen wird das Innenleben, die unsterbliche, geistige Konzentration bereichert, und das führt endlich zur höchsten Stufe aller Entwicklung, zum Gottgeist.
  • Die Gottheit ist also das gereifte Kind der beiden Welturkräfte.  Die expansive Kraft des Raumes scheint mehr die Grundlage für das
    materielle, körperliche Sein darzustellen; die raumkonzentrierende 
    Weltmacht scheint mehr das Geistige zu begünstigen.
  • Im unorganisch-stofflichen sowohl wie im organisch-seelischen und im göttlich-geistigen Leben aber waltet das Gesetz des Lebens äusserer, materieller Körper und innerer geistiger Wesenheit, wie ich es hier entwickelt habe.
  • Also gibt es auch keine Gottheit ohne Körper, keinen Geist ohne Körper, keinen Wesensinhalt ohne Form.
  • Beides bedingt einander; Form, Körper bedingt den Geist und
    bildet den Geist; der Geist wiederum bedingt die Form und bildet den Körper. (4)
  • Im Leben dieser Erde, aller Himmelskörper und auch im Leben
    göttlicher Himmelssphären ist von beiden Weltschöpferkräften
    ein Stück verkörpert und im lebenden Individuum vereinigt.
  • Daraus ergibt sich eine neue Weltlehre der Dreieinigkeit, nämlich Vater, Mutter und Kind, und das Ideal ist die Gottheit. 
  • Die beiden Weltschöpferkräfte sind im Grundwesen so verschieden wie Mann und Weib, aber in ihrem Streben berühren sie sich liebend auch wie Mann und Weib, die gerade durch ihre Verschiedenheit erst fähig zu höherer Liebe und Lebensfreude sind, besser als wenn sie beide gleich, sich also parallel im Wesen lägen, wie Mann und Mann, Weib und Weib.
  • Die Polarität oder höchste Verschiedenheit bedingt erst die höchste
    Liebe und Neuschöpfung eines Wesens, das von den beiden Urzeugern Weltkräfte mitbekam. 
  • Erst die denkbar stärksten Gegensätze konnten das denkbar Höchste zeugen, oder doch in ihr Schöpfungsgebilde, "die Materie", den höchsten Fortzeugungskeim zum geistigen, unsterblichen und glücklichen Leben legen, welches bis zur Gottheit in seiner Entwicklung gelangt, bis zum höchsten Lebensglück, das ebenso ewig und unendlich in Glück, Freude und Schönheit ist, wie es die Erschaffer in ihrer Polarität, in ihrer Gegensätzlichkeit sind.
  • Damit hat Unendlichkeit und Ewigkeit die beste Erklärung gefunden; und Weltursache, Weltschöpfung und Weltentwicklung gleichen einem ewigen Freudenschall, in den die tragischen Schmerzen und Leiden nur als vorübergehende Entwicklungsförderer hineingemischt sind.
  • Dieses Weltbild zeitigt vollendete Befriedigung für unser religiöses Denken und Empfinden und verursacht ein Aufjauchzen zu einem Lebensdasein, wie es noch nie gewesen ist.
  • In diesem Weltbild hat jede Naturwissenschaft, jedes okkulte
    Experiment Platz. Es stört unseren Intellekt und unser Gewissen nicht wie die alten und neuen Religionen und Weltanschauungen.

  • Diese Weltanschauung endet im höchsten Schlussakkorde unseres
    inneren Seins, in der Harmonie der Wahrheit, Weisheit, Liebe,
    Schönheit, Erhabenheit und Heiligkeit. Sie wird höchste und
    schönste Religion, sie wird Religion aller Menschen von höherer,
    geistiger Entwicklung, die sie jetzt oder später kennenlernen, sie
    wird Weltreligion werden.
  • Diese Religion fördert im Wesen der Menschen die Entwicklung aller okkulten Geisteskräfte, im Äusseren die höchste Harmonie und Schönheit aller materiellen Erscheinungen.
  • Sie ist Schönheitsreligion im wahrsten Sinne des Wortes, welche die heiligsten Kräfte des individuellen Geisteslebens pflegt und zur Entfaltung bringt. 
  • Ihr Sinnbild ist keine Sonne, kein Halbmond, kein Kreuz, keine Kanzel, kein Weib Maria, kein Mann Jesus allein.
  • Ihr Sinnbild ist Mann, Weib, Kind, die Familie; und die Familie ist das Abbild des Weltbildes im Kleinen. 
  • Über der Familie strahlt das Ideal der Gottheit, neben der Familie das Ideal der kallisophischen Weltgemeinschaft, unter der Familie steht
    alles Leid, das durch Liebe, Hilfe zum Wohl geführt sein will und
    soll. 
  • Familienglück ist durch die Polarität von reiner Männlichkeit und reiner Weiblichkeit bedingt, wie es diese neue Geist- und Lebenslehre Psycho-Physiognomik lehrt.
  • Die Differenzen zwischen beiden Geschlechtern sind so mannigfaltig, dass, wenn auch sympathische Neigung schon zur guten Auslese führt, doch eine ganze Wissenschaft erforderlich ist, um zur besten Auslese zu kommen.
  • Die Personen, welche höchster, gegenseitiger Liebe in Treue
    fähig sind, erst diese Personen sind ehefähig, geniessen in Liebe
    und erfüllen durch Zeugung der besten Kinder den Entwicklungs-
    und Daseinszweck. Ist solche Liebe, solche Ehe möglich? Ich antworte mit "ja"; aber leider kannten die Menschen meist nicht die in ihnen schlummernden höchsten Kräfte, wussten sie nicht richtig anzuwenden, oder ungünstige, äußere Widerstände verhinderten solch höchstes Erdenglück.
  • Dann aber wird nach dem Tode in einer höheren Daseinsform
    wieder die Möglichkeit gegeben, dieses Glück, das hier versagt
    blieb, dort zu finden.
  • In der Ehe, in der Liebe, in der Zeugung, in der geistigen Entwicklung, in der Schönheit, also kurz im glücklichen Familienleben liegt der Lebenszweck, den uns diese neue Religion als Religionskultus lehrt. In der Wahrung der polaren Prinzipien, die in den Geschlechtern ruhen, liegt die nächste Aufgabe. Der Mann sei ganz Mann, das Weib sei ganz Weib, nie werde der Mann weibisch oder das Weib männlich. Der Charakter der Geschlechter bleibe gewahrt, dann sind alle Bahnen zum Suchen und Finden einer heiligen Liebe frei. Diese Liebe heilige man aber durch Reinheit des Herzens und der Körper und lasse sie in der Ehe sich entfalten.
  • Man muss alle erdenklichen Wege zur Eheschliessung und Ehetrennung offen lassen und alle erdenklichen Eheformen schaffen.
  • Aber diese neuen Lebensformen, die sich der künftigen Menschheit durch die Liebe erschließen werden, seien stets edel, rein und heilig. 
  • Der Mann sei Träger des Ideals auf realer Grundlage, sein
    Ziel sei die göttliche Vollkommenheit; in ihm soll sich die schöpferische Kraft des Körpers und Geistes entfalten; er sei Träger aller schöpferischen Entwicklung. Er stelle das göttliche Entwicklungsideal überall am höchsten; seine Liebe teile sich zwischen der Gottheit und dem Weibe. Das Weib lehne sich an den Mann an ; ihre Liebe teile sich zwischen Mann und Kind. Das Kind wiederum stehe der Mutter und der umgebenden Natur am nächsten; darum sei in der Kinderseele Liebe zur Mutter und Liebe zur Natur. Nicht abstraktes Wissen, sondern Wald und Flur, Feld und Garten sind Tummelplatz für das Kind, an der Hand
    der liebenden Mutter.
  • Das Gebiet des abstrakten Wissens gehört nicht dem Kinde,
    nicht dem Weibe. Es gehört dem Manne; das ist Naturbestimmung.
  • Das Verstehen der ersten und letzten Ursachen der Welt, Erkenntnis dieser harmonischen Weltanschauung, und zwar nicht allein mit dem Verstande, sondern auch mit dem Herzen , mit ganzer Seele. das werde Grundlage der höheren Bildung. Dahin zu führen ist dieses Werk "Individuum und Universum" bestimmt.
  • Erst dann wird man mit tieferem Verständnis meine Weltanschauung, die ich in der Psycho-Physiognomik niederlege, studieren
    können.

(1), (2) Hat es eine tiefere Bedeutung, dass Huter einmal das Wort "Energie" verwendet - für die Grösse und Weite - und danach das Wort "Kraft" - für die Kleinheit? - Weshalb schreibt Huter lediglich "Kleinheit" und nicht "Kleinheit und Tiefe"? - Huter hat diesen Text vielleicht nie näher geprüft, etc.

(3) Das Wort "grundverschieden" verwendet Huter auch bei der Charakterisierung der Unterschiede von Mann und Frau, siehe Rubrik  4A. Frau und Mann: Charakterisierung , Abschnitt 1.

(4) Huter sagt: In den Formen lebt der Geist! - Form und Geist bedingen sich. Das ist ein fundamentales Element der Huterschen Lehren. - Von hier ist es nicht weit zum Gedanken in der Rubrik 2C. Hutersche Lehren II: Wichtige Schriften , Abschnitt 1.6: "Das grösste Rätsel der kulturgeschichtlichen Entwicklung ist, dass man den Anfang aller Natur- und Wahrheitserkenntnis, eine physiognomische Weltanschauung, weder gefunden noch gefördert hat."


3. Ergänzungen


3.1 Der einzelne Mensch und seine Weltanschauung
Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft, 1910. Vorwort.
Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung.

Zitat Anfang:

  • Weltanschauung und Persönlichkeit sind nach Carl Huter unzertrennliche Begriffe.
  • Er lehrt: Die Weltanschauung drückt dem Menschen erst den eigentlichen Stempel auf, sie gibt ihm erst den Halt in den Stürmen des Lebens, auf ihr basieren sein Denken, Fühlen und Handeln, sie bildet ihn, sie gibt ihm seinen Lebensgrund und seine Charakterstärke.
  • Auch umgekehrt neigt der Mensch dahin, sich seine Weltanschauung nach seinem Charakter zu bilden. Jeder macht sich diejenige Richtung zu eigen, die seinem inneren Wesen entspricht, vorausgesetzt, dass ihm die Möglichkeit dazu gegeben ist! Zwischen diesem freien Fühlen und Forschen, Sichbilden und Charaktererziehen tritt nun die von Carl Huter geschaffene, neue grosse Weltanschauung auf den Plan.

Zitat Ende.

3.2 Die Entdeckung, dass in der biologische Zelle eine Lebensenergie wirksam ist und die Konsequenzen für die Weltanschauung
Carl Huter: Katechismus der Huterschen Wissenschaft, 1909. Ziffer 21. Die ganze Ziffer 21 ist abrufbar in der Rubrik  5B. Weltäther: Grundkenntnisse II , Ziffer 2.1.

Carl Huter schreibt:

  • Er hat die Zentrosomengebilde der lebenden Zellen auf die in diesen wirkende besondere Lebensenergie zurückgeführt.
  • Er hat damit den Materialismus gebrochen ...
  • ... und die Zwischenkraft entdeckt, die zwischen der materiellen und der höhergeistigen Welt als Brücke liegt und die Trägerin des gesamten Entwickelungsprinzips in der Natur darstellt.


3.3 Der Weg zum Materialismus
Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft, 1910. Teil I: Carl Huters Lebensphilosophie, Ziffer 7: Das Gottheits- und Glückseligkeitsprinzip.
Gliederung und Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung.

Zitat Anfang:

  • Die alten Völker sahen im regelmässigen Wiederkehren der Gestirne, der Jahreszeiten, im Werden, Leben und Vergehen etwas Gesetzmässiges, und hinter diesem, als Ursache, einen Gesetzgeber. Das ist z. B. bei der Religion der Ägypter, Babylonier, Perser, der Israeliten, Römer usw. der Fall. Diese Völker machten daher auch das Gesetz zur Basis ihrer staatlichen Organisationen.
    Ergänzung der Carl-Huter-Stiftung: Die damaligen Menschen stellten sich diesen "Gesetzgeber" (fast immer) als ein hohes göttliches Wesen vor, das mit grösster Weisheit ausgestattet war und als ein Wesen, das den meisten Menschen nie zu Gesicht bekamen.
  • Die alte Auffassung, dass ein Gesetzgeber der Urheber alles Weltgeschehens sei, fand ihren konsequenten Ausdruck in der altisraelitischen Religion, in der Moses zum ersten Male den vollendetsten geistigen Monismus durchführte. Jahrtausende war diese Ansicht die herrschende.
  • Dann trat allmählich ein Umschwung ein: die materialistische Weltanschauung, deren Vertreter meistens Männer der Wissenschaft sind, bekam die Oberherrschaft.
  • Huter führt das darauf zurück, dass sich bei vielen derselben die Organe des höheren religiösen Erkennens nicht zu jener Höhe entwickelten, wie es bei den alten religiösen Völkern der Fall war, dass gewissermassen Menschen geringerer Art mit geringer entwickeltem Oberhirn entstanden.
  • Er sieht in vielen der modernen Wissenschaftler rückentwickelte Menschen, deren Geistesleben "vereckt" entwickelt ist.
  • So erklärt es Huter, dass der Materialist infolgedessen die geistige Ursache, die hinter allem Gesetzmässigen steht, ausschaltet.

Zitat Ende.

Anmerkung

In der Einleitung zum zwölften Lehrbrief schreibt Huter, siehe Rubrik  10D1. Entwicklungslehre, Ethik, Religion : Wir sehen hieran, die kleine Entwickelungslehre Lamarck-Darwin-Häckel, führt von der Religion ab, die grosse Entwickelungslehre von Carl Huter führt zur Religion hin.



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Diese Seite wurde am 19. November 2019 erstellt. Sie wird regelmässig geprüft. Änderungen erfolgten am 20. November 2019, am 22. Juli 2022, am 27. September 2023, am 27. November 2023, am 26. Juni 2024 und vom 23. Februar bis 24. Februar 2026.

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