Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

C. Schöpfung - zusätzlich zur Evolution?

Nach Huter ist die heutige Lebenswelt - Pflanzen, Tiere und der Menschen - nicht nur ein Produkt von evolutionären Vorgängen, sondern auch von Schöpfungen.

Eine Schöpfung ist nach Huter ganz ausnahmsweise möglich: Wenn sich an einem besonders lebensfreundlichen Ort die Empfindungsenergien stark konzentrieren.

Sandro Botticellli: Die Geburt der Venus aus einer Muschel

Nach Huter ist anzunehmen, dass auf der Erde in Zeiträumen von Millionen von Jahren solche Verhältnisse für kurze Zeit auftreten können aus einem Zusammenwirken von Zufall aber auch getrieben durch die Empfindungsenergie.

Die Entstehung von Leben, also der ersten lebensfähigen Zelle, erklärt Huter durch Schöpfung, d.h. nicht wie in der materialistischen Weltanschauung rein durch Zufall, sondern durch Mitwirkung von Empfindungsenergie mit dem Drang, eine lebensfähige Zelle bilden zu wollen. Zuvor sind in gleicher Weise, angetrieben durch die Empfindungsenergie und beruhend auf dem Umstand, dass die Anwesenheit der erforderlichen Faktoren wie Wärme, Licht, chemische Elemente (Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel, Wasserstoff, etc.) auch gelegentlich rein zufällig zur Entstehung der erforderlichen Vorprodukte führen wird, die notwendigen Bestandteile entstanden. Es ist davon auszugehen, dass auf der Erde, in dieser Zeit, wo die Bedingungen für die Entstehung von lebenden Zellen günstig war, es mehrfach zur Bildung von Zellen gekommen ist. Einige erwiesen sich als mangelhaft. Sie sind vielleicht ohne Bildung von Tochterzellen oder dann nach wenigen Generationen zugrunde gegangen und damit erwies sich diese Schöpfung als ein Fehlversuch.

In der Naturwissenschaft hat sich ab 1850 die materialistische Sichtweise über die Entstehung des Lebens und seiner Höherentwicklung durchgesetzt. Sie beruht insbesondere auf den Arbeiten von Charles Darwin ("Die Entstehung der Arten", 1859; die englische Erstauflage von 1'250 Exemplaren war bereits vor dem Erscheinen ausverkauft), Ludwig Büchner ("Kraft und Stoff", 1855; 21 deutsche Auflagen in 50 Jahren) und ihren Nachfolgern, z.B. Ernst Haeckel (1834-1919) und Ernst Mayr (1905-2005). Demnach ist Entstehung des Lebens (Zelle) und der heutigen irdischen Lebenswelt rein materialistisch zu erklären:

a. Im Lauf von Millionen von Jahren haben sich die für die Zelle notwendigen chemischen Stoffe und die notwendigen Strukturen rein zufällig und einzig durch physikalisch und chemisch erklärbare Abläufe (Prozesse) gebildet.

b. Die Höherentwicklung folgte dann zunächst rein durch Anpassung, auch rein physikalisch und chemische erklärbar, während Hunderten von Millionen von Jahren.

c. Als dann die Natur die geschlechtliche Fortpflanzung entdeckt hatte (auch durch reinen Zufall und durch Anpassung) und die Lebewesen begannen, ihren Partner / ihre Partnerin zu wählen, beruhte die Höherentwicklung zusätzlich auf dem Prinzip der Zuchtwahl.


Carl Huter hält diese Erklärung für unvollständig*)

a. das Alter unserer Erde ist viel niedrig als dass in dieser Zeit das Leben, welches heute auf der Erde vorhanden ist, rein durch Zufall hätte entstehen können.

b. die Zellen lassen sich nicht beliebig weiter entwickeln, denn die chemischen Bestandteile lassen nur eine bestimmte Weiterentwicklung zu. Es musste also nebst der evolutionären Weiterentwicklung auch Veränderungen im Sinne einer auf Schöpfung beruhenden Höherentwicklung geben.

c. Er (Huter) habe die Empfindungsenergie experimentell nachgewiesen. Die Empfindungsenergie vermag sogar Kraft und Stoff zu beherrschen. Sie ist somit die höchste Kraft im Weltall. Daher könne eine Erklärung über die Entstehung des Lebens, die heutige Entstehung der heutigen Pflanzen- und Tierwelt und über die Herkunft des Menschen, welche die Empfindungsenergie nicht berücksichtigt, niemals zu einem befriedigenden Ergebnis führen.

*) Zusammenfassung aus verschiedenen Schriften Huters. Zum Teil sind sie auf dieser Seite auszugsweise wiedergegeben.


Die Schöpfung des Menschen in der Malerei

Michelangelo Buonarotti: Die Erschaffung Adams. Der göttliche Funke.

Michelangelo erstellte sein Gemälde im Auftrag des Papstes (ein Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle) und er konnte daher gar nicht anders als sich an der biblischen Schilderung über die Erschaffung Adams zu orientieren. Somit mussten in dieser Szene Gott und der Mensch (als Mann) vorkommen. In der Genesis (Schöpfungsgeschichte der Bibel) steht einzig, dass Gott den Menschen am 6. Tag erschaffen hat. Ob der Mensch aus Staub entstanden ist, ob Gott ihm eine Seele eingehaucht hat, steht dort nicht, sondern ist später gesagt und geschrieben worden. Aus seinem Gefühl heraus hat Michelangelo gespürt, dass der Mensch über eine besondere Kraft (resp. Energie) verfügt, eine göttliche Kraft (oder Energie). So kam es zu dieser Darstellung.

In Botticellis Version (Bild: siehe oben) findet man keine aussenstehende  Person, z.B. einen Gott, der das Leben erzeugt. Bei Botticelli wird der Mensch aus der Materie selbst geboren. Dies kommt der Wahrheit schon viel näher. Der bildet den Mensch in seiner typischen Stellung ab, also aufrecht. Im Lauf der Evolution fand bei Tier und Mensch eine immer stärker werdende Aufrichtung statt. Und die Frau nimmt eine für weibliche Person geschlechtstypische Haltung ein.

Bei Bilder überzeugen durch grosse Ästhetik. In beiden Darstellungen kommt die einzigartige Stellung des Menschen auf unserer Erde - seine Erhabenheit, seine Würde, sein hoher Grad an Entwicklung und Vollkommenheit - überzeugend zum Ausdruck.



Die Entstehung des Menschen durch eine "Zwischenschöpfung"

Huter stellt in seinem Werk "Katechismus der Huterschen Wissenschaft" unter Ziffer 23 folgende Frage in den Raum: "Ist die Entstehung des Menschen auf Entwickelung oder auf Schöpfung zurückzuführen und wie entstanden die Rassen und Völkerstämme?" Dabei bestätigt er zunächst, dass sich das Leben im Grundsatz aus niederen Lebensformen entwickelt hat, was mit Evolution bezeichnet wird.

Huter schreibt (Fettdruck durch CHS):

  • "Die Menschen haben sich aus niederen Lebensformen zu höheren entwickelt. Es ist aber wahrscheinlich, dass in der frühen Tertiärperiode (1) aus den Primatoiden die Abzweigung der Arten sich vollzog, aus denen die Menschen hervorgegangen sind. In dieser Hinsicht deckt sich die Anschauung Carl Huter's mit der des Professors Dr. med. Klaatsch, Breslau. Aber Huter nimmt auch Schöpfungsakte an, er hält es für wahrscheinlich, dass die Erde in der frühen Tertiärperiode sogenannte Mediomen-Oasen (2) entwickelte, in denen die Empfindungs­energien ganz besonders stark arbeiteten und wo aus warmen Gewässern mit lebenden Eiweissmassen sich Lebewesen bildeten, die alle andern an Schönheit und seelischem Empfindungsreichtum überragten. Die Entwickelung aus diesem lebenden Eiweiss ging nicht durch Schöpferhand spontan vor sich, sondern kam aus den Empfindungsmediomen (3), also aus der Materie selber heraus. Wie weit da eine sogenannte vorentwickelte geistige Höhenkraft, eine sogenannte Vorsehung mitgewirkt haben kann, weiss man nicht. Aber auch dieses ist nicht ausgeschlossen, vielmehr sehr wahrscheinlich."*)

*) Weiterführende Ausführungen im III. Lehrbrief, 9. Lektion. Dort vertritt Huter die Ansicht, "ein Lebendigmachen der schlafenden Materie ist denkbar durch die höchsten Lebewesen". Sie müssen mit höchster Empfindungs-, Liebes- und Willenskraft ausgestatet sein.

  • "Diese spontan entstandenen Lebewesen mögen mit den höchsten Arten die damals entwickelt waren, sich verschieden geschlechtlich verbunden haben, wodurch die verschiedenartigen Rassen und Urmenschen entstanden. Diese haben sich von allen andern nach den höchsten tierischen Wesen, den Menschen am nächsten stehenden Affen, ausserordentlich scharf unterschieden und diese Unterschiede sind bleibend geworden."

Und fährt begründet diese Antwort wie folgt:

  • "Die Art Mensch ist schwerlich nur ausschliesslich ein gleiches Entwickelungsprodukt, wie das übrige tierische Leben, denn es stehen die Menschen ausserordentlich weit über dem Tierreich erhaben, sowohl an körperlicher, wie an geistiger Veranlagung. Es muss demgemäss irgend etwas besonderes bei der Entstehung des Urmenschen mitgewirkt haben."

Aus dieser Antwort lässt sich zwischen den Zeilen entnehmen, dass es im Entwicklungsprozess des pflanzlichen und des tierischen Lebens wohl keine Zwischenschöpfungen gab. Ob der Mensch das Produkt von einer oder von mehreren Zwischenschöpfungen ist, sagt Huter nicht.

Zu ist zu beachten, was Huter kurz Zeit später im Werk "Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis", V. Teil, 1909, schreibt:

  • "Lamarck und Darwin nehmen, wie wir gesehen haben, an, dass die gesamte Menschheit von einer einzigen Ur-Art abstammt. Ob man diese Ur-Art in den frühesten Halbaffen vermutet, wie Klaatsch, oder in einem höheren Zwischengliede (4), das zwischen den heutigen Menschenaffen und den niedrigsten Menschenrassen stand und ausgestorben ist, wie Haeckel annimmt, bleibt sich bei der Deszendenzlehre gleich."


Fussnoten

(1) Die von Huter genannte Abzweigung des Menschen vom Stammbaum der Primatoiden vollzog sich nach heutigen Erkenntnissen vor 5-7 Mio. Jahren, also nicht im frühen Tertiär (vor rund 60 Mio.). Huter hat sich in Bezug auf den Zeitpunkt der Abzweigung vermutlich auf die Ansicht von universitären Forschern bezogen (Prof. Klaatsch, Breslau). Siehe auch Fussnote (4).

(2), (3) Diese Begriffe erläutert Huter u.a. im Werk "Welt- und Menschenkenntnis". Es handelt sich um Materie, die rein physikalisch schwer nachweisbar ist. Menschen, deren Gefühl besonders geschult ist, können solche Substanzen fühlend wahrnehmen.

(4) Dieser Zeitpunkt (zwischen den heutigen Menschenaffen und den niedrigsten Menschenrassen) liegt vor rund 5-7 Mio. Jahren. Diese zeitliche Angabe entspricht genau den heutigen Erkenntnissen.

Fazit

a. Das Leben, das sich heute auf der Erde präsentiert, ist ursprünglich durch Schöpfung (erste lebensfähige Zelle) entstanden.

b. Dann hat sich das Leben aufgrund der von Huter genannten 5 Faktoren höher entwickelt, vgl. mit VI Evolution B

c. Der Mensch steht weit über den höchstentwickelten Tieren, besonders gross ist diese Distanz in geistiger Hinsicht: Bewusstsein, Gewissen, Denkfähigkeit, Kultur. Da die Materie dank dem Empfindungsvermögen über schöpferische Kräfte verfügt, ist es naheliegend anzunehmen, dass der Mensch durch eine Zwischenschöpfung entstanden ist. Er ist nicht in direkter Linie aus dem Tierreich hervorgegangen.


History

  1. Erstveröffentlichung: 1. März 2018, in Teilen bereits seit Ende Februar 2018.
  2. Ergänzungen und Änderungen am 20. und am 27. März 2018.

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