2C4. Huter-Bewegung
1. Auf der persönlichen Wirksamkeit von Carl Huter beruhend
1.1 Vortragsbesucher, Kursbesucher, Schüler
- Die Zuhörerzahl an Huters Vorträgen beträgt in den Jahren 1904 bis 1911 in den grösseren Städten regelmässig zwischen 100 und 400 Personen. Meist hält er drei Vorträge innerhalb von 4 bis 6 Tagen. Danach folgt meist ein Lehrkurs, ebenfalls drei Abendveranstaltungen wiederum innerhalb von 4 bis 6 Tagen. Hier liegt die Teilnehmerzahl zwischen 10 und 20 Personen. Nur wenige Vortragsbesucher entscheiden sich zur Mitgliedschaft beim Huterischen Weltbund. Dessen Mitgliederzahl wächst vom 11. August 1901, dem Gründungstag, bis Oktober 1907 auf über 600 Personen an. Von 1908 bis 1911 liegt die Zahl um 300 Personen herum.
- Von 1901 bis 1910 führt Huter Monatskurse durch, die aus 60 Lektionen bestehen - rund 20 Kurstage mit je rund 3 Lektion innerhalb von vier Wochen. Die Teilnehmerzahl liegt jeweils zwischen 5 und 10 Personen. Die Teilnehmer sind zwischen 20 und 35 Jahre alt.
- Personen, die eine höhere Berufsausbildung oder eine Hochschulbildung besitzen, findet man vereinzelt unter den Vortragsbesuchern und unter den Bundesmitgliedern, nicht aber als teilnehmende Person an einem Monatskurs.
- Einige Personen mit Hochschulbildung veröffentlichen im Verlag von Carl Huter, dem Arminius - Verlag, Broschüren und Fachartikel: Dr. phil. Gottfried Brandt; Dr. phil. Bernhard Corvey; Dr. med. Otto Büsing; Georg Reinhardt, praktischer Arzt; Dr. med. Georg von Langsdorff.
- Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Huters veröffentlichen unter ihrem Namen Broschüren und Bücher: Maria Elisabeth Reinert, Karl Kotthaus, Friedrich Esser und Irma Fleischhacker. - Unter den Schülern Huters gibt es nur wenige, die über alle jene Eigenschaften*) verfügen, um die Huterschen Lehren im Hauptberuf erfolgreich zu verbreiten und anzuwenden, derart, dass sie auf Dauer davon leben können.
*) Bildung, Redetalent, körperliche Robustheit, etc. - Amandus Kupfer (1879 - 1952), ab März 1907 ein Schüler von Huter und um 1910 als autodidaktischer Heilpraktiker erfolgreich, beginnt im Herbst 1908 mit Vorträgen über die Hutersche Psycho-Physiognomik. Er wird ab 1911 von Käthe Kupfer - Nawrath (1890 - 1986) unterstützt, eine junge, ausgebildete Sprachlehrerin, die im August 1912 seine Gattin wird.
- Auch andere Huter-Schüler verbreiten die Huterschen Lehren, teils nur einige Jahre lang, und ab 1920 auch hinzugekommene neue Anhänger. Sie halten öffentliche Vorträge und einige von ihnen veröffentlichen Schriften: Broschüren, Bücher und Zeitschriften. Sie bieten Beratungsdienstleistungen an. Der Kundenkreis besteht vor allem aus Personen, die Vorträge besucht haben und für sich oder für ihre Angehörigen eine psycho-physiognomische Einschätzung wünschen.
- Die Verhältnisse in Deutschland erschweren die Berufsausübung von Amandus Kupfer und allen anderen Fachpersonen, besonders in der Zeit von 1914 bis ca. 1924 und von 1932 bis ca. 1948. Es sind die hinreichend bekannten Ereignisse wie Weltkriege, wirtschaftliche Krisen, die NS-Diktatur mit Zensur, Büchervernichtung, Berufsverbot und die Verfolgung durch die Geheime Staatspolizei. Radio, Fernsehen und Internet führen dazu, dass ab Mitte der 1950er Jahre deutlich weniger Personen an die Vortragsveranstaltungen kommen und ab Mitte der 1990er Jahre erfolgt nochmals ein starker Rückgang der Besucherzahlen, als die Menschen Zugang zum Internet erhalten. Es ist schwierig, Einführungskurse durchzuführen und Vereine zu betreiben.
1.2 Vereinigungen und Vereine
- Ab 1884 bilden Huter-Freunde Vereine und lose Gruppierungen, zunächst in Hannover und danach in Hildesheim. Sie haben nicht lange Bestand, u.a. infolge personeller Veränderungen. (1)
- Im Jahre 1899 wird in Müllheim-Ruhr der erste Huter-Verein gegründet, der von Dauer ist. Dieser Verein und andere, kurz danach gegründete Vereine schliessen sich im August 1901 zum Huterschen Bund zusammen. Dieser wird von Carl Huter geleitet, in der Eigenschaft als (Bundes-)Präsident des Bundes und als (Bundes-)Oberleiter.
- Bis ca. 1910 entstehen rund 20 weitere Vereine. Viele entwickeln aber kaum eine nennenswerte Tätigkeit und stellen ihren Betrieb nach wenigen Jahren wieder ein. Der Hutersche Bund und die Mitgliedsvereine stellen ihren Betrieb um 1911 ein. Eine formelle Auflösung des Bundes ist nicht erfolgt und auch die Ortsvereine lösen sich fast immer stillschweigend auf.
(1) Nähere Einzelheiten findet man: Freunde der Huterschen Wissenschaft (Hrsg): Aus eigener Kraft, 1911. XX. Teil: Schlussbetrachtungen, S. 264.
1.3 Verlage
Carl Huter gründet
- im Jahre 1898 den Carl Huter-Verlag, Detmold;
- im Jahre 1903 den Arminius-Verlag, Detmold und
- im Jahre 1909 die Carl Huter-Verlagsbuchhandlung in Leipzig.
Diese Unternehmen bestehen bis Mitte 1911.
- Im Arminius-Verlag erscheinen die meisten von Huters Schriften, ausser die bis 1899 erschienen Schriften sowie 1-2 Schriften seiner Schüler in den 1900er Jahren. Das Illustrierte Handbuch der Menschenkenntnis. erschien erst nach dem Tod Huters, 1920 oder 1921. Der tatsächliche herausgebende Verlag und der tatsächliche Verlagsort können heute nicht mit vollständiger Bestimmtheit genannt werden.
- Hier erscheinen seine Zeitschriften:
1. "Hochwart", Oktober 1899 - Anfang 1911. - Zunächst monatlich, ab 1903 vierteljährlich.
2. "Freiwohl", Aufklärungsblätter für Natur- und Geisteswissenschaften.
Diese Zeitschrift erscheint vierteljährlich, ab Oktober 1909 bis ca. Anfang 1911.
Als Beilage dieser Zeitschrift erscheint:
3. "Illustrierte Blätter für praktische Menschenkenntnis" und
4. "Rundschau",
Ab und zu erscheint eine weitere Beilage:
5. Warn- und Abwehrblatt zur Aufklärung über Gegner, die irreführend hervortreten
2. Auf der Wirksamkeit der Huter-Freunde beruhend
2.1 Vereinigungen und Vereine in Deutschland
- Nach Huters Tod bilden sich einzelne lose Gruppen, die ihren Betrieb teils bereits nach einigen Jahren, teils Ende der 1930er Jahre einstellen.
2.2 Verlage in Deutschland
- Amandus Kupfer gibt im Jahre 1911 die "Grundlagen der Menschenkenntnis" im Selbstverlag heraus. Ein eigentliches Verlagsunternehmen entsteht erst um 1920 herum. Es trägt ab ca. 1950 den Namen "Carl-Huter-Verlag" und zuvor andere, jedoch ganz ähnliche Bezeichnungen. Von 1952 bis 1983 befindet es sich im Besitzt von Siegfried Kupfer (1917 - 1983). Der Betrieb wird um 1986 eingestellt und das Unternehmen wird kurz danach aufgelöst.
- In den 1920er und den 1930er Jahren bestehen zweitweise mehrere Verlage gleichzeitig. Der Sitz dieser Verlage befindet sich in Schwaig bei Nürnberg, Bayern; in Althofnass bei Breslau, Schlesien; in Naumburg, Sachsen - Anhalt; in Berlin, Berlin; in Frankfurt am Main, Hessen; in Dresden, Sachsen, 2 Betriebe. - Nur das Verlagsunternehmen "Carl-Huter-Verlag", Schwaig b. Nürnberg überlebt die Kriegsjahr, musste aber seinen Betrieb im Jahre 1941 einstellen und konnte ihn erst ca. 1949 wieder aufnehmen - staatliche Verbote; Mangel an Papier - andere Schriften hatte Vorrang.
- Sodann gibt es Huter-Freunde, die im Selbstverlag Schriften herausgeben, meist nur ein einziger Titel, u.a. Peter Lips in Hamburg zum 25. Todestag von Carl Huter im Jahre 1937.
- Von 1949 bis ca. 1987 gibt es zunächst rund sechs solche Verlagsunternehmen, alle in der Bundesrepublik Deutschland, keines in der DDR, und ab 1987 keines mehr.
- Die heute in Deutschland Vereine, Ausbildungseinrichtungen, Beratungsangebote und Verlage sind ab den 1990er Jahren entstanden.
- Von 1924 bis 2013 erscheinen in Deutschland Fachzeitschriften im Bereich der Huterschen Psycho-Physiognomik, ausser in der Zeit von Mitte 1941 bis Mitte 1953, von 1980 bis 2007 und von 2014 bis heute, 2025.
2.3 Blick auf die Schweiz
- In der Schweiz bestehen seit Mitte der 1930er Jahre Huter-Vereine, Ausbildungseinrichtungen und Beratungsangebote, vor allem in der deutschsprachigen Schweiz. - Zurzeit, 2025, bestehen mehrere Ausbildungseinrichtungen und zahlreiche Beratungsangebote.
- Seit 1963 findet jährlich ein Kongress für Psycho-Physiognomik statt, jeweils am Auffahrts-Wochenende / Himmelfahrts-Wochenende, von Donnerstag bis Sonntag. Seit Beginn sind deutsche Referenten als Vortragsperson aufgetreten und ebenso ist der Anlass von deutschen Huter-Freunden besucht und mitgetragen worden. Seit ca. beteiligen sich auch Huter-Freunde und Huter-Vereine aus Deutschland an der Organisation und Durchführung des Anlasses.
- Seit 1938 bis heute erscheint mindestens eine Fachzeitschrift und es besteht mindestens ein Verlagsunternehmen, das Lehrbücher veröffentlicht. Das erste Verlagsunternehmen entstand 1938 in Winterthur. Gegenwärtig gibt es 2 bis 3 Betriebe, die regelmässig Hutersche Literatur veröffentlichen. - Zurzeit, 2025, bestehen zwei Fachzeitschriften und ein Verlagsunternehmen.
- Für Informationen über die Tätigkeit der in Schweiz ansässigen Carl-Huter-Stiftung siehe Rubrik 12. Stiftung / Physiognomische Systeme
Weitere Informationen über die Huter-Bewegung findet man u.a. in der Rubrik
- 2C3. Nachwirken
- 2G. Zitate IV: Huter und sein Lebenswerk, Ziffer 4.2 bis 4.5;
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