Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

E. Zitate von Carl Huter über Nietzsche und Darwin


Die Werke dieser beiden Personen erschienen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie hatten zur Zeit Huters einen grossen Einfluss, namentlich auf die Jugend und namentlich in Deutschland und England. Die christlichen Werten gerieten ins Wanken. Es entstanden rassistische, materialistische und andere Ideologien.

Auch die Kolonial-Politik einzelner europäischer Länder war davon beeinflusst, namentlich jene von Deutschland, England und Belgien. Sie führte zu einem Verlust an Respekt gegenüber Menschen anderer Rasse und anderer Kulturen. Der Burenkrieg in Südafrika, der Boxeraufstand in China und die Ereignisse in belgischen Kolonien sind dadurch begünstigt worden. Die Bedenken gegen diese Vorgehensweise liessen sich leichter zerstreuen - bei der eigenen Bevölkerung, bei den Soldaten, die man dorthin schickte, etc.

Die Lehren von Nietzsche, Darwin, Häckel, Büchner (Ludwig) und anderer, deren Namen heute weniger bekannt sind, führten um 1900 herum zur Bildung eigentlicher weltanschaulicher Bewegungen, ganz besonders in Deutschland. Hier entstand der Monisten-Bund (naturwissenschaftlich orientiert; zehntausende von bekennenden Anhängern; beruhend auf den Schriften von Ernst Häckel) und der Kepler-Bund (als Reaktion auf den Monisten-Bund; christlich-biblisch orientiert).

Nun kam auch noch Carl Huter, der eine neue Weltanschauung vertrat, die  weder monistisch noch christlich-biblisch war sondern dazwischen lag und sich nicht konfliktfrei mit der einen oder anderen Weltanschauung verbinden liess. Seine Weltanschauung ist im Abschnitt  VIII Weltbild  ersichtlich.

So war es für Huter schwierig, Personen zu finden, die sich für seine "Weltanschauung" interessierte und noch schwieriger, Anhänger und Anhängerinnen zu finden! Wer sich dafür interessierte, der hatte meist seine Wahl schon getroffen, z.B. Monisten-Bund, Kepler-Bund. Stets musste er in aufklärender Arbeit auf Irrtümer hinweisen und zweifelnde Personen zu überzeugen versuchen.


Über Nietzsche, die Wirkung von Darwin, die Strebsamkeit von Kant - und über Religion und Höherentwicklung
"Welt- und Menschenkenntnis", I. Lehrbrief, 10. Lektion


  • "Nietzsche wird von vielen verehrt, von anderen verurteilt. Er ist ein Energie- und Tatenmensch, das zeigt sein gewaltig hervortretendes Kinn. Was Kant angeboren war, das fehlte Nietzsche etwas. Bei Kant war das Triebleben zurückgestellt, Nietzsche aber hat seine Lehre auf die Triebe des Lebens begründet. Er hat einen glänzenden Stil, weil er aus Lebenslust heraus geschrieben hat."
  • "Nietzsche ahnte Grosses, brachte es aber nicht, er zerstörte zu viel gutes Altes im ehrlichen Ringen nach Wahrheit."
  • "Darwins "Kampf ums Dasein-Lehre" mit Nietzsches Gewaltübermenschentheorie gepaart, haben den modernen Menschen zur Rastlosigkeit und Lieblosigkeit, zu einer grausamen Realpolitik und sinnloser Genusssucht geführt, zu einer Lebensanschauung, die neue Werte verspricht, aber nicht schafft, sondern fast alle idealen Werte vernichtet.
    Denn nicht Instinkt, sondern Weisheit und Kraft, nicht rohe Gewalt, sondern Liebe und Schönheit schaffen alle hohen dauernden Güter der Welt.
    "
  • "Nietzsche wollte, wie der Geheimbund der alten Essäer der Juden, die Epikuräer der Griechen und andere materialistische Sekten lange vor Nietzsche, ohne Gottesglauben leben. Die Zerstörung der höchsten Lebensideale, des Glaubens an eine Gottheit, ist aber kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in Philosophie und Erkenntnis."
  • "Über sich hinaus Höheres zu schaffen, zu glauben und zu erstreben, ist das Wesen wahrer Religion und jedes höheren Kulturfortschrittes, das Wesen aller Höherbildung und Entwicklung."
  • "Nietzsche irrte sich, wenn er eine Menschheitshöherbildung zu erreichen hofft ohne ein Ideal, das über allem Irdischen und Menschlichen steht. Die Weisen gehen die Bahnen eines Kant, die Toren die eines Nietzsche. Will man aber Nietzsche nicht ernst nehmen, sondern ihn betrachten wie jenen Künstler im Zirkus, der immerhin zur Abwechslung beiträgt, so hat man ihn richtig erkannt als den sprachgewandten Unterhaltungsvirtuosen, der mit manchen frischen derben Einfällen geistig anregt."

Anmerkung


  • Die von Huter beklagte Rastlosigkeit, grausame Realpolitik, etc. ist, genau genommen, nicht einzig eine Folge der Lehren von Darwin und Nietzsche sondern auch dem Umstand geschuldet, dass dem modernen Menschen keine religiösen Lehren bekannt sind, die auf einem naturwissenschaftlichen Weltbild beruhen, die ihn zu überzeugen vermögen und ihn zu einer echten religiösen Kultur führen.
  • Huter macht oben eine Einschätzung über die Wirkung von Darwins Werk und nicht über Darwin als Person. Huter hat Darwin als Person sehr geschätzt, namentlich als hervorragenden, genialen Naturforscher. Dies ergibt sich aus seinen Beschreibungen in "Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis" und in "Welt- und Menschenkenntnis" (Hauptwerk").
  • Huter hat Darwins Erkenntnisse als zutreffend eingeschätzt. Die Evolution, also die Höherentwicklung der Lebewesen im Verlauf der Zeit beruhte nach Huter auf weiteren Ursachen, namentlich auf dem Empfindungsvermögen. Man vergleiche mit  V Evolution A und mit  VI Evolution B.
  • Darwin war wie Huter auf seinem Fachgebiet ein Autodidakt. Und beide trugen denselben Vornamen: Charles resp. Carl Huter.