Carl-Huter-Stiftung
 

2H. Carl Huter - Bezüge zur Schweiz



1. Vortrag in Konstanz - am 21. Februar 1900

Bemerkungen 

  • Hatte Huter an diesem Vortrag in Konstanz Teilnehmer oder Teilnehmerinnen aus der Schweiz? (1)
    In der "Hochwart" von 1902, Heft Oktober resp. Heft November, veröffentlicht Huter die Wohnorte der Hochwart-Abonnenten resp. die Wohnorte, in denen Mitglieder des Huterischen Bundes wohnen. In beiden Listen findet man "Konstanz", aber keine Namen von Schweizer Ortschaften.
    (1) Nachforschungen sind im Gang. xxx
  • Der Vortrag fällt auf den Beginn der Faschings- resp. Fastnachtszeit. Sie dauerte vom  Donnerstag, 22. Februar 1900 bis am Dienstag, 27. Februar 1900. Siehe auch die Inserate oberhalb und unterhalt des Vortrags-Inserates. Auch dort erscheint der "Schwedenstein".
  • Das Vortragslokal, das Gasthaus "Schwedenstein" liegt direkt an der Grenze zur Schweiz und nur rund 10 Minuten von der Markstätte entfernt, wo das Hotel Schnetzer liegt. 
  • Das Hotel Schnetzer liegt an der Markstätte. Die Markstätte ist ein grosser rechteckiger Platz, der auf beiden Längsseiten von Gaststätten und Geschäften gesäumt ist. Geht man den Platz hinunter stösst man auf das eine Ende des Bahnhofs; geht man den Platz hinauf stösst man gleich auf den Kaiserbrunnen. Geht man weiter in diese Richtung, so durchquert man die Altstadt und steht schon nach 8 - 10 Min. bei einem der Zollämter, welche Konstanz umgeben. Schon damals dehnte sich die Stadt bis ganz an die Grenze aus, mit stattlichen Wohn- und Gewerbehäusern. 
  • Vermutlich hat Huter damals diese Zoll-Zone durchschritten und den Fuss für kurze Zeit auf Schweizer Boden gesetzt. Der Grenzübertritt war damals, für Angehörige des jeweils benachbarten Staates, fast ohne Ausweis-Dokumente möglich. 


2. Aufenthalt in der Schweiz - im Februar 1900

In einer undatierten Notiz schreibt Huter, er habe sich in der Schweiz aufgehalten. 

Wann war Huters Aufenthalt in der Schweiz? - Vermutlich im Februar 1900, damals, als Huter für den Vortrag in Konstanz weilte. 

Gibt es nähere Einzelheiten über den Aufenthalt? - Nein, leider.

  • Wo endete diese Reise? Schon in Frauenfeld? Oder in Winterthur oder erst in Zürich? Da die junge Frau nach ihrem Aufenthalt in Detmold nach Zürich zurückfuhr, siehe obige Datei, traf er diese Frau wohl in Zürich oder in der Nähe von Zürich im Zug an. 
  • Wenn er aber tatsächlich in Zürich gewesen wäre: Weshalb enthält der Text kein Wort über Lavater? Dann hätte er doch die Wirkstätte von Lavater besucht, die Kirche St. Peter? - Dann hätte er doch in dieser Notiz auch seine Eindrücke über Zürich geschildert! Und vielleicht in seiner Zeitschrift einen Artikel über Lavater und seinen Besuch in Zürich veröffentlicht? - Im Januar 1900 erschien in der Hochwart der Artikel "Lavaters Todeswunde", beruhend einer Schilderung von Johann Caspar Lavater vom 29. September 1799.


3. Wie hat Huter die Schweiz eingeschätzt?

  • 2G. Zitate IV: Huter und sein Lebenswerk
    a. Ziffer 4.2: "Die Schweiz wird die Huterschen Lehren vergleichsweise früh aufnehmen."
    b. Ziffer 4.5: Ausweichen in die Schweiz.
  • 9G. Länder und Völker , Ziffer 1:
    "Die Schweiz regiert sich weise."
    Eine ähnliche Aussage macht Huter in "Der Gebildete auf der Höhe", 1908. Siehe Ziffer 52 "Demokratie und Republik".
  • 9G2. Zivilisation und Kultur , Ziffer 2: Kulturvölker
    "Dass in Europa hiervon Russland am weitesten entfernt ist, weiss jeder. England, Dänemark, Norwegen, Holland, die Schweiz und in jüngster Zeit auch Frankreich sind die am meisten vorangeschrittenen Kultur­staaten bzw. -völker in Europa."
  • Weitere Einschätzungen über die Verhältnisse in der Schweiz resp. in einzelnen Kantonen findet man
    a. in der Zeitschrift "Hochwart", 1899 - 1911. 
    Huter kommentiert und kritisiert Ereignisse, die in deutschen Zeitungen erschienen sind, vermutlich stets in Rubriken  wie "Vermischte Meldungen" oder "Unglücksfälle und Verbrechen".
    b. in Texten, die Max Schacke (1872 - 1959) veröffentlicht hat. Schacke bezieht sich auf mündliche Aussagen von Huter.
    c. in Texten, die seine älteste Tochter Irmgard Lemke - Huter, geb. 1896, veröffentlicht hat. 
    Anmerkung: Amandus Kupfer resp. andere Schüler von Huter haben offensichtlich keine Aussagen und Einschätzungen Huters über die Schweiz hinterlassen. Amandus Kupfer hat von 1930 bis 1952 wiederholt eigene Einschätzungen über die Schweiz gewonnen und meist gleich niedergeschrieben. Für nähere Einzelheiten über das Obgenannte wende man sich an die Carl-Huter-Stiftung. 


5. Schweizerinnen und Schweizer, die mit Huter in direkter Verbindung standen

  • Frau Amalia Fleischhacker - Weder, lediger Name Metger, und ihre drei erwachsenen Kinder aus der ersten Ehe, die Geschwister Weder, siehe Rubrik 2A7 Fleischhacker, Weder, Metger 
  • Frau Schinhammer, St. Margarethen (Kanton St. Gallen, SG) besuchte im September 1910 Kurse in Physiognomik und Massage. Sie hielt sich damals in Leipzig auf. Das Kursgeld betrug rund Mark 500,00. Nur wenige andere Personen haben bei Huter für so viel Geld Dienstleistungen bezogen. Ein Monatskurs kostete Mark 300,00. - Amandus Kupfer und einige wenige andere Personen besuchten den Monatskurs zweimal. 
  • Georg Sulzer (1844 - 1929), Zürich und Winterthur, Kassationsgerichtspräsident. Ein Schweizer Jurist, Schriftsteller und Spiritist. - Sulzer hat sich mit dem Blumenmedium Anna Rothe befasst und darüber Artikel veröffentlicht. So ergaben sich mehrere Korrespondenzen zwischen den beiden Personen. Huter besass einige Schriften von Sulzer und Sulzer vermutlich ebenso von Huter. In Freunde der Huterschen Wissenschaft: Aus eigener Kraft, 1911 steht, S. 135: "Berichte über Carl Huters Charakter-Diagnosen und psychologische Gutachten. Urteile hervorragender Juristen. ... Herr Regierungspräsident Dr. T., Kassations-Gerichtspräsident Georg Sulzer sowie Staats- und Rechtslehrer deutscher Hochschulen haben Carl Huters psychologische Beurteilungen in Anspruch genommen und empfehlend darüber berichtet."
    Weitere Textstellen über Georg Sulzer befinden sich in "Hochwart-Mitteilungen", 1903, IV. Vierteljahresausgabe und Carl Huter: Führer durch das Carl-Huter-Museum, 1910.
  • Gustav von Bunge (1844–1920) ein bedeutender deutsch-baltischer Physiologe und Professor für physiologische Chemie an der Universität Basel (1886–1920). Er kam 1885 nach Basel und wurde 1890 Ehrenbürger und damit zugleich Staatsangehöriger der Schweiz, also Schweizer. - In Carl Huter: Grundlegende Entdeckungen für die wissenschaftliche Psycho-Physiognomik, 1910, steht: "Erst 1906 wurde er (Anm: Franz Josef Gall) in Deutschland durch den deutschen Anthropologen-Kongress in Görlitz gewürdigt und die Professoren Möbius, von Bunge und Schwabe haben ihn gewürdigt." Auch im Hauptwerk wird von Bunge wegen dieser Würdigung von Gall mehrmals erwähnt, einige Male auch wegen seinen Erkenntnissen im Bereich der Physiologie. Siehe IV. Lehrbrief, siebte Lektion bis V. Lehrbrief, elfte Lektion. - Carl Huter hat ihm ein Exemplar des Hauptwerks geschenkt und nach Basel schicken lassen. Quelle: Carl-Huter-Archiv. Der Nachlass von Bunge befindet sich in der Universitätsbibliothek Basel. Das Hauptwerk Huters befindet sich nicht darunter, auch nicht im ganzen restlichen Bestand der Bibliothek.
    Anmerkung: Die irrige Ansicht, dass Spinat eisenreich sei, beruht auf einem Irrtum von von Bunge. Sein Ergebnis über den Eisengehalt von Spinat bezieht sich auf getrockneten Spinat. Von Bunge hat dann aber den Gehalt von frischem Spinat mitgeteilt. Dieser ist 10-mal so schwer wie getrockneter Spinat. Von Bunge veröffentlichte einen Gehalt von 3,5 mg Eisen je 100 g frischem Spinat. Der korrekte Gehalt beträgt aber 0,35 Eisen mg pro 100 frischem Spinat. Sodann gilt zu beachten, dass Spinat Oxal-Säure enthält und diese die Aufnahme von Eisen im Darm erschwert. Der Comic-Matrose Popeye trug massgeblich dazu bei, dass sich dieser Mythos hartnäckig hält. - Von Bunge genoss eine grosse Anerkennung als Lehrer und Forscher, in ganzen deutschen Sprachraum.


5. Sonstige Bezüge zur Schweiz oder zu Menschen mit Schweizer Wurzeln

  • Johann Caspar Lavater (1741 - 1801), einer der bedeutendsten Vorläufer von Huter, war Schweizer und war von Zürich aus tätig. Huter schätzte ihn sehr. - Weitere Einzelheiten in der Rubrik  9F. Lavater, Gall.
  • Heinrich Bossard (1816, Marienwerder, Westpreussen - 1872, Leipzig).  Carl Huter nannte ihn seinen bedeutendsten Vorgänger. Heinrich Bossard lebte nie in der Schweiz. Er ist Schweizer aufgrund seines Vaters, der aus der Schweiz stammt, und einige Jahre in Westpreussen lebte, bevor dieser in die Schweiz zurückkehrte. Carl Huter war Bossards Abstammung vermutlich nicht bekannt. Nähere Einzelheiten über Bossard in der Rubrik  12E3. Bossard - Physiognomik .
  • Huter fühlt sich als ein Abkömmling der Cherusker, ein ursprünglich keltischer Volksstamm. Später muss man ihn, infolge von Vermischung als keltisch-germanischer Volksstamm bezeichnen. Die Helvetier, die Ureinwohner der Schweiz sind ein keltischer Volksstamm, ähnlich wie die Cherusker. Weitere Einzelheiten über die Cherusker siehe  2A8. Cherusker . 
  • Albert Einstein (1879 - 1955): Hochwart, 1906, III. Vierteljahresausgabe, Artikel mit dem Titel "Die Grösse eines Moleküls". In diesem Artikel berichtet Huter, dass es Dr. Albert Einstein, Bern, gelungen ist, die Grösse der Moleküle zu bestimmen. - Der Artikel beginnt mit folgendem Satz: "Einen interessanten Versuch zur annähernden Bestimmung der Grösse der Moleküle einer inhomogenen Flüssigkeit (Lösung) hat vor kurzem Dr. A. Einstein in Bern in den „Annalen der Physik“ veröffentlicht." - Diese Arbeit von Einstein, in welcher er die Brownsche Bewegung als direkt sichtbare Bewegung der Moleküle interpretiert hat, erregte damals grosses Aufsehen. 

    Anmerkung I:
     Einstein gelangen im Jahre 1905 in Bern vier grosse Erkenntnisse und sie alle fanden ihren Niederschlag in Fachartikeln, die in der obgenannten Zeitschrift erschienen sind, alle im Jahre 1905. Die Erkenntnisse, die Einstein im vierten Fachartikel veröffentlicht, gelten als die Begründung der Relativitätstheorie. 

    Anmerkung II
    : Aus der Hochwart 1907, IV. Vierteljahresausgabe, lässt sich entnehmen, dass Huter Kenntnis von Einsteins Fachartikel über die Relativitätstheorie hatte und offensichtlich dieser damals stark umstrittenen Theorie positiv gegenüberstand. Huter schreibt dort:
    "Das Gesetz von der Erhaltung der Elemente, das als so zweifellos bewiesen angesehen wurde, muss nunmehr seiner „absoluten“ Gültigkeit entkleidet werden. Es liegt nahe, dies Ergebnis mit einer ähnlichen Umwälzung zu vergleichen, welche unsere Vorstellung von der „Materie“ in jüngster Zeit erfahren hat; ich meine das Eindringen der Elektrodynamik in die Mechanik. Der Begriff der Masse, der so lange ein ebenso absolutes Regiment geführt hat, wie der entsprechende chemische Elementarbegriff, erweist sich gleichfalls als äusserst bedingt, als eine Funktion der Geschwindigkeit der Elektronen." -
    a. Einsteins Artikel trägt den Titel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper". Einstein behandelt hier die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen, z.B. Licht, und stösst dann auf die berühmte Formel E = mc2, die eine Verbindung zwischen Masse und Energie herstellt und woraus Einstein schloss, dass es demzufolge möglich sein müsste, Masse in Energie umzuwandeln.
    b. Wenn Huter nun einem «Eindringen der Elektrodynamik in die Mechanik» spricht, so bezieht er sich hier ganz offensichtlich auf diesen Artikel von Einstein, der in der Fachzeitschrift «Annalen der Physik» im September 1905 in Berlin erschienen ist. Evtl. ist darüber in einer Zeitung oder Fachzeitschrift eine Notiz erschienen und evtl. hatte Huter hier Kenntnis von Einsteins erhalten.
    c. Später spricht man in der Physik von "Relativitätstheorie". - Huter selbst drückt sich anders aus: Der chemische Elementarbegriff erweist sich als gleichfalls äusserst bedingt, als eine Funktion der Geschwindigkeit der Elektronen."
    d. Weshalb nennt Huter in seiner Notiz keine Namen? Albert Einstein, Henry A. Lorentz, Albert A. Michelson, Edward W. Morley!


Schlussbemerkung

In der Schweiz kam es durch die Römer, die hier ab 58 v. Chr. bis ca. 400 n. Chr. ansässig waren und gleich danach durch die Einwanderung der Alemannen, ein germanischer Volksstamm, zu einer gewissen Vermischung. Das keltische Element, die keltische Mentalität, ist aber nie ganz verschwunden.

Der auf die Helvetier zurückgehende Volks-Charakter der Schweizer Bevölkerung

  • Die staatlichen Vorschriften und die staatlichen Eingriffe sollten auf das wirkliche Notwendige begrenzt sein.
  • Wenn sich der Staat veranlasst sieht, Vorschriften zu erlassen, möchten die Bürger bei der Ausarbeitung der Vorschriften mitreden.
  • Der Bürger soll wachsam sein. Wenn irgendwo Handlungsbedarf besteht, so soll er aktiv werden. Man soll nicht immer auf staatliche Hilfe warten. Man fühlt sich an den Titel der Huterschen Autobiografie erinnert "Aus eigener Kraft". Diese Mentalität ist am stärksten in der Deutschschweiz spürbar.


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Diese Seite wurde vom 16. bis 20. November 2025 erstellt. Sie wird regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst, letztmals am 23. und am 31. Dezember 2025, am 19. Januar 2026, am 17. März 2026 und am 16. April 2026.

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