Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

3B. Kopfareal - Neuphrenologie



1. Allgemeines

Huter unterteilt den Schädel in 4 Teile und diese in je 3 Bereiche:

  • 1. Stirn - Unterstirn, Mittelstirn und Oberstirn;
  • 2. Oberkopf - vorderer, mittlerer und hinterer Oberkopf;
  • 3. Hinterkopf - unterer, mittlerer und oberer Hinterkopf;
  • 4. Seitenkopf - unterer, mittlerer und oberer Seitenkopf.

Jeder dieser 12 Bereiche unterteilt Huter in einzelne Areale, deren Anzahl je nach Bereich unterschiedlich ist.

Huter hat erkannt, dass

  • das Schädelareal lediglich die Anlage zeigt;
  • der tatsächliche Stand der Anlage und die Art ihrer Betätigung aus dem Gesicht erschlossen werden muss.

Studienkopf. Gezeichnet von Carl Huter. - Abgebildet in Carl Huter: Welt- und Menschenkenntnis, Seite 729, ab 3. Auflage 1957. - Und abgebildet in Carl Huter: Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis, Seite 138 und Seite 139, ab 6. Auflage 1970.


Anmerkung

  • Der Begriff Neuphrenologie stammt von Carl Huter und bezeichnet die von ihm geschaffene neue Phrenologie. Sie beruht auf seinen zahlreichen Erkenntnissen und Entdeckungen.

    a. Carl Huter hat durch die erfolgreiche praktische Anwendung den Nachweis erbracht, dass die Neuphrenologie die Schädelanlagen in verlässlicher Weise zu charakterisieren vermag.
    b. Huters Erläuterungen über die Neuphrenologie sind nachvollziehbar und vollständig. Es ist möglich, anhand der Huterschen Schriften und der Lehrwerke von Amandus Kupfer eine Fachperson im Bereich der Neuphrenologie zu werden. - Das entsprechende Wissen und die entsprechenden praktischen Kompetenzen sollten durch Unterricht bei einer oder mehreren Fachpersonen der Huterschen Psycho-Physiognomik erworben werden.
    c. Die Neuphrenologie berücksichtigt gewisse Ergebnisse früherer Phrenologen in Bezug auf die charakterologische Bedeutung bestimmter Schädelzonen. 
    .
  • Der bekannte Arzt und Phrenologe Franz Josef Gall (1758 - 1828) wer der erste Gelehrte, der annahm, dass es im Gehirn Zentren gibt, die auf bestimmte Aufgaben spezialisiert sind. Sodann er nahm an, dass Zentren, die besonders leistungsfähig sind, ein grösseres Volumen besitzen, derart, dass dies am Schädel zu charakteristischen Auswölbungen und Auffälligkeiten führt. Schliesslich nahm an, dass leistungsfähigere Zentren dazu führen, dass der betreffende Mensch in den entsprechenden geistigen Tätigkeiten erkennbar leistungsfähiger ist als andere. So gelang es ihm schliesslich, den Schädel zu "kartieren".

    a. Gall beobachtete nur die reine Form. Er erkannte nicht, dass man auch die Formqualität bewerten muss und auch das Gesicht berücksichtigen muss. 
    b. Gall gilt als der Begründer der Hirnzentrenlehre, deren Richtigkeit zu Huters Zeiten noch nicht allgemein anerkannt war. 
    c. Huter gibt einzelnen Zonen der Stirn und des Oberkopfes dieselbe charakterlogische Bedeutung wie Gall, d.h. er bestätigt einzelne seiner Ergebnisse.
  • Da die Neuphrenologie auch das Gesicht beachtet, sollte man sich erst nach dem Erwerb von Kenntnissen über die Naturelle und das Gesicht mit diesem Fachgebiet näher beschäftigen. Dies ist auch der Grund, weshalb hier nicht versucht werden soll, das Gebiet durch illustrierende Beispiele vorzustellen.


2. Einzelne Aspekte


2.1 Praktische Durchführung

  • Obwohl Huter die Schädelareale in einzelne Zonen zergliedert, betrachtet man bei der praktischen psycho-physiognomischen Beschreibung nicht nur einzelne Zonen sondern in vielen Situationen einen ganzen Teil-Bereich. Mögliche Fragestellungen sind, z.B. welcher Teil-Bereich ist besonders auffällig, in positiver oder negativer Hinsicht. Diese Vorgehensweise erleichtert die Arbeit und führt zu einer höheren Verlässlichkeit.
  • Die Einschätzung der Peripherie, z.B. des Gesichts oder eines Schädelareals, erfolgt stets sowohl nach quantitativen Merkmalen, z.B. der Form, als auch nach qualitativen Merkmalen, z.B. Spannung, Strahlung, Farbe, Gewebefüllung, etc. - Das psycho-physiognomische Beobachten ist eine besonders differenzierte Art der visuellen Wahrnehmung. - Carl Huter hatte seit seiner Kindheit ein feines, differenziertes Beobachtungsvermögen. Durch seinen Beruf als Portraitmaler und durch persönliche Schulung wurde es noch besser.


2.2 Fundamentalsatz Huters
Siegfried Kupfer: Der gute Menschenkenner, 1966, Heft 3, Seite 33 und
Siegfried Kupfer: Grundlagen der Menschenkenntnis, Band II, 16. Auflage 1969, und alle nachfolgenden Auflagen.

Zitat Anfang:

Stets müssen wir dabei aber folgenden Fundamentalsatz (1) Huters vor Augen behalten:

  • Das Gehirn und die Schädelform gibt uns Aufschluss über die Geistesanlagen, nicht aber über den vollen Charakter des Menschen.
  • Hierfür ist auch das Gesicht mit von grösster Bedeutung, sobald es darauf ankommt, den momentanen Seelenzustand, die Qualität und den Charakter genauer festzustellen.
  • Die Gehirnanlagen, die wir aus der äusseren Schädelform erkennen können, zeigen uns also nur die Charakterrichtung (2) des Menschen an.

Zitat Ende.

(1) In den Schriften von Carl Huter und in den Schriften von Amandus Kupfer findet man diesen "Fundamentalsatz Huters" nicht. Amandus Kupfer hat im August / September 1907 und im Juli / August 1908 bei Carl Huter je einen Monatskurs besucht. Vermutlich hat sich Carl Huter damals in dieser Weise geäussert. Auch wenn die Quelle des "Fundamentalsatzes Huters" unsicher ist, gilt: Der Fundamentalsatz ist zweifellos richtig und wichtig.

(2) Der Begriff "Charakterrichtung" ist vielleicht nicht gut gewählt. - Alternative Formulierung: "Man erkennt an der Schädelzone, ob eine Auffälligkeit bestehen könnte, z.B. überdurchschnittlich stark oder schwach entwickelt."

2.3 Huters Vergleich mit der Uhr
Carl Huter: Grundlegende Entdeckungen für die wissenschaftliche Psycho-Physiognomik, 1910. 
Abgedruckt in Siegfried Kupfer: Grundlagen der Menschenkenntnis, Band II, 16. Auflage 1969 und alle nachfolgenden Auflagen.

Zitat Anfang:

  • Ein Kenner kann somit von der Form des Schädels den Stand der geistigen Grundkräfte und Anlagen eines Menschen ebenso sicher sehen, wie jedes Kind an den Zeigern der Uhr die Zeit ablesen kann, vorausgesetzt, dass

    a. die Uhr richtig gestellt ist,
    b. richtig geht und
    c. auch richtig im Gange gehalten wird.
  • Ist eine von diesen drei Vorbedingungen nicht erfüllt, dann kann auch der beste Seher an einer Uhr die Zeit nicht richtig erkennen.

Zitat Ende.


2.4 Carl Huter äussert sich über die Besonderheiten der Neuphrenologie



2.5. Kritik von Dritten an der Huterschen Psycho-Physiognomik

1. Man darf die Hutersche Psycho-Physiognomik kritisch betrachten, Kritik üben, etc. Man soll sich aber bewusst sein, dass man sich in einem ganz neuen Fachgebiet bewegt. Langjährige Dozenten können bestätigen:

a. Die Hutersche Psycho-Physiognomik lässt sich nicht in wenigen Stunden verstehen und erlernen. Heute besitzt kaum jemand ein Vorwissen und im physiognomischen sowie dem psycho-physiognomischen Beobachten des Menschen sind nur wenige Menschen geübt.
b. Man besuche Kurse bei einer Fachpersonen, z.B. wöchentlich 2 bis 4 Lektionen, während 3 bis 4 Semestern. Ein Selbststudium ist möglich, aber nicht empfehlenswert. Die fehlende Begleitung durch eine Fachperson kann dazu führen, dass man die Sache doch nicht optimal versteht.

2. Gerade bei Hochschuldozenten im Bereich der Psychologie besteht die Gefahr, dass sie sich an die Hutersche Psycho-Physiognomik heranwagen und Einschätzungen abgeben. Aus deren Äusserungen ist leicht ersichtlich, dass ihre Kenntnisse im Bereich der Huterschen Psycho-Physiognomik mangelhaft sind. Gerade dann, wenn man Kritik übt, sollte man dies in einer fundierten, wissenschaftlichen Weise tun.

3. Andere akademisch gebildete Personen machen es sich noch einfacher: Sie schreiben in satirisch-kritischer Weise über die Hutersche Psycho-Physiognomik. Da es "ja nur ein satirisch-kritischer" Artikel ist, erlauben sie sich, darüber zu schreiben, ohne die Sache näher zu kennen!

4. Sodann darf aufgrund der Tätigkeit eines Dozenten oder einer Dozentin nicht ohne weiteres eine Einschätzung über die Hutersche Psycho-Physiognomik getroffen werden. Jeder heutige Dozent und jede heutige Dozentin übt seine Tätigkeit aus ohne verpflichtet zu sein, die Hutersche Psycho-Physiognomik in allen Einzelheiten im Sinne von Carl Huter zu lehren und anzuwenden. Erst in einigen Jahren wird es wohl Prüfungs- und Aufsichtsstellen geben.

5. Einzelne solche Vorfälle, obige Ziffer 2 und 3, gab es z.B. zu Huters Zeiten und im Zeitraum 1992 bis 2010.

6. Oft wird die Kritik an der Huterschen Psycho-Physiognomik an der angeblichen psycho-physiognomischen Beschreibung des Ohrläppchens illustriert. Dazu folgendes:

a. In der Huterschen Psycho-Physiognomik wird das Ohrläppchen vergleichsweise selten näher betrachtet.
b. Auch bei der psycho-physiognomischen Beschreibung muss der ganze Kopf, nicht das Ohr allein, berücksichtigt werden und vieles mehr. 
c. Auch hier gilt: Ohne Grundkenntnisse sollte man sich nicht in dieses Gebiet begeben!

7. Weitere Erläuterungen über die Verlässlichkeit der Huterschen Psycho-Physiognomik sowie über die Korrespondenz zwischen Innen und Aussen sind ersichtlich in der Rubrik  3. Hutersche Psycho-Physiognomik , Ziffer 1 und Ziffer 2.

2.6 Messapparate? - Objektive, mechanische Vermessung?

Die Fachpersonen der Huterschen Psycho-Physiognomik kommen in der Regel zu deckungsgleichen Einschätzungen.

a. Es ist schwer vorstellbar, dass es jemals Messapparate in der Lage sind, das zu leisten, was eine Fachperson zu vollbringen vermag. Der Messapparat müsse die in Ziffer 1 genannten Einschätzungen vorzunehmen, namentlich in Bezug auf die Formqualität.
b. Wenn nur Menschen dazu in der Lage sind, so ist die Einschätzung trotz allen Bemühungen um Objektivität nie absolut objektiv. - Im Zweifelsfall oder in ganz wichtigen Fragen, hole man bei einer anderen Fachperson eine Zweitmeinung ein!
c. Das ist keine Besonderheit der Huterschen Psycho-Physiognomik, Im ganzen Bereich der Psychologie und in vielen Bereichen der Medizin stehen entweder gar keine Messapparate zur Verfügung oder es gibt zwar Tests, Messinstrumente, etc. aber die Ergebnissen benötigen eine Interpretation durch eine Fachperson und sind daher nicht mehr absolut objektiv.




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