Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

Nietzsche und Darwin


Die Werke dieser beiden Personen erschienen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie hatten zur Zeit Huters einen grossen Einfluss, namentlich auf die Jugend und namentlich in Deutschland und England. Die christlichen Werten gerieten ins Wanken. Es entstanden rassistische, materialistische und andere Ideologien. Auch die Politik war stark davon beeinflusst (kriegerische Kolonialpolitik: Burenkrieg in Südafrika; Boxeraufstand in China, etc.).

Die Lehren von Nietzsche, Darwin, Häckel, Büchner (Ludwig) und anderer, deren Namen heute weniger bekannt sind, führten um 1900 herum zur Bildung eigentlicher weltanschaulicher Bewegungen Strömungen, am stärksten in Deutschland und deutlich weniger stark z.B. England. In Deutschland entstand der Monisten-Bund (naturwissenschaftlich orientiert; zehntausende von bekennenden Anhängern) und der Kepler-Bund (christlich-biblisch orientiert). In diesem Umfeld trug Carl Huter seine Lehre ins deutsche Volk hinaus. Er stand vor der Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu betreiben.


Über Nietzsche, die Wirkung von Darwin, die Strebsamkeit von Kant - und über Religion und Höherentwicklung
"Welt- und Menschenkenntnis", I. Lehrbrief, 10. Lektion


  • Nietzsche wird von vielen verehrt, von anderen verurteilt. Er ist ein Energie- und Tatenmensch, das zeigt sein gewaltig hervortretendes Kinn. Was Kant angeboren war, das fehlte Nietzsche etwas. Bei Kant war das Triebleben zurückgestellt, Nietzsche aber hat seine Lehre auf die Triebe des Lebens begründet. Er hat einen glänzenden Stil, weil er aus Lebenslust heraus geschrieben hat.
  • Nietzsche ahnte Grosses, brachte es aber nicht, er zerstörte zu viel gutes Altes im ehrlichen Ringen nach Wahrheit.
  • Darwins "Kampf ums Dasein-Lehre" mit Nietzsches Gewaltübermenschentheorie gepaart, haben den modernen Menschen zur Rastlosigkeit und Lieblosigkeit, zu einer grausamen Realpolitik und sinnloser Genusssucht geführt, zu einer Lebensanschauung, die neue Werte verspricht, aber nicht schafft, sondern fast alle idealen Werte vernichtet.
    Denn nicht Instinkt, sondern Weisheit und Kraft, nicht rohe Gewalt, sondern Liebe und Schönheit schaffen alle hohen dauernden Güter der Welt.

  • Nietzsche wollte, wie der Geheimbund der alten Essäer der Juden, die Epikuräer der Griechen und andere materialistische Sekten lange vor Nietzsche, ohne Gottesglauben leben. Die Zerstörung der höchsten Lebensideale, des Glaubens an eine Gottheit, ist aber kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in Philosophie und Erkenntnis.
  • Über sich hinaus Höheres zu schaffen, zu glauben und zu erstreben, ist das Wesen wahrer Religion und jedes höheren Kulturfortschrittes, das Wesen aller Höherbildung und Entwicklung.
  • Nietzsche irrte sich, wenn er eine Menschheitshöherbildung zu erreichen hofft ohne ein Ideal, das über allem Irdischen und Menschlichen steht. Die Weisen gehen die Bahnen eines Kant, die Toren die eines Nietzsche. Will man aber Nietzsche nicht ernst nehmen, sondern ihn betrachten wie jenen Künstler im Zirkus, der immerhin zur Abwechslung beiträgt, so hat man ihn richtig erkannt als den sprachgewandten Unterhaltungsvirtuosen, der mit manchen frischen derben Einfällen geistig anregt.

Anmerkung


  • Die von Huter beklagte Rastlosigkeit, grausame Realpolitik, etc. ist, genau genommen, nicht einzig eine Folge der Lehren von Darwin und Nietzsche sondern auch dem Umstand geschuldet, dass dem modernen Menschen keine religiösen Lehren bekannt sind, die auf einem naturwissenschaftlichen Weltbild beruhen, die ihn zu überzeugen vermögen und ihn zu einer echten religiösen Kultur führen.
  • Huter macht oben eine Einschätzung über die Wirkung von Darwins Werk und nicht über Darwin als Person. Huter hat Darwin als Person sehr geschätzt, namentlich als hervorragenden, genialen Naturforscher. Dies ergibt sich aus seinen Beschreibungen in "Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis" und in "Welt- und Menschenkenntnis" (Hauptwerk").
  • Huter hat Darwins Erkenntnisse als zutreffend eingeschätzt. Die Evolution, also die Höherentwicklung der Lebewesen im Verlauf der Zeit beruhte nach Huter auf weiteren Ursachen, namentlich auf dem Empfindungsvermögen. Man vergleiche mit  V Evolution A und mit  VI Evolution B.
  • Darwin war wie Huter auf seinem Fachgebiet ein Autodidakt. Und beide trugen denselben Vornamen: Charles resp. Carl Huter.