2A9. Herausforderungen
Einzelheiten über die letzten zwei Werke, die Huter drucken lässt
1. "Aus eigener Kraft"
Die Herausforderungen
- Das Werk wird in einer Druckerei in Leipzig gedruckt und gebunden. Da die Rechnung der Druckerei noch offen ist, rund M. 3'600 für 1'000 Exemplare, liefert die Druckerei vorerst nur ca. 200 Exemplare an Huter aus. Davon hat Huter einige Exemplare verkauft und andere an Personen, mit denen er in besonderer Verbindung stand, geschenkweise überlassen, z.B. seinem Scheidungsanwalt
Anmerkung:
a. Die Rechnung ist datiert mit 2. Februar 1911. Die Druckerei hat somit bis ungefähr im Januar 1911 an der Herstellung des Werks gearbeitet und im September, Oktober oder November damit begonnen.
b. Der Rechnungsbetrag der Druckerei ist etwa gleich hoch wie die Jahresmiete für die 17 Räume, die Huter als Wohn- und Institutsräume angemietet hat, M. 3'200, zahlbar quartalsweise mit M 800.
c. Hinzu kommen die Rechnungen von anderen Unternehmen für die Herstellung der Druckvorlagen für die Wiedergabe aller Photos, Handschriften, Zeitungsberichten, etc. - Rund 80 Druckvorlagen, vermutlich rund M. 1'000.
d. Huter bietet das Werk für M. 12,00 zum Verkauf an. Mit diesem Preis lassen sich die Kosten, die Huter Dritten bezahlen muss, bei weitem nicht decken.
e. Huter hat wohl im Voraus gewusst, dass die Herstellungskosten dieses besonderen Werkes, das dem Meister zur Ehre gereichen soll, hoch sind. Und er hat wohl gehofft, dass seine Anhänger sich mit Geldbeträgen an der Entstehung dieses Werkes beteiligen werden. Deshalb steht auf dem Umschlag und auf dem Titelblatt des Werkes: "Herausgegeben von den Freunden der Huterschen Wissenschaft".
f. Im Vorwort des Werkes steht, als Fussnote: "Das Verzeichnis der Herausgeber wird im Schlusskapitel bekannt gegeben." Das Werk enthält kein derartiges Verzeichnis. Es ist unbekannt, ob Huter überhaupt nach Geldgebern gesucht hat. Vermutlich ist das unterblieben. - Huter antwortet der Druckerei am 9. März 1911, dass er nach seiner Berechnung und Erfahrung auf Herstellungskosten zwischen M. 2'400 bis 2'500 kommt. Er werde diesen Betrag 6 Monate nach Auslieferung aller Exemplare bezahlen. Er schreibt der Druckerei, er habe zudem Kosten von M. 1'400 für die Herstellung von Clichés gehabt, also für die Herstellung der vielen Abbildungen im Werk.
- Die Druckerei beklagt sich, dass während der Herstellung viele Änderungen vornehmen musste. Dies erklärt sich wohl durch viele Druckfehler und durch zahlreiche Änderungswünschen von Huter. - Das Werk enthält Einzelheiten wie Namen und Titel, die man unbedingt richtig wiedergegeben muss. Und es enthält mehrere Texte, bei denen er nicht auf frühere, ähnliche Texte zurückgreifen konnte. Hinzu kommt, dass Huter stets in Eile war und er stets Vieles gleichzeitig zu erledigen hatte. Dennoch sind alle seine Werke nahezu frei von Mängeln. - Die restlichen rund 800 Exemplare hat die Druckerei nicht ausgeliefert. Zwei Jahre später war Huter tot und es war unklar, wer die Erbschaft übernehmen wird. Als sich Amandus Kupfer im Jahre 1921 nach dem Werk erkundigte, er war inzwischen Inhaber der Verlagsrechte, sagte ihm die Druckerei, das Werk sei inzwischen eingestampft worden. Das war vermutlich in den Kriegsjahren, als das Papier knapp geworden war. Das Werk ist bisher nie neu gedruckt worden. Ein Neudruck wäre u.a. wegen den erneut hohen Kosten herausfordernd.
- Die Rechnung der Druckerei bleibt offensichtlich unbezahlt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Druckerei weitere Exemplare ausgeliefert hat.
Über das Werk
- Das Werk "Aus eigener Kraft" ist - wie der Titel verrät - ein Werk über die Person Carl Huter, vorallem über sein Wirken für die Huterschen Lehren.
a. Das Werk ist in 20 Teile gegliedert und in den Teil "Schlussbetrachtungen". Fast in allen der total 21 Überschriften erscheint der Name "Carl Huter".
b. Dies widerspiegelt den Zweck dieses Werks: Zeugnis geben von Leben und Wirken von Huter anhand von originalen Dokumenten und das Grundlegende seiner Lehren vermitteln.
c. Das Werk ist reich illustriert, hauptsächlich mit Fotoaufnahmen von Carl Huter, handschriftliche Anerkennungsschreiben, Zeitungsberichte über Huters Vortragstätigkeit und mit Dokumenten über seine verlegerische Tätigkeit, etc.- stets original wiedergegeben und meist mehr als ein Dutzend davon.
d. Das Werk befasst sich nicht unmittelbar mit den ehelichen und familiären Verhältnissen, die Huter oft viel Kummer bereitet haben.
e. Im Teil "Schlussbetrachtungen" wird durch Bilder und Bildlegenden, ersichtlich, dass Huter vor kurzem ein gesundheitliches Unglück erlebt hat. Und es wird beklagt, dass Huter auf seinem Lebensweg immer wieder mit Hindernissen zu kämpfen hat, u.a. damit dass die Menschen seine fehlende akademische Bildung bemängeln. Deshalb könne er als Forscher nicht als voll angesehen werden.
- Im April 1911 schreibt Huter in einem Brief an Frau Frantz in Kiel, Ehefrau des verstorbenen Professor Frantz (1): "Das neueste Prachtwerk, auf das auch Ihr Herr Sohn reflektiert, "Aus eigener Kraft", ist seit einiger Zeit heraus, ich schicke es gerne zu, es kostet M 12.- und bringt allen (2) meine Lehre in gedrängter Form wieder." - Huter wollte also ganz bewusst ein repräsentatives Werk schaffen und dieses hat seinen Preis.
(1) Dr. iur. Adolf Frantz (1851 - 1908), ab 1894 ordentlicher Professor für Deutsches Recht und Kirchenrecht an der Universität Kiel. Frau Frantz kommt mit ihren beiden Söhnen 1910 nach Leipzig: Huter vermittelt der Ehefrau mittels Hellfühlen seine Eindrücke über den verstorbenen Ehemann. Und der ältere Sohn besucht bei Huter den Monatskurs.
(2) Mit "allen" ist gemeint: "...und bringt Ihnen und Ihrem Sohn meine Lehren in gedrängter Form wieder." - Auf der Titelseite des Werkes steht "Herausgegeben von den Freunden der Huterschen Wissenschaft". Im Vorwort steht, als Fussnote: "Das Verzeichnis der Verfasser wird im Schlusskapitel bekannt gegeben." Man findet nichts Derartiges, auch nicht an anderen Stellen des Buches. - Es gibt keine Anhaltspunkte, wonach Huter sich bemüht hatte, Herausgeber zu gewinnen. Huter das Werk offensichtlich selbst herausgegeben, wie alle anderen seiner Werk auch.
- Das Werk enthält auf dem Umschlag resp. auf den Titelseiten keine Angaben über den Autor. Auf Seite 253 findet man folgende Information: "Er baute seine Institute nach wie vor selber aus und begann am 19. Mai 1910 mit fünf Schülern die grossen Lehrkurse in seinen sehr schön eingerichteten Räumen. Er hatte die Verfasserin dieses Werkes schon im Sommer 1909 als seine erste Assistentin ausgebildet und sie hat als Mitarbeiterin an seiner Seite gewirkt und alle Schwierigkeiten der Einrichtungsarbeiten mit zu überwinden gesucht."
- Irma Fleischhacker (1891 - 1980), die damals 18 1/2-jährige Verfasserin, hat dieses Werk sicherlich in den Räumen der Firma Carl Huter ausgearbeitet, in ihrer Eigenschaft als Mitarbeiterin in der Firma Carl Huter und ist dabei von Carl Huter mit zahlreichen Dokumenten beliefert worden. Huter hat bestimmt das ganze Werk kritisch überprüft, bevor es in Druck ging. Sie war zunächst als Mitarbeiterin und ab 1911 eine Anstellung als I. Assistentin in Carl Huters psychologischem Untersuchungsinstitut.
- Das Werk enthält viele Texte, die offensichtlich nur Huter selbst zu erstellen vermochte, z.B. der Text "Grundlegende Thesen der Huter-Lehre". Sodann enthält es viele Dokumente, die von Dritten erstellt worden sind, z.B. Zeitungsausschnitte, Anerkennungsschreiben von Vortragsbesuchern, Schülern und von Personen, die Huter psycho-physiognomisch charakterisiert und beraten hat, sodann viele Texte aus Huters Hand, z.B. Gedichte, Statuten, Grundlegendes über seine Lehren. - Fazit: Die Urheberrechte, ebenso die Verlagsrechte, siehe obiger Punkt, sind wohl allein Huter zugefallen. Irma Fleischhacker hat das Werk in ihrer Eigenschaft als Huters Mitarbeiterin im Sinne einer Auftragsarbeit erstellt. Alles biografischen Einschätzungen, die darin enthalten sind, haben autobiografischen Charakter.
- In der Broschüre "Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft" befindet sich eine Übersicht über "Die über die Huterschen Wissenschaften und Forschungsresultate erschienenen Schriften" (1). Dort findet man das Werk "Aus eigener Kraft" im Schriftenverzeichnis, unter Ziffer 29, bei total 32 Schriften: Der neue Mensch und die neue Welt. Band I. Von Pinsel und Palette zur Naturwissenschaft, Philosophie, Psycho-Physiognomik und Kallisophie. M 10,00; M 12,00. - Huter hat vermutlich weder in einer anderen Schrift noch in einem Prospekt auf dieses Werk hingewiesen.
(1) Abrufbar in der Rubrik 11D. Bibliothek & Downloads , Abschnitt 1, Anmerkung.
2. "Illustriertes Handbuch für praktische Menschenkenntnis"
Die Herausforderungen
- Das "Handbuch" wird in einer Druckerei in Dresden gedruckt. Sie hat schon mehrere Schriften für Huter gedruckt. Das Werk wird rund 40 Seiten umfangreicher als geplant. Die Druckerei verlangt im Februar 1911 zum wiederholten Mal einen Vorschuss M. 500, der sofort zu bezahlen ist. Die Druckerei beschwert sich, dass sein Manuskript erneut unleserlich (1) ist und dass sie den 10. und 11 Bogen nun schon zum 7. Mal zum Korrekturlesen zustellen müsse. Huter bittet im März 1911 bei einem oder mehreren Anhängern seiner Lehren um Geld, mit offensichtlich geringem Erfolg. Das unfertige Werk bleibt im Lager der Druckerei liegen. Amandus Kupfer erkundigt sich 1920 bei der betreffenden Druckerei und lässt den letzten Druckbogen drucken, also die letzten 24 Seiten. - Das Buch trägt weiterhin das Erscheinungsjahr 1911, wird aber erst 1921 ausgeliefert. Huter erhält das unfertige Exemplar ausgeliefert, um für sein Werk Werbung zu betreiben.
- Ein eingeklebter Zettel macht auf die Druckfehler aufmerksam: "Wegen der schnellen Herstellung infolge vieler Nachfragen nach diesem Handbuche blieben versehentlich einige Druckfehler bestehen, welche hiermit berichtigt werden." Dann folgt die Berichtigung der rund 10 Druckfehler.
- Viele schematische Darstellungen hat Huter aus dem Hauptwerk übernommen, darunter gibt es solche, die Huter bereits im Hauptwerk nicht näher erläutert, leider, und auch jetzt auch wieder nicht. - Der Mangel an Zeit, etc. ist damit unübersehbar und damit auch die schwierige Situation Huters. Er ist ein Einzelkämpfer - und muss alles Fachliche, alles Wissenschaftliche allein erledigen. Er ist verantwortlich, dass seine Mitarbeiter beschäftigt sind, den Lohn erhalten und dass er und seine Familie den Lebensunterhalt zu bestreiten vermögen. Er unterrichtet Studierende, gibt Zeitschriften und Bücher heraus, hat zahlreiche familiäre Angelegenheiten zu erledigen und muss gegen Gegner, Plagiatoren und Verbreiter von Unwahrheiten ankämpfen.
Verlagsprospekt und zugleich Bestellschein
- Im obigen Verlagsprospekt von 1910 wird das "Handbuch" wie folgt beworben: "Es wird von allen Seiten mit Spannung erwartet und für den Sortimentsbuchhandel auf diesem Gebiete ein Schlager werden."
Anmerkung
1. Es dürfte sich hier um den letzten Prospekt handeln, den Huter erstellt hat.
2. Huter hat keine seiner Schriften mit ähnlichen Aussagen beworben.
3. Das Handbuch erscheint gegenwärtig in der 10. Auflage, 1997. Die Gesamtauflage ist nicht bekannt, sie wird auf total rund 50'000 Exemplare geschätzt. - In der Broschüre "Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft" findet man dieses Werk im Schriftenverzeichnis, unter Ziffer 13 bei total 32 Schriften: Illustriertes Handbuch der praktischen Menschenkenntnis nach meinem System der Schädel-, Gesichts- und Körperformenkunde. Über 150 Seiten geb. M. 3. —, brosch. M. 2.20. Erscheint im Herbst 1910. - Als das Buch 1921 erschien, umfasste es 199 Seiten, also einen Drittel mehr angekündigt.
- In "Freunde der Huterschen Wissenschaft (Hrsg): Aus eigener Kraft", 1911, kündigt Huter das Handbuch an, im
XIII. Teil: Carl Huter als Verlagsbuchhändler, auf S. 240:
Carl Huters "Handbuch der praktischen Menschenkenntnis, Körper-, Kopf-, Gesichts- und Augenausdruckskunde", 160 Seiten, reich illustriert, wird kurz nach Herausgabe dieses Werkes erscheinen. Es ist wohl das einzige vortreffliche, für jedermann höchst nützliche Taschenbuch der praktischen Menschenkenntnis, das ihm gewiss viele Freunde und dankbare Leser bringen wird.
(1) Carl Huters Handschrift wird ab 1910 aus gesundheitlichen Gründen immer schlechter. Ab 1912 kann er nur noch schwerlich schreiben, stattdessen diktiert Huter seiner Mitarbeiterin Irma Fleischhacker seine Texte und Gedanken.
Zum Handbuch - Zielsetzung
- Es bestand damals unter den Anhängern der Huterschen Lehren tatsächlich der Wunsch nach einem Lehrmittel über die Hutersche Psycho-Physiognomik, seit Huter darüber Vorträge hält! Im Hauptwerk kommt dieser Bereich viel zu kurz. Erst im V. Lehrbrief, sechste Lektion beginnt Huter seine Hutersche Psycho-Physiognomik darzulegen. Und es ist lediglich eine knappe, gedrängte Darlegung! Wer das Hauptwerk heute zur Hand nimmt, wird einige dieser Mängel nicht bemerken, da sie seit der 3. Auflage 1957 behoben sind. Siegfried Kupfer, der Herausgeber hat die Einschübe stets kenntlich gemacht, meist mit dem Vermerk "D. H.", also der Herausgeber. Siehe auch Abschnitt 3, unten, Überschrift "Einleitung".
- Der Mangel eines Lehrbuches hat sich schon 1896, vermutlich bereits 1894, manifestiert. Aus "Aus eigener Kraft", S. 264, Zitat Anfang:
Im Jahre 1894 wurde in Hannover von Schriftstellern, Regierungsbeamten, Kaufleuten und Künstlern die erste kallisophische Gesellschaft zur Pflege der Huterschen Wissenschaft mit Statuten ins Leben gerufen. Leider erkrankte der verdienstvolle Vorsitzende Hermann Lammers und Carl Huter musste, durch Vortragstätigkeit fern von Hannover, auf längere Zeit die Mitwirkung in diesem Verein aufgeben und ein hannoverscher Rechtsanwalt, Dr. C., gründete aus mehreren Anhängern dieses Kreises den philosophischen Verein in Hannover.
Im Jahre 1896 bildeten sich in Soltau, Uelzen, Peine, Walsrode und anderen Orten der Provinz Hannover Vereinigungen infolge der Carl Huter-Vorträge, die sich aber mangels eines Lehrbuches nicht hielten, sondern bald nachher von der damals aufstrebenden Naturheilbewegung absorbiert wurden.
Zitat Ende.
- Im Handbuch kommt die angewandte Psycho-Physiognomik leider erst ganz am Schluss, zwar in hervorragender Weise, aber sehr gedrängt. Ein richtig gutes Lehrmittel müsste weit umfangreicher sein. Nur so könnte es ein Lehrwerk für zukünftige Fachpersonen sein.
- Das Handbuch, als es dann knapp 10 Jahre nach dem Tod endlich die Anhänger der Huterschen Lehren erreichte, vermag diese Anforderungen nur teilweise zu erfüllen. Dennoch hat man es vermutlich dankbar angenommen.
3. "Handbuch" und "Grundlagen der Menschenkenntnis" - ein Vergleich der beiden Werke
Einleitung
- Ein Blick auf das Hauptwerk: Die 1. Auflage, enthält die bekannten Huterschen Naturellköpfe noch nicht. Vielleicht existierten sich damals noch nicht? Sie erscheinen erstmals im "Handbuch", 1911, und im Werk "Aus eigener Kraft", 1911. - Stets nur Köpfe resp. Körper von weiblichen Personen. Huter hat offensichtlich keine entsprechenden Zeichnungen von weiblichen Personen angefertigt.
- In Bezug auf die Huterschen Naturelle enthält die 1. Auflage des Hauptwerks - auch alle späteren Auflagen, bis heute! - nur einfache Strichzeichnungen, und zwar lediglich, siehe V. Lehrbrief, achte Lektion:
a. Die Gesichtsformen der drei primären Naturelle, männlich; von vorne und von der Seite;
b. Den ganzen Körper der drei primären Naturelle, männlich, nackt, von vorne und von hinten. - Das Hauptwerk, 1. Auflage, enthält nur wenige Fotos. Im V. Lehrbrief, siebte Lektion legt Huter über 20 Einschätzungen von bedeutenden Personen vor, aber ohne Verwendung eines Bildes. Seit der 3. Auflage des Hauptwerkes, 1957, findet man hier gleichzeitig ein Bild der beschriebenen Person.
Amandus Kupfer, Siegfried Kupfer und Paul Schärer: Grundlagen der Menschenkenntnis
- Amandus Kupfer hat Mitte 1911 eine eigene Broschüre herausgegeben, unter Mitarbeit seiner Ehefrau Käthe Kupfer - Nawrath: "Grundlagen der Menschenkenntnis".
a. Das zunächst 69-seitige Werk erweist sich zwar als wertvoll, aber nicht als gleichwertig zu Huters "Handbuch". Es enthält nur wenige Fotografien; das Wort "Helioda" erscheint nicht, etc. Es enthält aber zahlreiche illustrierende Strichzeichnungen, teils aus dem Unterricht bei Carl Huter und teils für dieses Buch eigens angefertigt. - Kupfer verdient Anerkennung, dass er Herbst 1907 seine ersten Vorträge hält, denn er lernte Huter und seine Hutersche Psycho-Physiognomik erst im März 1907 kennen. Und bereits 4 Jahre später schaffte er es, ein Lehrmittel herauszugeben.
b. Ab 1920 resp. 1921 ist Amandus Kupfer Inhaber der Urheberrechte an den Werken von Carl Huter. Nun wäre es ihm möglich gewesen, Huters originale Strichzeichnungen - z.B. die von Huter gezeichneten Köpfe der acht primären, sekundären und polaren Naturelle - zu verwenden.
c. Amandus Kupfer überarbeitet und erweitert seine "Grundlagen" immer wieder. Ab 1921 erscheint das Werk in zwei Bänden mit einem Umfang von total 215 Seiten.
d. Es dauert bis zur 20. Auflage von 1958 des I. Bandes und bis zur 11. Auflage von 1956 des 2. Bandes bis das Buch reich mit Fotografien bebildert ist. - Diese beiden Bände werden erstmals von Siegfried Kupfer (1917 - 1983), dem Sohn von Amandus Kupfer. Bei jeder Auflage gibt es weitere, kleinere oder grössere Verbesserungen und Erweiterungen des Umfangs. - Erst jetzt werden in den Grundlagen, Band I, die von Huter gezeichneten Naturellköpfe wiedergegeben. Erst mit diesen Verbesserungen werden die "Grundlagen" zu einem guten Lehrbuch.
Carl Huter: Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis
- Huters "Handbuch" von 1911, dessen Format tatsächlich einem Handbuch entspricht und im selben Jahre wie Kupfers "Grundlagen" erschienen ist, also 1911, enthält nicht nur zahlreiche Strichzeichnungen, sondern auch Dutzende von Fotos. Man erkennt unschwer, dass die zeichnerischen Illustrationen mit Sorgfalt von einer Fachperson - Huter! - hergestellt resp. die Bilder mit grosser Fachkenntnis ausgewählt worden sind. Sie sind vorzüglich geeignet, um die Formensprache zu erlernen und in der Anwendung Sicherheit zu erlangen. Die textliche Beschreibung der Bilder ist treffend, nachvollziehbar und so kurz wie nur möglich. - Fazit: Wirklich sehr lehrreich! Hier war der Meister am Werk!
4. Schlussbemerkungen
Bei der Schilderung der Lebenserschwernisse soll man die vielen glücklichen Elemente in Huters Leben nicht ausser Acht lassen:
- Seine hervorragende Veranlagung, besonders um Welt und Mensch zu erforschen. Sie machte es ihm vergleichsweise leicht, zu vielen neuen Erkenntnissen zu gelangen.
- Die Förderung und Unterstützung durch Prof. Dr. med. Bernhard Cyriax in Leipzig, 1882 bis 1883.
- Die Arbeiten, die andere Forscher vor ihm geleistet haben. Ohne die Erkenntnisse über die Keimblätter (Robert Remak), die Erkenntnisse über die Zelle (Theodor Boveri, etc.) wäre Huter in seinen Forschungen an Grenzen gestossen.
- Huter hatte manche Mitarbeiter und vorallem Mitarbeiterinnen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt haben: in den Bereichen Sekretariat, Buchhaltung, Herausgabe von Zeitschriften und Bundesverwaltung. Für die "Hochwart" hatte Huter stets einen externen Schriftleiter sowie externe Mitarbeiter. Hinzu kommen Mitarbeiter des Kurbads, das unter der Leitung seiner Ehefrau Henny Huter-Pieper stand. Es gab unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nicht nur loyale verlässliche Personen. Huter sich von ihnen so rasch und so gut als möglich getrennt.
Zur schriftstellerischen und verlegerischen Tätigkeit
- Die letzten Verzeichnisse Huters über seine Schriften sind der oben abgebildete Prospekt, erstellt und gedruckt vermutlich Anfang 1910, sowie das oben erwähnte Verzeichnis der erschienen Schriften, das in der Broschüre "Irma Fleischhacker: Carl Huter und seine Wissenschaft" enthalten ist. Diese Broschüre beruht wohl auf dem Stand von Mitte 1910. Dieses Verzeichnis ist umfassend. Der Prospekt beschränkt sich auf die wichtigsten Schriften.
- Huter arbeitet auch 1910, 1911 und 1912 an kürzeren Broschüren. Er erstellt u.a. einen Zusammenfassung seiner Lehren. Sie wird von Amandus Kupfer Mitte 1920er Jahre herausgegeben. Seine Zeitschriften erscheinen bis längstens Mitte 1911. Sie enthalten Artikel von Huter und von Irma Fleischhacker.
History
Diese Seite wurde im Juni 2022 erstmals veröffentlicht. Sie wird regelmässig überprüft. Änderungen erfolgten am 14. Dezember 2024 sowie vom 12. April 2026 bis am 9. Mai 2026.
Alle Rechte vorbehalten!
3
