Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

3L. Deutschland, 1933-1945


1. Überblick

Der NS-Staat verübte Unrecht gegenüber mehreren Dozenten und Verlegern der Huterschen Lehren:

  • Otto Malig: Vernichtung von Verlag, Archiv und der Büroeinrichtung; Berufsverbot; 18 Monate Gefängnis, vom April 1934 bis Oktober 1935.
  • Amandus Kupfer: Vernichtung des gesamten Verlags; faktisches Berufsverbot.
  • Carl Welkisch: Beschlagnahmung von Hab und Gut; 10 Monate im Gefängnis, Dezember 1934 bis Oktober 1935.
  • Kurt Wagner: Vernichtung von Verlag und Archiv; Ermordung infolge jüdischer Abstammung.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich freiwillig*) verpflichtet, an Opfer des NS-Regimes eine Wiedergutmachung auszurichten, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt waren. Die Einzelheiten sind in Gesetzen umschrieben.

*) Die im Jahre 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland (BRD) versteht sich nicht als Rechtsnachfolgerin des Grossdeutschen Reiches und haftet daher nicht für das Unrecht und die Zerstörungen, die durch staatliche Organe verübt worden sind. 

Die BRD wurde lediglich mittels einem Gesetz, dem Grundgesetz, ins Leben gerufen, nicht mit einer staatlichen Verfassung. Damit sollte vermieden werden, dass
a. nur noch die Bundesländer der damaligen BRD als deutscher Staat betrachtet werden, d.h. die Trennung in einen westdeutschen und einen ostdeutschen Teil (DDR) als endgültig anerkannt wird
b. die BRD als Nachfolge-Staat des NS-Staates betrachtet werden und für dessen Verbrechen haftbar gemacht werden könnte. 

 

2. Anforderungen an Mitglieder von staatlichen Behörden, aus psycho-physiognomischer Sicht 

1. Bei der Wahl resp. Ernennung der Mitglieder der Parlamente, der Regierungen, der Justiz und der Verwaltung sollten die Erkenntnisse berücksichtigt werden, die sich mithilfe der Huterschen Psycho-Physiognomik über die betreffende Person gewinnen lassen. Das Volk resp. die Wahlorgane müssen in Kenntnis dieser Ergebnis die Wahl treffen. 

2. Dann besteht die höchste Gewissheit, dass u.a.
a. dieser Staat die Bürgerinnen und Bürger niemals bedrängt und belästigt;
b. dieser Staat die allgemeinen Menschenrechte niemals verletzt;
c. die soziale Sicherheit derart umfassend sein wird, dass kein Mensch unschuldig in eine Notlage gerät, z.B. wegen Krankheit, aus Gründen des hohen Alters, dank staatlichen Sozialversicherungen, etc. 
d. Personen, die staatliche Macht ausüben, diese missbrauchen oder diese im Namen ihrer Organe missbrauchen
e. die Bürger in grösstmöglichem Wohlstand und Frieden leben.


3. Staatliche Behörden in Deutschland, 1933 bis 1945: Erkenntnisse aus psycho-physiognomischer Sicht

1. Es ist das grösstes Unglück, wenn die staatliche Macht in den Händen von Personen liegt, wie es in dieser Zeit der Fall war. 

2. Für die meisten Wissenschaftler ist es heute noch ein Rätsel, wie A.H. zu solchem Einfluss und zu solcher Macht gelangen konnte. Er hatte keine höhere Schulbildung, keine höhere Berufsbildung, keine Ausbildung zum Offizier, keine nennenswerte Berufserfahrung, etc.

3. Da die obige Feststellung auch heute noch zutrifft, 75 Jahre nach Kriegsende, kann man daraus schliessen: Erst durch die Hutersche Psycho-Physiognomik wird es möglich sein, wie A.H. und die Menschen um ihn herum, zu derart viel Unterstützung im Volk gelangen konnten und wie die Ereignisse und die vielen Untaten, die nach der "Machtergreifung" begangen worden sind, menschlich und psychologisch zu erklären sind. - Einzelheiten auf Anfrage!

Hinweis

Bei genauer, nüchterner Analyse hätte man viele Warnsignale erkennen können, ja erkennen müssen.*)

Viele Menschen haben später erklärt, sie hätten von den schlimmen Vorgängen innerhalb von Deutschland nie etwas gesehen oder gehört. Menschen aus dem engsten Kreis von A.H. erklärten, diese Person hätte sich ihnen gegenüber stets korrekt, zuvorkommend verhalten. Sie hätte nie etwas Abnormales bemerkt. Aber jetzt, wo der Krieg vorbei ist, jetzt fühlen sie sich getäuscht. 

*) Deutsche Bürger und Bürgerinnen, aber auch die Bürger ausserhalb von Deutschland, namentlich die ausländischen Regierungen. Letztere haben sich zum Teil sehr anpassend verhalten und glaubten, damit den Frieden zu erhalten.


4. Vertreter der Huterschen Lehren, denen der NS-Staat Unrecht zugefügt hat


4.1 Otto Malig

  • geb. am 21. August 1900 in Brende, Kreis Falkenberg, Oberschlesien;
  • gest. am 12. Februar 2003 in Sulzbach am Kocher, Baden-Württemberg;
  • ausgebildeter Förster; dann Weiterbildung als Psychologe.
  • Seit 1928 war er Mitarbeiter der Firma Noodt in Naumburg/Saale. Diese Firma bot psychologische und graphologische Beratung an. Maligs Arbeitsgebiet war die Hutersche Psycho-Physiognomik: Gutachten, Vorträge, schriftstellerische und verlegerische Tätigkeit. -
    Walter Noodt hat in Naumburg und Umgebung mehrere Huter-Vereine begründet und interessierte Personen zu Psycho-Physiognomen und Referenten ausgebildet. Gerda Noodt, vermutlich seine Tochter, betrieb um 1960 den "Typenverlag". Sie verlegte u.a. Otto Malig: Der erfolgreiche Menschenkenner, 1963, Sulzbach a. Kocher.
  • Das Bild zeigt Otto Malig um das Jahr 1930. Das Bild ist entnommen aus Otto Malig: Die Grundnaturelle. Naumburg/Saale, 1930. - Das linke Ohr ist infolge einer Verletzung verändert. 

Otto Malig schrieb mit seiner Hand unter das Bild: 

Carl Huters Menschenkenntnis 
bringt Klarheit und Aufstieg.
Otto Malig.


4.1.1 Gerichtsverfahren im Jahre 1934

Die Unterstreichungen stammen von Otto Malig
  • Im Dezember-Heft 1932 hat Otto Malig in seiner neu gegründeten Zeitschrift "Der Scheinwerfer" eine Charakterbeschreibung über die Person A.H. veröffentlicht.
  • Seine Zeitschrift ist mit Verfügung des Oberpräsidenten von Magdeburg vom 5. April 1933 für eine Dauer von 6 Monaten verboten worden. Die von Otto Malig erhobene Beschwerde wurde am 20. April 1933 zurückgewiesen. 
  • Trotz diesem Verbot versandte Otto Malig dieses Heft Ende April und anfangs Mai 1933 an ca. 9 Personen. Das wurde von der Polizei resp. der Gestapo offensichtlich bemerkt. Diese Handlung führte dann zum Gerichtsverfahren. Das Gericht hielt dies als Verstoss gegen die Verbots-Verfügung und als Verstoss gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 23. März 1933 infolge "Verächtlichmachung der Regierung durch heimtückische Angriffe".
  • Die Grosse Strafkammer des Landgerichts Naumburg (Sachsen-Anhalt) schreibt in ihrem Urteil vom 7. Februar 1934, nach der einleitenden Floskel "Im Namen des Volkes!":

    "In dieser Nummer werden dem Herrn Reichskanzler unter anderem nachgesagt:

    - Mangel an Würde und Reife; 
    - Verweichlichung, vielleicht zu üppige Lebensweise;
    - der Wille etwas zu scheinen, ohne es zu sein;
    - lächerliches Tänzeln;
    - anmassende Überheblichkeit, Grössenwahn."

    "... dass in dieser Nummer sehr überhebliche, anmassende und gehässige Anwürfe gegen den Reichskanzler Adolf Hitler enthalten waren. Daran kann ... kein Zweifel bestehen."

    "Der Angeklagte hat, statt über seine Tat Reue zu empfinden, noch zu behaupten gewagt, er habe bei der Verfassung und Verbreitung seiner Schmähbriefe gemeint, der Wissenschaft der Charakterbeurteilung zu dienen und dabei lediglich Deutschlands Wohl im Auge gehabt. Bei diesem Verhalten schien eine erhebliche Strafe angemessen, auch wenn seine persönliche Überspanntheit und Eitelkeit mildernd berücksichtigt werden."
  • Das erstinstanzliche Urteil der Grossen Strafkammer Naumburg wurde vom 6. Strafsenat des Reichsgerichts am 20. April 1934 bestätigt. Dort wurde die Sache als Verstoss gegen die Notverordnung vom 4. Februar 1933 zum Schutz des deutschen Volkes angesehen. Die erstinstanzliche Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis wurde bestätigt.
  • Nach der Gefängnisstrafe suchte er sich als Forstwart zu betätigen. Erst 1940 fand er wieder eine Stelle, im Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Dort wurden seine Ehefrau und die beiden kleinen Töchter kurz nach dem Kriegsende vertrieben, in Abwesenheit von Otto Malig.
  • Otto Malig wurde 1943 zum Wehrdienst einberufen und nach Russland geschickt. Er kam im Mai 1948 zurück, nach 2 1/4 Kriegsdienst und nach 3 Jahren Kriegs-Gefangenschaft. - Otto Malig vertritt die Ansicht, dass er aufgrund seines Alters vermutlich nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden wäre, wenn dieses Strafverfahren nicht gewesen wäre.
  • Die beiden Strafurteile sind nach dem Kriege aufgehoben worden (siehe unten). Otto Malig wurde als politischer Gefangener anerkannt und erhielt eine Wiedergutmachungsbeihilfe von DM 5 pro Gefängnistag, total DM 2'700 (Beschluss im Jahre 1948; Berufung anfangs 1949 teilweise gutgeheissen). Für die in den Jahren 1935 bis 1939 erlittene Existenzentschädigung erhielt er im Jahre 1952 eine Wiedergutmachung von DM 2'010. 
.Beschluss der I. Strafkammer des Landgerichts Heilbronn vom 5. Januar 1950 über die Aufhebung von zwei Strafurteilen während der NS-Zeit des Deutschen Reiches.

 

4.1.2 Was schrieb Otto Malig im Dezember 1932 in seiner Zeitschrift "Der Scheinwerfer"? 

"Der Scheinwerfer", Heft 1932 / 2 (Dezember-Heft): Titelblatt
"Der Scheinwerfer", Heft 1932 / 2 (Dezember-Heft): Charakter-Beschreibung über die Person A.H., verfasst von Otto Malig. Länge des Artikels 1 1/4 Seite.


Bildlegende, originaler Text von Otto Malig, einschlieeslich Fussnote 1

Oben rechts:
Selbstbewusstsein aus mangelnder Selbsterkenntnis, Zwiespalt zwischen Eitelkeit und falsch aufgefasstem Wohlwollen, Helfen-Wollen aus Ruhmsucht und Glanzbedürfnis, Überheblichkeit, Wichtigtuerei, Vortäuschung, Überdruss, Verachtung, Scheinen-Wollen 1)

Unten links: 
Haltung und Mimik zeigen: Überheblichkeit, Verachtung, Unverbindlichkeit, Selbstbewusstsein, Herrschsinn, Ruhmsucht, Geltungsbedürfnis, Strenge, Rücksichtslosigkeit, Hinwegsetzen über Unbequemlichkeiten.
Mangel an Selbstkritik, Verantwortung, Recht, Gewissen, Zuverlässigkeit. -
Vernichtung derer, die seinem Willen sich nicht fügen.
Selbstverständliche Selbstherrlichkeit, die gewohnt ist, dass alle Befehle bedingungslos ausgeführt werden - symbolisiert durch die Reitpeitsche in Händen. Neigung zum Grössenwahn 1)

1) Aufnahme aus der Bilder-Reihe von Photo-Hoffmann, München - die Adolf Hitler so zeigen, wie er sich selbst gefällt. 
Diese Bilder werden von den N.S.D.A.P. Stellen in Verkehr gebracht. 

Anmerkung
1. Nachvollziehbarkeit der Aussagen von Otto Malig:
a. Jede Fachperson auf dem Gebiet der Huterschen Psycho-Physiognomik wird zu gleichen oder sehr ähnlichen Ergebnissen gelangen.
b. Menschen mit Interesse an der Huterschen Psycho-Physiognomik und guter Veranlagung sind nach einer einjährigen Schulung, 40 Wochen zu 4 Lektionen, befähigt, die Feststellungen von Otto Malig in wesentlichen Teilen nachzuvollziehen und sie haben die Gewissheit erlangt, dass die mittels Huterscher Psycho-Physiognomik gewonnenen Erkenntnissen den tatsächlichen Eigenschaften dieser Person entsprechen.


Dokumente


"Der Scheinwerfer", Dezember-Heft 1932

Fotokopie, die wohl in den 1950er Jahren erstellt wurde. Ein originales Exemplar kann auf Anfrage vorgewiesen werden.



Fachartikel von Otto Malig

alle aus dem Dezember-Heft 1932 von «Der Scheinwerfer» 



Zeitgeschichte 1933

Artikel von Otto Malig in "Der Scheinwerfer", Februar-Heft 1933.


Otto Maligs Protokoll der Ereignisse im Januar und Februar 1933

Unglaublich, mit welchem Tempo die NS-Regierung in den ersten Stunden und Tagen nach der Machtergreifung den Rechtsstaat ausser Kraft setzte und diktatorisch regierte!


Zeitgeschichte 1934

Aussensicht der Carl-Huter-Stiftung auf die damaligen Verhältnisse
geschrieben in der Woche vom Montag, 15. März 2021

1. Die deutsche Regierung erklärt Mord und Terror für notwendig und straffrei! Und nur gestützt auf den Willen von zwei seiner Mitglieder!

2. Spätestens jetzt, anfangs Juli 1934, hätten jene Menschen und jene Staaten, die A.H. kritisch gegenüberstanden, klar erkennen müssen und es klar ausdrücken müssen:
a. Diese deutsche Regierung ist eine Bedrohung für das deutsche Volk, aber auch für die Menschen ausserhalb Deutschlands. namentlich jene in Europa.
b. Das, was die Regierung hier verkündet, entspricht nicht dem Willen des deutschen Volkes! - Die Anhänger der meisten Links-Parteien, die Anhänger der Zentrums-Parteien und viele Anhänger von Rechts-Parteien stehen auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit. Sie sind zweifellos in der Überzahl gegenüber jenen Bürger, die diese Willkür gutheissen oder tolerieren!
c. Der deutschen Bevölkerung ist es nicht möglich, gegen die jetzigen Verhältnisse anzukämpfen und die Rechtsstaatlichkeit herzustellen!
d. Das deutsche Volk braucht Hilfe von aussen. Evtl. muss sogar eine militärischer Eingriff
in Erwägung gezogen werden!

3. Stattdessen haben einige Länder mit Deutschland Verträge geschlossen, sogar über die Zerstörung anderer Staaten, andere Länder verhielten sich passiv. Hätten die leitenden Personen dieser Länder Kenntnisse der Huterschen Psycho-Physiognomik besessen oder wenigstens ein stärkeres Gefühl für Gerechtigkeit, hätten sie niemals solche Verträge geschlossen, auf eine Änderung der Verhältnisse in Deutschland gedrängt, etc.!

4. Erst nachdem zwei sehr grosse und militärisch sehr starke Länder angegriffen worden sind, Russland am 22. Juni 1941 und die USA am 7. Dezember 1941, begann die Welt den NS-Staat militärisch zu bekämpfen, also mit dem Einsatz von eigenen Soldaten - und dem Risiko ihres Todes.

5. Zitat von Berta von Thurn aus den 1970er Jahren: "Ohne Bomben war A.H. nicht zu beseitigen." - Damit war gemeint: Die Bomben, die auf Deutschland fielen. - Man beachte, was A.H. beim Einzug in die Reichskanzlei sagte, im Februar 1933:  "Einen Trümmerhaufen habe ich übernommen." Und: "Lebend bringt mich hier niemand mehr heraus."


4.2 Amandus Kupfer (AmK)

geb. am 3.4.1879; gest. am 20.3.1952

4.2.1 Die unmittelbaren Eingriffe und die Wiedergutmachung

In einem 3-seitigen Bericht, dat. 10. Oktober 1949, beschreibt Am.K. die staatlichen Übergriffe. Darin steht u.a.

  • Im Jahre 1937 befasste sich die Goebbels-Zeitung "Der Angriff" auf einer ganzen Seite mit Amandus Kupfer und schrieb in grossen Buchstaben: Amandus schweig!
  • Anfang 1940 liess Am.K. die Broschüre "Carl Huter: Die neue Weltanschauung" nachdrucken. Er versandte das Werk an 400 Freunde und Interessenten. Damit wollte er deutlich machen, woran er sich orientiert. Kaum war dies geschehen, erschienen zwei Gendarmen. Sie  beschlagnahmten die Broschüre und nahmen die Restauflage mit. 
  • Am 10. Juni 1941 erhielt Am.K. aus dem Reichssicherheitsamt Berlin die Aufforderung, ein Exemplar der 1. Auflage von Carl Huter: Die neue Weltanschauung nach Berlin zu senden.
  • Am 9. Juni 1941 durchsuchten 4 Gestapo-Beamte das Haus, verschlossen und versiegelten die Arbeitsräume. Die Gestapo-Beamten nahmen Am.K. mit. Sie sagten, sie würden ihn entgegen den Anweisungen aus Berlin frei lassen, auf ihr eigenes Risiko hin. In einem Protokoll musste er bestätigen, dass ihm persönlich nichts geschehen sei. Am.K. flüchtete sofort zu einem befreundeten Pfarrer nach Castell, nahe Würzburg, 80 km von Nürnberg entfernt. 
  • Am 14. Juni 1941 war die Gestapo wieder im Haus und verlangte die Rückkehr von Am.K. Sie teilte Berta von Thurn auf deren Nachfrage mit, Am.K. würde nicht verhaftet.
  • Am 16. Juni 1941 meldete sich Am.K. bei der Gestapo. Er erhielt Einsicht in ein Fernschreiben des RSHA, Berlin, das Befehle enthielt. Die Gestapo verbot Am.K. jede weitere Tätigkeit. An diesem Tag wurde 7-mal ein Lastwagen beladen mit Büchern und Broschüren.
  • Am 11. August 1942 ging die Vernichtung weiter. Die Gestapo-Beamten hatten den Lastwagen viel zu schwer beladen, weshalb er unterwegs Achsbruch erlitt. Die vorgesehenen weiteren Fahrten konnten nicht ausgeführt werden. Die Lagerräume wurden wieder verschlossen und versiegelt. Auch die Bücher, die bei der Buchbinderei lagen, wurden von der Gestapo vernichtet.
  • 8 Tage später traf ein Bombenangriff das Polizeipräsidium, weshalb es nicht zur Untersuchung der Bücher kam. Am.K. schreibt: "Das war meine Rettung". 
  • Am 16. und 18. November 1943 holte die Gestapo den Rest der Bücher ab. Die 32-jährige Lebensarbeit (seit 1911) von Am.K. war vernichtet.
  • Am.K. hat sich um eine Wiedergutmachung bemüht. Das Landesentschädigungsamt entschied 1954, dass es aus formellen Gründen nicht möglich ist, auf den Antrag einzutreten.
  • Die Wiedergutmachungsbehörde III Ober- und Mittelfranken hat der Erbengemeinschaft Amandus Kupfer eine Wiedergutmachung in Höhe von DM 41'500 geleistet, im Jahre 1959, nach einem einjährigen Verfahren. Die rechtliche Grundlage war das Bundesrückerstattungsgesetz, das am 19. Juli 1957 in Kraft trat. 

Berta von Thurn hat die Nichtverhaftung von Am.K. wie folgt dargestellt:
1. Der zuständige Gestapo-Beamte kannte Am.K. und dies gab offensichtlich den Ausschlag, dass er ihn nicht verhaftet hat. Dieser Mann sagte dann zu Am.K. 
er müsse sich fortan ruhig verhalten, sonst seien er und seine Angehörigen an Leib und Leben gefährdet.
2. Sie sei nach Nürnberg in das Gestapo-Haus geeilt. Sie hätte am ganzen Leib gezittert, so sehr war sie in Sorge um Am.K. Sie sei dort in ein Büro eingetreten und genau in diesem Raum sass Am.K. beim Verhör. Noch bevor sie ein Wort hervorbringen konnte, blickte Am.K. sie an und sagte mit unbesorgter Stimme: "Ich komme gleich wieder!" Berta von Thurn war erstaunt ob der Gelassenheit von Am.K. 
3. Berta von Thurn kann sich nicht erklären, weshalb sie gleich in jenes Büro eingetreten ist, in welchem Am.K. beim Verhör sass. Die ganze Begebenheit gab ihr die Gewissheit, dass sie (1) von jenseitigen Mächten begleitet und beschützt werden.
(1) Am.K., seine Ehefrau und sie, wohl auch die drei Söhne von Am.K.; letztere dienten allesamt in der Wehrmacht und haben den Krieg überlebt; Hermann, der älteste, war kriegsversehrt und in vielen Tätigkeiten eingeschränkt. 

Die staatlichen Bedrohungen, die Vernichtung seines Lebenswerks und die bescheidenen Einkommensverhältnisse haben die Gesundheit von Am.K. geschwächt. Die Familie Kupfer erhielt vor dem Krieg und in den Jahren danach durch Huter-Freunde vielfache Unterstützung, namentlich durch Huter-Freunde aus der Schweiz.

Die Wiedergutmachung wurde erstmals 1952 beantragt und nochmals im Jahre 1958, nach Inkrafttreten eines neuen Entschädigungs-Gesetzes. Sie wurde 1959 ausgerichtet. 


4.2.2 Psycho-physiognomische Texte und Broschüren von Amandus Kupfer

AmK hat, nachdem die Person A.H. durch den Putsch von 1923 allgemeine Bekanntheit erlangte, in der kurz danach erschienen Neuauflage von "Grundlagen der Menschenkenntnis" Band 1, in wenigen Sätzen sich mit der Person A.H. befasst. Infolge eines Mangels an Feingefühl, sollten solche Menschen-Typen nicht hohe staatliche Ämter ausüben. In allen späteren Auflagen blieb diese Aussage bestehen, bis 1939. 

Am.K. hat auch die Menschen, die zum engsten Kreis um A.H. gehörten, sehr genau analysiert. 

  • In den Jahren 1932 bis 1934 veröffentlichte er in der Zeitschrift "Der gute Menschenkenner" Texte über ausgewählte Führungspersonen der NS-Partei, die knappe charakterologische Feststellungen aufgrund der Huterschen Psycho-Physiognomik enthalten. Am.K. hat sich meist in einer ironischen Weise und in vergleichender Weise ausgedrückt. Hätte er seine Ansichten in direkter Weise mitgeteilt, hätten ihn dies in Gefahr bringen können. Es erinnert dies an das Verhalten von Schriftstellern und Philosophen in Zeiten der Zensur und der Diktatur. 
  • Erst um 1934 wurde ihm bewusst, dass eine dieser Personen als besonders raffiniert einzuschätzen war, als Wolf im Schafspelz. Seine Erkenntnisse flossen in die Broschüre von 1937 und in der Broschüre von 1941 mit dem Titel "Menschenkenntnis" ein. 
  • In den Jahren 1937 und 1941-1943 schrieb er je eine Broschüren mit Bezug zu den politischen Führern. Die zweite Broschüre liess Amandus Kupfer vergraben und veröffentlichte sie erst 1948. Es ist eine Analyse der damaligen Verhältnisse mit einer Vorhersage über den Ausgang. Sie hat sich bewahrheitet.
  • In den Jahren 1946 und 1947 veröffentlichte Am.K. weitere Texte über die damaligen Verhältnisse.

Im Jahre 1979 berichtete Siegfried Kupfer (1917 - 1983), der Sohn von Amandus Kupfer, über eine Begebenheit, die sich im Jahre 1937 ereignet hat. Man erkennt unschwer, dass sich die obersten Stellen des NS-Staates in der Huterschen Psycho-Physiognomik eine grosse Gefahr erblickten. Sie wollten nicht, dass ihr verbrecherisches Tun erkannt wird!

Auszug aus "Der gute Menschenkenner", 1979



4.3 Carl Welkisch

geb. 1888 in Posen (heute polnisch), gest. am 1984 in Überlingen

Carl Welkisch war im Jahre 1912 bei Carl Huter in der Ausbildung als Helioda-Therapeut.

Zitat aus dem Buch: Carl Welkisch, 1888 - 1984. Überlingen 2020:

  • Nach der Machtergreifung Hitlers wurde die Gestapo auf Carl Welkisch aufmerksam. 
  • Er wurde überwacht und schliesslich verhaftet, da er nach innerem Erleben Hitlers über dessen Geist und Absichten wenig Schmeichelhaftes geäussert hatte. 
  • Schon aufgrund seines körperlichen Hellfühlvermögens wurde die Einzelhaft als persönlicher Gefangener Himmlers, vom 4. Dezember 1934 bis zum 14. Oktober 1935 zunächst im Breslauer Polizeigefängnis und dann im Konzentrationslager Columbiahaus Berlin, zu einer Quelle schwerer Leiden für Carl Welkisch.

Es ist unbekannt, ob er Anspruch auf eine Wiedergutmachung hatte, eine beantragt und erhalten hat. 

Carl Welkisch wurde 1947 aus Schlesien vertrieben. Er stammte aus Bromberg in Posen. Auch dieses Gebiet ist heute polnisch. 

Carl Welkisch hat in seinem autobiografischen Werk "Im Geistfeuer Gottes" über die Übergriffe, die er durch den NS-Staat erlitten, berichtet. Das Werk erschien 1952 in erster Auflage, 1979 in zweiter Auflage.



4.4 Kurt Wagner (1886-1942)

Kurt Wagner (1886-1942), ein Huter-Schüler, wurde in der NS-Zeit deportiert und ermordet wegen seiner jüdischen Herkunft. Wagner hat sich rund 30 Jahre lang in verschiedener Weise für die Huter-Lehre eingesetzt, u.a. als Verleger von Huter-Schriften, als Referent und durch die praktische Anwendung bei ratsuchenden Personen. Für Carl Huter, seine Mitschüler und alle Huter-Freunde war seine Rassen-Zugehörigkeit nie ein Anlass, sich daran zu stossen. Der damalige Staat hat bekämpfte ihn wegen seiner Rasse und wegen seiner verlegerischen Tätigkeit. Er betrieb den Carl-Huter-Verlag, Althofnass bei Breslau. - Es ist im Moment unbekannt, ob er Carl Huter persönlich gekannt hat, z.B. durch Vorträge und Kurse.

Es ist unbekannt, ob seine Hinterbliebenen Anspruch auf eine Wiedergutmachung gehabt haben, ob sie eine solche beantragt und erhalten haben.

Hätte er den Krieg erlebt, so hätte er zu den Vertriebenen aus dem Landkreis Breslau in Schlesien gehört. Er hätte wohl alles zurücklassen müssen und auf diese Weise verloren.


4.5 Lucia Huter (1900-1940)
Sie ist die Tochter die von Carl Huter. Sie wurde in der NS-Zeit umgebracht ("unwertes Leben"; Befreiung des Staates von Lasten). 


History

  • Diese Seite wurde am 24. April 2018 erstellt und ist seither abrufbar.
  • Sie wurde vom 26. April bis 1. Mai 2018 und am 4. September 2018 überarbeitet.
  • Sie wurde am 8. Mai und am 9. Mai 2019 mit einem Bild von Otto Malig und mit vielen Informationen über die Gerichtsverfahren ergänzt.
  • Die letzte Prüfung und Ergänzung erfolgte am 21. Mai 2019, vom 30. Dezember 2020 bis zum 2. Januar 2021, vom 26. bis 27. Januar 2021 und vom 5. bis 17. März 2021.

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