3D5. Historisches über die Veröffentlichung der Naturellköpfe und des Naturellkreises
Naturellkreis mit männlichen Personen
Gezeichnet von Carl Huter
Naturellkreis mit weiblichen Personen
Gezeichnet von der Graphikerin Lisa Gangwisch (Basel, *1956). Als Vorlage dienten die Huterschen Naturellköpfe
1. Veröffentlichung der Naturellköpfe durch Carl Huter
Im Jahre 1902
Im Jahre 1902 veröffentlicht Huter eine Studienkarte mit 9 Abbildungen. Sie enthält die Köpfe der drei primären Naturelle und des harmonischen Naturells. -Diese Veröffentlichung kann man als Notiz betrachten, aber nicht als fachmännische Behandlung des Themas.
- Huter händigt sie den Abonnenten der Hochwart aus und legt sie Heft 1, Januar 1902 bei. Er bespricht die Studienkarte in Heft 2, Februar 1902 in wenigen Sätzen. In Heft 1902 / 1 bietet diese Karte zum Verkauf an. In späteren Verlagsanzeigen und Verlagsprospekten wird sie nicht erwähnt.
- Es ist nicht bekannt, ob diese Studienkarte irgendwo erhalten geblieben ist. Diese Karte wird einzig in den beiden Hochwart-Heften erwähnt und in einem Artikel von Siegfried Kupfer, erschienen in der Zeitschrift "Der gute Menschenkenner", Mai 1972. Kupfer schreibt, er hat sie im Mai 1971 von einem Huter-Freund erhalten, der sie in einem antiquarisch erworbenen Buch gefunden und ihm zugestellt hat. Kupfer hat von diesen 9 Abbldungen nur die "Seelenleben" veröffentlicht, siehe Rubrik 4G. Bewusstsein, Psychologie . - Die Hochwart-Hefte können in der Rubrik 11D. Bibliothek & Downloads , abgerufen werden.
- In der Besprechung verweist Huter auf die Broschüre G. Reinhardt, Bremen: Die Hutersche Psycho-Physiognomik und ihre Beziehung zur Krankenbehandlung, erschienen 1902. Hier findet man die Naturellköpfe der drei primären Naturelle. Es wird nicht mitgeteilt, wer sie gezeichnet hat. Sie dürften kaum von Huter stammen. - Reinhardt stellt diese drei Naturelle jeweils im Umfang von 10 bis 20 Sätzen vor. Es ist, zusammen mit der Huters Studienkarte, die erste schriftliche Vermittlung der Naturell-Lehre! Weitere Naturellköpfe findet man in der Broschüre von Reinhardt nicht. Am Schluss veröffentlicht er 8 Fotos von 8 Personen, die bei ihm in Behandlung gewesen sind. Ganz am Schluss befinden sich Anzeigen , je von Reinhard und von Carl Huter. - Ein Exemplar dieser Broschüre ist in der Bayerischen Staatsbibliothek erhalten geblieben.
- Die späteren Naturellköpfe von Huter, siehe unten, erweisen sich als fachmännischer: natürlicher, typischer, etc. als die drei in der Broschüre von Reinhardt.
- Es lässt sich nicht sagen, wie die weiteren 5 Abbildungen auf dieser Studienkarte ausgesehen haben: harmonisches Naturell, männliche Figur, weibliche Figur, der grosse Kopf, der Hauptkopf. Es liegt einzig die textliche Beschreibung vor. Es vermutlich einfache Strichzeichnungen.
Ab Dezember 1906
Die schriftliche, fachmännische Vermittlung der Naturell-Lehre durch Carl Huter beginnt im Dezember 1906 mit der Veröffentlichung des Hauptwerks, V. Lehrbrief.
- In der siebten Lektion legt Huter dar, wie er im sechsten und im zwölften Lebensjahr die Naturell-Typen entdeckt hat. Die Lektion hat einen Umfang von 11 Seiten. Die Lektion trägt die Überschrift: "Die Entdeckung der verschiedenen Grundnaturell-Typen. Eine neue physiognomische Körperkonstitutionslehre. Die erste Auffindung der verschiedenen menschlichen Grundnaturelle infolge vergleichender Beobachtung der Gesichts-, Kopf- und Körperform, Mimik, Rede und Handlung verschiedener Personen aus meiner Jugendzeit. Die Bestätigung der aufgefundenen Grund-Naturelle durch die Völker- und Weltgeschichte, durch Kunst und Dichtung, sowie durch alle übrigen Lebewesen in der Natur. Beispiele von Tier und Pflanzen-Naturellformtypen". - Anders als in allen anderen 51 Lektionen beginnt Huter hier mit einer Begrüssung: "Liebe Studierende und lieber Studienfreund!"
Anmerkung: Diese direkte Anspruche der Leserschaft verwendet Huter im Hauptwerk einzig im V. Lehrbrief: In der achten Lektion 1-mal und in der zwölften und letzten Lektion 3-mal. - In der achten Lektion legt Huter dar seine Naturell-Lehre. Diese Lektion hat einen Umfang von 23 Seiten, davon sind 15 Seiten Text und 8 Seiten Abbildungen, die aus Strichzeichnungen bestehen. Nur auf 5 dieser 8 Seiten haben einen Bezug zur Naturell-Lehre: Sie zeigen menschliche Köpfe und Körper sowie das Naturellharmonieschema. Die Lektion trägt die Überschrift: "Wie unterscheidet sich das Naturell von Rasse, Temperament und Impuls? Die neue Ethik und Heilwissenschaft auf Grund der Lebenskräfte, Reaktionskräfte und Harmoniegesetze der Naturelle".
- Huter stellt aber in der achten Lektion, lediglich 4 Naturelltypen mittels Strichzeichnungen vor, nämlich die drei primären Naturelle und das polare harmonische Naturell.
- Huter kommentiert die zeichnerische Darstellung der 4 Naturellköpfe im V. Lehrbrief, zwölfte Lektion: Ein Zeichner habe sie nach seinen Anweisungen gezeichnet, aber leider mangelhaft.
- Dies hat Huter offensichtlich veranlasst, auf die Dienste eines Zeichners zu verzichten und die Naturellköpfe selbst zu zeichnen.
- Huter hat offensichtlich nur männliche Naturellköpfe gezeichnet - in Huters Veröffentlichungen und in seinem Archiv findet man keine weiblichen Naturellköpfe, auch keine textlichen Hinweise auf weibliche Naturellköpfe. - Huter zeichnete:
a. die acht Naturellköpfe des äusseren Naturellkreises;
b. Naturellköpfe von besonderen Typen, z.B. geniales Naturell. - Huter hat diese Naturellköpfe veröffentlicht
a. in der Broschüre Carl Huter: Die Naturell-Lehre, 1908. Die obgenannten Köpfe, ausser die Naturellköpfe der sekundären Naturelle;
b. im Buch: Carl Huter: Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis", 1911. Die Naturellköpfe des äusseren Naturellkreises und das Naturellharmonieschema, dem er diese acht Köpfe kleinformatig eingefügt hat:
c. im autobiografischen und aufwändig gestalteten Buch: Freunde der Huterschen Wissenschaft (Hrsg): Aus eigener Kraft, 1911. Hier findet man einzig das Naturellharmonieschema mit den beigefügten kleinformatigen Naturellköpfen des äusseren Naturellkreises. - Bei dieser Veröffentlichung gilt es zu beachten:
a. Das Hauptwerk, 1. Auflage, 1904 - 1906, war ab ca. 1925 vergriffen; die 2. Auflage, 1929, war ab ca. 1935 vergriffen. Seit der 3. Auflage, 1957, ist das Hauptwerk stets verfügbar.
b. Die Broschüre "Die Naturell-Lehre" war ab ca. 1925 vergriffen, bis ca. 1990.
c. Das Handbuch wurde erst 1921 ausgeliefert.
d. Das Buch "Aus eigener Kraft" wurde nur in ca. 200 Exemplaren ausgeliefert. - Dieselben 4 Naturellköpfe wie im V. Lehrbrief des Hauptwerks findet man auch in der Broschüre von Friedrich Esser: Gicht, Rheumatismus und Erkältungskrankheiten und ihre erfolgreiche Behandlung nach Carl Huters neuem kallisophischen Heilsystem, 1906. Das Vorwort ist datiert mit Pfingsten 1906. Diese Broschüre ist vermutlich vor dem V. Lehrbrief des Hauptwerks erschienen. - Diese Schrift ist vermutlich ab 1925 vergriffen gewesen und ist vermutlich noch nie nachgedruckt worden. Wenn doch, dann erst in den Jahren ab 2000.
- Fazit: Die Veröffentlichung der Naturellköpfe des äusseren Naturellkreises begann erst 1906 und endete erst 15 Jahre später, im Jahre 1921. An den Vorträgen stand zunächst kein Lehrmittel zur Verfügung! Dies betraf, bis 1907:
a. Carl Huter, der ab 1894 regelmässig Vorträge über die Hutersche Psycho-Physiognomik hält,
b. Karl Kotthaus (ca. 1877 - ca. 1932) sein erster Schüler, der ab 1902 Vorträge gibt, zunächst in Deutschland und ab ca. 1907 auch in Österreich und der Schweiz, u.a. in München, Wien und Zürich. - Ab Anfang 1925 wirkt er in den USA, wo er gestorben ist. - Seine Broschüre Carl Kotthaus: Das menschliche Gesicht als Spiegel der Seele, 1909, enthält 4 männliche Naturellköpfe und eine kurze Beschreibung dieser 4 Naturell-Typen: Ernährung, Bewegung, Empfindung und Harmonie.
c. Amandus Kupfer (1879 - 1952), der ab 1907 in Deutschland Vorträge hält. - Er fühlt sich veranlasst, ein Lehrbuch zu schreiben, die "Grundlagen der Menschenkenntnis". Das 72-seitige Buch erscheint 1911, vermutlich im 3. Quartal, im Spätsommer. Es enthält zahlreiche eigenhändige Strichzeichnungen von Kupfer. - Von der 3. Auflage, 1916, bis zur 15. Auflage, 1938 die von Kupfer selbst gezeichneten Köpfe der drei primären Naturelle. Siehe ganz unten.
2. Naturellköpfe, gezeichnet durch andere Personen - insbesondere weibliche Naturellköpfe
1. Naturellköpfe, gezeichnet von Amandus Kupfer: siehe Abschnitt 1, oben, ganz am Schluss, und Abschnitt 5, unten.
2. Der Zeichner Erich Mellerke (ca. 1880 - 11.11.1938) hat in den 1930er Jahren im Auftrag von Amandus Kupfer und nach dessen Anweisungen weitere 8 männliche Köpfe von Naturell-Typen gezeichnet. Erstveröffentlichung in "Der gute Menschenkenner", 1935, Nr. 28, April.
- Man findet Mellerkes Naturell-Köpfe ebenfalls im obgenannten Werk "Grundlagen der Menschenkenntnis", durchgehend ab der 16. Auflage 1938, bis zur jetzigen, neuesten Auflage, die 31. Auflage, 2001. In keinem dieser Bücher wird kenntlich gemacht, wer den jeweiligen Naturellkopf gezeichnet hat.
3. Erich Mellerke hat kurz vor seinem Tod die 8 weiblichen Naturellköpfe des äusseren Naturellkreises gezeichnet. Sie sind in der Zeitschrift "Der gute Menschenkenner" veröffentlicht worden, Februar 1938 bis Juli 1938, Heft 73 bis 78.
4. Im Jahre 1982 sind 8 weibliche Naturellköpfe, gezeichnet von Therese Müller, Basel, veröffentlicht wurden, in der Zeitschrift "Physiognomische Psychologie", Februar 1982. Im Begleittext steht: "Sie hat die Köpfe frei aus dem Leben gegriffen".
5. Die 8 weiblichen Naturellköpfe, die hier oben rechts abgebildet sind, sind in der Zeitschrift "Physiognomische Psychologie", März 1987, veröffentlicht worden. Der Naturellkreis war schwarz-weiss.
3. Erstveröffentlichung des Naturellkreises in Farbe
1. Einfache Farbversion in "Der gute Menschenkenner", 1970, Heft 3-4, siehe Abbildung oben links. Eine Version mit weiblichen Personen gab es damals noch nicht.
2. Erweiterte Farbversion in Amandus Kupfer et al: Grundlagen der Menschenkenntnis, Band I, 29. Auflage 1989. - Je eine Version mit den männlichen Personen, gezeichnet von Carl Huter, und mit den weiblichen Personen. Siehe die obigen Abbildungen.
4. Ergänzung
1. Das Hauptwerk enthält die 8 originalen Huterschen Naturellköpfe, siehe die Abbildung von links, erst ab der 3. Auflage 1957. Siehe V. Lehrbrief, achte Lektion. Zudem hat Siegfried Kupfer diese Lektion mit Erläuterungen über die Naturell-Lehre ergänzt. - Die Leserin und der Leser bemerkt kaum, dass die Naturell-Lehre in der 1. Auflage des Hauptwerkes in viel kürzerem Umfang behandelt worden ist. Sowohl textlich als auch bildlich waren die Erläuterungen zu kurz geraten.
2. Carl Huter hat dies sicherlich bemerkt. Nur wenige Monate nach dem V. Lehrbrief veröffentlicht Huter die 52-seitige Broschüre "Die Naturell-Lehre". Das Vorwort ist datiert mit "Im Mai 1907" und der Umfang beträgt 52 Seiten.
- In dieser Broschüre hat Huter das Thema "Naturell" ausführlicher behandelt.
- Eine erschöpfende Behandlung verlangt aber nach einem viel umfangreicheren Darstellung. Das wäre eine Lebensaufgabe. - Die Erläuterungen, die man in den Grundlagen der Menschenkenntnis, Band I, findet, führen in dieses wichtige Fachgebiet ein.
3. Im Jahre 1928 veröffentlicht Amandus Kupfer die grossformatige Broschüre "Atlas der Naturell-Lehre". Der Umfang beträgt 76 Seiten. Im Vorwort schreibt Amandus Kupfer:
- Zu diesem Zwecke werden Teile aus dem Huterwerk, welche die Anatomie und Physiologie grundlegend umgestaltend behandeln, ferner die Abschnitte über die Naturellehre selbst aus dem Huterschen Hauptwerk, ferner die 1907 erschienene, seit Jahren vergriffene Broschüre "Die Naturellehre" und das bisher unveröffentlichte Studienmaterial aus dem Hutermuseum in ein Ganzes eingegliedert.
- Die Herausgabe der Naturellehre in dieser Form entspricht einem Zeitbedürfnis.
- Umfangreiche Bruchstücke dieser Naturellehre sind, teils unter anderer Namengebung, bereits in die heutige Medizin übernommen.
- Man erkennt zum Teil Huters Naturell- oder Konstitutionsforschungen als geniale Geistesgrosstat an, während man andrerseits seine Begründung dieser Lehre und seine darauf weiter gebaute Welt. und Lebensreform vollständig ablehnt oder verschweigt.
- Der Herausgeber ist sich bewusst, auch hier etwas Vollständiges nicht bieten zu können.
4. Entdeckungsgeschichte der Naturelle: Siehe die vorhergehende Rubrik 3D4. Unterrichtsstunde und Entdeckungsgeschichte
5. Ab ca. 2025 sind weitere Naturellköpfe gezeichnet und veröffentlicht worden. Die oben abgebildeten Naturellköpfe, links und rechts, dienten offensichtlich als Vorlage. Sie vermitteln daher kaum neue Erkenntnisse.
5. Drei Naturellköpfe, gezeichnet von Amandus Kupfer
- Diese Köpfe sind im Buch Amandus Kupfer: Grundlagen der Menschenkenntnis, 3. Auflage, 1916, erstmals veröffentlicht worden. Man findet sie u.a. auch in den Grundlagen der Menschenkenntnis, Band I, 20. Auflage, 1958, bis 28. Auflage, 1986, jeweils ganz hinten.
- Man erkennt, dass die Inschriften ein unterschiedliches Schriftbild besitzen:
a. Beim Bewegungs-Naturell ist der Strich kräftig. Die Buchstaben sind geradlinig. Das Schriftbild wirkt bestimmt, kraftvoll, kurz, schnörkellos.
b. Beim Empfindungs-Naturell ist der Strich fein. Die Buchstaben haben feine, schöne Schwünge, die weit nach oben und nach unten gehen. Das Schriftbild wirkt leicht und angenehm.
c. Beim Ernährungs-Naturell ist der Strich eher fein. Die Buchstaben wirken normal, behäbig. Das Schriftbild wirkt ruhig, behäbig, normal. Alles verläuft in gewohnten, ruhigen Bahnen. Es fehlen die Besonderheiten: der Schwung des Empfindungs-Naturells und die Kraft und Bestimmtheit des Bewegungs-Naturells. - Die handschriftlichen Einträge stammen alle von derselben Person, von Amandus Kupfer. - Amandus Kupfer hat sich beim Beschriften dieser Naturellköpfe in den Zustand des betreffenden Naturells versetzt.
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