Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

G. Zitate von Carl Huter über
Schönheit, Proportion, Gesundheit, goldener Schnitt

Carl Huter hat eine Berufslehre als Portrait-, Dekorations- und Porzellanmaler durchlaufen. Dies mag erklären, weshalb Huters Erläuterungen viele Einzelheiten erhalten, z.B. in historischer Hinsicht, in Bezug auf die Beiträge einzelner Forscher.

Die Zitate dieser Seite stehen in Zusammenhang mit der Rubrik F. Schönheit, Ästhetik im Abschnitt "Neue Evolution".

 "Welt- und Menschenkenntnis", fünfte Lektion V. Lehrbrief

  • "Die alten Griechen legten jeder Darstellung des menschlichen Körpers gewisse Masse nach einer gewissen Regel, die man Kanon nannte, zugrunde. Im perikleischen Zeitalter war der berühmteste Kanon der von Polykleitos von Sikyon gefundene massgebend."
  • "Die Methode, welche Quetelet eingeschlagen hat, um aus dem mittleren Mass das Körperideal eines Volkes oder einer Rasse zu finden, möchte ich unbedingt befürworten. Man käme dadurch zu einer Gesundheits-Norm und Lehre einer Rasse, von der aus alle starken Abweichungen als Krankheiten oder Degenerationen der gleichen Rasse aufzufassen seien. Ein Gesundheitsamt ohne Besitz solcher wissenschaftlichen Methode über das Gesundheitsbild hat nicht hinreichende Orientierungsmittel, um über Gesundheit und Krankheit qualifiziert zu urteilen, denn es fehlt ihm ja der Wertmesser oder das Gesundheitsmass."
  • "Das real Schöne ist das Gesunde. Aus diesem Grunde habe ich die kallisophische Gesundheits-, Lebens- und Heillehre, auf diese einzig richtige Anschauung vom Gesunden-Schönen als Massstab angenommen und aufgebaut. Nur hierauf lässt sich die vollkommenste Heilwissenschaft und die wahre Heilmethode der Zukunft entwickeln."
  • "Ich möchte hier gleich betonen, dass jede Rasse ein besonderes Durchschnitts- oder Gesundheitsmass hat und daraus lässt sich für jede Rasse ebenso wie für jedes Naturell eine besondere Gesundheitslehre und Heilmethode schaffen. Wir kommen durch die Psycho-Physiognomik zur einzig richtigen, zur kallisophischen Heilmethode."
  • "Aus allen gefundenen Rassenmittelmassen oder Schönheitsgrundmassen liesse sich dann eine allgemeine Menschen-Gesundheits-, Krankheits- und Heillehre entwickeln."
  • "Der Professor der Anthropologie, Johannes Ranke in München schreibt in Bezug auf diese Idee: 'Erst aus der Verschmelzung aller Rassenideale zu einer mittleren Einheit würden wir das Idealbild der gesamten Menschheit erhalten. Es ist das ein Problem, von dessen exakter Lösung wir noch ausserordentlich weit entfernt sind. Ist doch auch das Ideal der europäischen Menschenform, wenn wir darunter die wahre Mittelform der Bevölkerung Europas verstehen, in naturwissenschaftlichem Sinne noch keineswegs gefunden. Hierzu würden tausende von exakten, ganz ins einzelne gehende Messungen an Angehörigen der verschiedenen europäischen Nationen und Stämme erforderlich sein, die noch nirgends vorliegen.' Ich meine die europäischen, mit staatlichen Mitteln versehenen Gesundheitsämter sollten nichts Eiligeres tun, als sich diese Gesundheits- und Schönheitsmasse* verschaffen."
    *) Mit Schönheitsmasse ist nicht die Masse als Substanz, sondern das räumliche Mass gemeint. Nach der neuen Orthographie ist kein Unterschied in der Schreibweise beider grundverschiedener Begriffe gemacht, was meiner Ansicht nach, da zu Missverständnissen führend, ein Mangel, ja ein Fehler der neuen Orthographie ist. - Fussnote von Carl Huter.
  • "Was sich nun die Wissenschaft mühsam handwerksmässig zusammensuchen muss, hat die göttliche Kunst längst gefunden. Rafael hat selbst gesagt, dass die höchsten Vertreter der Kunst den Zirkel, also auch die Masse für Gesundheit und Schönheit, im Auge haben. Die Künstler haben längst die ideale Körperform zur Darstellung gebracht."
  • "Um die Auffindung eines neuen Kanons für den mitteleuropäischen Schönheitsbegriff haben sich besonders die deutschen Bildhauer Schadow und Rietschel und die natur- und kunstwissenschaftlichen deutschen Gelehrten Carus und Zeising grosse Verdienste erworben." 
  • "Aber eins ist sicher, das Grundgesetz, was Zeising fand, 'der goldene Schnitt', ist eine der hervorragendsten Entdeckungen in Bezug auf die Formen- und Erscheinungswelt, weil dadurch ein mathematisches Seins- und Form-Prinzip der Dinge wissenschaftlich nachgewiesen ist. Ein Prinzip, das in den Kristallen, Pflanzen, Tieren und am vollendetsten im Menschen wiederkehrt. Zeising fand also ein noch anderes originales Messungsresultat wie Carus, dessen Grundnorm die wunderbare Eigenschaft hat, dass sie bei höchster Relativität die höchste Absolutheit in sich birgt. Man kann sagen, es ist hierdurch der mathematische Schlüssel zu allen Formen gefunden."
  • "Ich möchte aber betonen, dass Zeising damit noch nicht das innere Wesen des goldenen Schnitts ergründet hat. Hierüber werde ich später, wenn hier der Platz mangeln sollte, eine besondere Arbeit veröffentlichen*)."
    *) Der Schlüssel zum goldenen Schnitt, das heisst die Aufdeckung des letzten Geheimnisses, ist nur durch Carl Huters Weltformel möglich. - Fussnote von Carl Huter.
  • Ich möchte nun noch erwähnen, dass die Natur bei aller innern Arbeit an dem Ausbau der Harmonie doch stets individuelle Unterschiede bei jedem Individuum macht, also Abweichungen frei zulässt. Demnach ist in der Natur ausser dem Welteinheitsgesetz für jedes Individuum noch ein besonderes, für sich begünstigtes Individualgesetz schaffend, das jedoch nie ganz ohne das innere Schönheitsband des Alls lebensfähig ist. Es geht zu Grunde, je stärker es von der Allharmonie abweicht oder abweichen will. Ich komme auf das Wesen der Individualität und das der Universalität näher im Schlusskapitel zurück und werde daselbst den goldenen Schnitt noch weiter vorführen." *)
    *) Es scheint, als habe Huter dies nicht getan.

Ergänzende Ausführungen Huters
 "Welt- und Menschenkenntnis", fünfte Lektion V. Lehrbrief

  • "Solche vorgenommene Untersuchungen bei vielen schönen Individuen führten ihn (Quetelet) zur Berechnung der mittleren Masse, woraus er vermeintlich das Schönheitsideal der Belgier festsetzte. Meiner Ansicht nach fand Quetelet dadurch aber nur die reale Schönheit, die man mit Gesundheit oder wirkliche Norm bezeichnen kann, nicht aber das ideal Schöne. Dieses ist bei der klassischen Plastik noch auf anderem Wege gefunden, eine Methode, die ich später erklären werde. Die höchste Schönheit fanden aber auch selbst die Griechen nicht, jedoch fanden sie das möglichst ideal Schöne bis zu ihrer Ideenbegrenztheit, sie kamen dadurch der Gottheit am nächsten. Sie kamen daher zur höchsten Religion ihrer Zeit durch höchstmöglichste Schönheit ihrer Zeit, die nur durch Innerlichkeit vom Christentum übertroffen worden ist."
  • "Ob es aber noch eine höhere Schönheit und Religion gibt, als die klassischen Künstler und christlichen Ethiker schafften, die Frage ist nur für den zu beantworten, der fühlt, dass man das frank und frei bejahen darf. Ich werde den Weg dazu in den Schlusskapiteln zeigen." *)
    *) Es scheint, als habe Huter dies nicht getan.
  • "Um sich eine Vorstellung davon zu machen, wie die zeitliche Norm niemals als das Ideal der Schönheit, sondern nur als das Ideal der zeitlich bedingten Gesundheit des Typus einer Gattung ist, muss man einen Blick auf die Entwickelungsgeschichte werfen. Zur Zeit als die höchsten Primaten Halbaffen waren, konnte aus tausend Messungen an Halbaffen der gesundschöne Halbaffentypus gefunden werden, niemals aber war damit auch zugleich das Ideal der Schönheit gefunden. Dieses nächste Ideal der Schönheit fühlte der Halbaffe im Menschenaffen und er strebte dahin, es zu werden. Als der Menschenaffe oder das halb Tier, halb Menschgebilde erreicht war, strebte dieses Wesen instinktiv zur Entwickelung eines höhern Ideals zu dem Wildmenschen, dieser erarbeitete sich in seinem Idealismus zu den Zivilmenschen empor und aus diesem ging der altgriechische Kulturmensch hervor, der noch höhere Schönheiten als erstrebenswerte Ideale als Götter ahnte, dichtete, bildlich schaffte und sich dann selber darnach bildete. Leben, Idealismus, Wissenschaft, Kunst, Dichtung und Religion arbeiten somit bei allen Weisen stets harmonisch zusammen."
  • "Manche Anthropologen sind daher weit hinter dem idealschaffenden Künstler zurück, wenn sie aus einer gegenwärtig lebenden Rasse den Durchschnittstypus herausmessen und diesen als Schönheitsideal aufstellen. Dieses ist nach Huters Kallisophie nur die zeitliche gesundschöne Norm einer Gattung, nicht aber das Schönheitsideal, das stets werdend ist. Dieses werdende Ideale kann sich nur auf den Grundlagen der idealen Kunstvorbilder entwickeln." 
  • "Interessant ist es, zu wissen, dass bei den griechischen Statuen der Kopf kleiner und die Beckenbreite eine geringere ist, dagegen ist die Brust breiter und der Rumpf kürzer, Arme und besonders die Beine sind länger, als das von Quetelet gefundene belgische Körperideal ist."



 
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