Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

D. Weltbild

Das Empfindungsvermögen und seine Rolle für die Entstehung von Leben und die Entstehung des Menschen:
Was ergibt sich daraus?


Das Leben in Staat und Gesellschaft: Richten wir uns nach der Darwinschen Weltanschauung oder nach der Huterschen Welterklärung?

In unserer Weltanschauung kennt man nur die darwinistische, materialistische Weltanschauung oder dann die religiöse Weltanschauung (z.B. im Christentum, im Islam).

Würde man die darwinistische Weltanschauung konsequent leben, so wäre das ganze Leben eine einzige Abfolge von Wettbewerb, Wettstreit, Verdrängung, etc. In wenig entwickelten Staaten und in diktatorischen Staaten sind solche Verhältnisse anzutreffen. Hier gilt oft das Recht des Stärkeren, das Recht des Rücksichtsloseren.

In den höchstenwickelten Kulturstaaten

a. wird der einzelne Mensch in allen seinen Lebensabschnitten auf menschliche Art und Weise behandelt: Im Kinderhort, in der Grundschule, in der Hauptschule, in der Berufslehre, im Gymnasium, im Berufsleben, etc. 

b. ist die staatliche Gewalt dreigeteilt: Legislative, Exekutive und Judikative

c. werden die Grundrechte des Menschen eingehalten. Sie sind in der Verfassung verankert, orientieren sich an der Europäischen Menschenrechtdeklaration und der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (UNO).

Würde sich das Zusammenleben der Menschen in einem Staat an den darwinistischen Prinzipien orientieren, würde ein grenzenloser Wettstreit bestehen. Jede Person ist aufgerufen, sich und die Seinen zu schützen, evtl. in Verbindung mit Mistreitern. In einem solchen Staat besteht nirgends Raum für Solidarität und Arbeitsteilung. Es wäre unmöglich, dass sich die Menschen im Beruf eine Nische schaffen, wo sie ungestört und geschützt eine hochwertige Arbeitsleistung erbringen können. Sie müssten sich stets gegen Bedrohungen aller Art wehren, sie wären stets im Kampf gegen Seinesgleichen. Es könnte niemals eine arbeitsteilige Wirtschaft entstehen, es könnte kaum Qualitätsarbeit geleistet werden, es kann keine Kultur entstehen, etc. Eine solche Gesellschaft würde wohl nach kurzer Zeit zugrunde gehen.

Was ergibt sich für Anhänger der Huterschen Weltanschauung?

  1. Die Darwinsche Erklärung über die Abstammung der Arten erweist sich als unvollständig.
  2. In der Materie tritt das Empfindungsvermögen in einer schlummernden Weise auf. In der lebenden Zelle kommt das Empfindungsvermögen zum Erwachen. Es zeigt sich organisierend und schöpferisch. Je höher entwickelt das Lebewesen ist, desto mehr Bewusstsein und Gewissen besitzt das Lebewesen.
  3. Daraus ergibt sich ein neues Weltbild. Es ist nicht deckungsgleich mit dem naturwissenschaftlich orientierten Weltbild und nicht deckungsgleich mit dem Weltbild einer der heutigen Religionen.
  4. Jede Form und Erscheinung ist ein Ausdruck der innewohnenden Kräfte und Stoffe. Beim Menschen lässt sich das Innere besonders gut im Äusseren erkennen.
  5. Eine wichtige Lebensaufgabe besteht in der Stärkung der Helioda.

Die Herkunft des Menschen: Schöpfung oder Entwicklung? Oder Schöpfung und Entwicklung?

Wenn das Empfindungsvermögen ein Grundelement unserer Welt ist, dann ist nicht auszuschliessen, dass der Mensch nicht einzig durch Evolution entstanden ist. Möglicherweise haben dann (Zwischen-)Schöpfungen stattgefunden. Diese sind aber nicht zu vergleichen mit der Schöpfung, die in der Bibel beschrieben ist, nämlich die Erschaffung des Menschen aus dem Staube, aus dem Nichts. "Zwischenschöpfung" bedeutet, dass es unter ganz

Carl Huter vertritt entschieden die Ansicht, dass der Mensch seine Herkunft sowohl evolutionären Prozessen*) als auch Zwischen-Schöpfungsprozessen verdankt, die unter ganz besonders günstigen Umständen auf unserer Erde an besonders bevorzugten Orten aufgetreten sind.

*) Höher entwickelte Lebewesen sind nicht nur durch Evolution im Sinne der Erklärungen von Darwin und Lamarck entstanden, sondern insbesondere und zur Hauptsache dank dem Mitwirken der Empfindungsenergie! Man kann dies als eine "intelligenten Mitwirkung" bezeichnen.

Schlussbemerkung

Die (Lamarck-)Darwin’schen Lehren gehören zur materialistischen Weltanschauung, denn Elemente wie "Empfinden", "Geist", "Seele" oder "Liebe" haben darin keinen Platz, ausgenommen evtl. Liebe in Bezug auf die Zuchtwahl; ob dabei stets die Liebe den Ausschlag gibt und erst noch bei beiden Partnern wird von Darwin aber nicht angesprochen. Eine geistige resp. nicht-materialistische Erklärung über die Herkunft des Menschen, die den naturwissenschaftlich gebildeten Menschen zufrieden stellen könnte, gibt es bis heute nicht. So hat diese Erklärung ihren Siegeszug ungehindert angetreten und die biblische Erklärung verdrängt. Es gibt weiterhin eine grosse Gruppe von Menschen, die weder mit der naturwissenschaftlichen Erklärung noch mit der biblischen Erklärung restlos zufrieden sind. Eine plausible alternative Erklärung haben diese Menschen kaum.

Die Hutersche Schöpfungs-Entwicklungslehre ist als eine plausible alternative Erklärung zu betrachten. Huter nennt seine Weltanschauuung "die geistige Weltanschauung".

Die dominante Stellung des materialistischen Weltbildes manifestiert sich darin, dass es in der heutigen Naturwissenschaft keinen Platz gibt, die Phänomene anders als materialistisch, d.h. als Wirkung von Kraft und Stoff zu erklären. Wenn sich ein Phänomen auf diese Weise nicht erklären lässt, dann lässt man es nicht zu, das Phänomen unter Erweiterung des Weltbildes zu erklären. Deshalb lassen sich noch längst nicht alle physikalischen Phänomene anschaulich und befriedigend erklären, z.B. die Gravitation, die Ausbreitung des Lichts (resp. von elektro-magnetischen  Wellen) und viele andere Erscheinungen, die damit in Verbindung stehen.

Der Einfluss des Materialismus ist ganz deutlich in der Kunst erkennbar. Die Erzeugnisse der schöpferischen Künstler (Dichtung, Malerei, Skulptur, Tonkunst) haben sich ab 1850 stark verändert. Sie vermitteln eine Sicht der Dinge (oder ein Weltbild), das zunächst mit realitisch, nüchtern charakterisiert werden kann. Schon kurze Zeit später, um 1900 vermittlen manche Künstler eine Sicht der Dinge, die als pessimistisch, verneinend oder sogar als selbstzerstörend, auflösend zu bezeichnen ist. Dieser Trend hst sich seither und bis heute verstärkt, d.h. nach Breite (Anzahl Künstler) und Tiefe (die Kunstwerke vermitteln diese Weltsicht immer umfassender). Sollte einmal ein Übergang zu einem geistigen Weltbild erfolgen (der in 50 oder 100 Jahren zu erwarten ist) wird sich dies auch in den künstlerischen Schöpfungen und in den Normen unserer Gesellschaft einen sichtbaren Ausdruck finden.

In vielen Staaten bildeten sich politische Parteien und Regierungen, die mehr oder weniger (sozial-)darwinistische Tendenzen aufwiesen, sowohl im linken Parteispektrum als auch im rechten Parteienspektrum. Von den politischen Parteien haben nur christlich-orientierte Parteien eine wirklich nicht-materialistische Weltanschauung. Carl Huter plante die Gründung der «Hochwart-Partei». Er hoffte, dass diese Partei unter den vielen Menschen, die sich mit den heutigen Weltanschauungen und den heutigen Parteien nicht restlos identifizieren können, eine grosse Anhängerschaft gewinnen wird. In dieser Partei sollten sich jene Menschen sammmeln, die sich an seiner geistigen Weltanschauung orientieren.


Anmerkung

Das Hutersche Weltbild hatte zu Huters Zeit nur eine geringe Bekanntheit erlangt. Heute ist es als völlig unbekannt. Letzteres hat seinen Grund u.a. darin, dass viele der Huterschen Schriften nur als Erstauflage erschienen sind, seit vielen Jahren nicht mehr käuflich sind und nur ausnahmsweise in einer öffentlichen Bibliothek vorhanden sind. Sodann muss man die  Schriften sorgfältig studieren und die massgebenden Stellen suchen, denn in den Huterschen Schriften werden stets viele Themen behandelt! Vermutlich hat Huter niemals einen Vortrag gehalten, wo er seine Ansicht über seine Schöpfungs-Entwicklungslehre als Ganzes dargelegt hat. Unter der kleinen Zahl seiner Schüler und Schülerinnen sowie unter den Huter-Freunden hat sich bisher niemand mit diesem Thema näher befasst. Die Situation begann sich im Jahre 2014 langsam zu ändern (Veröffentlichung einer 6-teiligen Artikelserie in "Physiognomische Psychologie", Herbst 2014 bis Frühling 2017).

Zitate von Carl Huter
(Fettdruck durch die CHS)

Über den Einfluss der Lehren von Lamarck und Darwin auf die Weltanschauung. In einem Artikel, der in der Broschüre von Irma Fleischhacker "Carl Huter und seine Wissenschaft" erschienen ist, schreibt Huter:

  • "Nach Jean Lamarck lässt sich die Anpassung nach rein mechanischen Gesetzen erklären und daher hat auch die Lamarcksche Deszendenzlehre, die mechanistische Weltanschauung, so ausserordentlich gefördert, die geistige dagegen verdrängt. Der von mir nachgewiesene, gegen Zufall und mechanisch-chemische Einflüsse wirkende Gegenwillen des Individuums, der zugleich ein individuelles Lebenshochgefühl entwickelt, unterbricht das chemisch-mechanische Zufallsgesetz und ordnet sich dieses unter. Die individuelle Lebenskraft sucht zu herrschen."

Und Huter fährt fort:

  • "Gerade hierin liegt der gewaltige Unterschied der beiden grundverschiedenen Entwickelungsprinzipien und daher auch zugleich der Lehrtendenzen, denn Lamarcks Lehre förderte die materialistische und vernichtet die geistige Weltanschauung. Meine Lehre vertritt das materialistische und geistige, das reale und ideale Seiende und fördert alles gemeinsam zur höchsten Harmonie, worin das Geistige und Ideale über alles steht."

Über die Folgen der damaligen (und heutigen) Weltanschauung auf die Menschen, zitiert aus  Carl Huter: "Welt- und Menschenkenntnis", I. Lehrbrief, 10. Lektion:

  • „Darwins 'Kampf ums Dasein-Lehre' (CHS: materialistische Entwicklungslehre) mit Nietzsches Gewaltübermenschentheorie gepaart, haben den modernen Menschen zur Rastlosigkeit und Lieblosigkeit, zu einer grausamen Realpolitik und sinnloser Genusssucht geführt, zu einer Lebensanschauung, die neue Werte verspricht, aber nicht schafft, sondern fast alle idealen Werte vernichtet. Denn nicht Instinkt, sondern Weisheit und Kraft, nicht rohe Gewalt, sondern Liebe und Schönheit schaffen alle hohen dauernden Güter der Welt."

Was ist das Ideal des empfindenden Lebens? - Irma Fleischhacker nennt im Werk "Aus eigener Kraft" im Abschnitt "Grundlegende Thesen der Huterlehre" unter Ziffer 17 (von total 32):

  • "Das Ideal empfindenden Lebens ist religiöses Liebesleben."


History

  • Diese Seite wurde im Februar 2018 ausgearbeitet und am 1. März 2018 fertiggestellt.
  • Sie wurde am 27. und 29. März 2018 ergänzt.

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