Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

2B3. Nachwirken - in Bezug auf die Hutersche Psycho-Physiognomik


1. Verbreitung von 1912 bis heute

Mehrere Schüler von Carl Huter haben die Hutersche Psycho-Physiognomik in Wort und Schrift weiterverbreitet, namentlich:

  • Amandus Kupfer (1879 - 1952) als Verfasser von Lehrbüchern über die Hutersche Psycho-Physiognomik, als Herausgeber von Zeitschriften, u.a. «Der gute Menschenkenner», 1932-1941 und als Dozent. Er hielt von 1908 bis ca. 1938 Hunderte von Vorträgen in Deutschland, von 1930 bis 1937/38 auch in der Schweiz. Er demonstrierte seine bei Huter erworbene Fähigkeit des Hellfühlens öffentlich.
    Siegfried Kupfer (1917 - 1983) hat die verlegerische Tätigkeit seines Vaters Amandus Kupfer ab 1952 bis zu seinem Tod, 1983, weitergeführt. Er hat die Zeitschrift "Der gute Menschenkenner" (1953 - 1979) neu begründet. Sie trug bis 1954 den Titel "Der physiognomische Beobachter".
  • Karl Kotthaus (1877 - 1932) hielt ab ca. 1902 Vorträge in Deutschland und Österreich, u.a. in Wien, wo er sehr bekannt war, und ab 1926 in den USA.
  • Max Schacke (1872 - 1959) hat die Helioda-Therapie angewendet und seine Kenntnisse in Broschüren veröffentlicht. 

Es gibt eine Huter-Bewegung sowohl in Deutschland, begründet durch Carl Huter, als auch in der Schweiz, begründet durch Amandus Kupfer in den 1930er Jahren. 

  • Sie besteht aus Ortsvereinen, regelmässigen Vorträgen, jährlichen Kongressen und Mitgliederzeitschriften mit mehreren Ausgaben pro Jahr.
  • Die Zahl der organisierten Anhänger dürfte gegenwärtig bei rund 800 bis 1'500 Personen liegen.
  • In München und Zürich bestehen permanente Angebote, um sich zur Fachperson im Bereich der Huterschen Psycho-Physiognomik ausbilden zu lassen.
  • Es erscheinen regelmässig Fachbücher, die von langjährigen Fachpersonen auf dem Gebiet der Huterschen Psycho-Physiognomik verfasst und herausgegeben werden.
  • Die Carl-Huter-Stiftung, errichtet 2006, Sitz in Lachen (SZ)
    a. betreibt eine Internetsite und verbreitet die Huterschen Lehren und die Huterschen Schriften.
    b. gibt auf Anfrage Auskünfte und Unterstützungen.

Seit ungefähr dem Jahr 2000 werden unter Bezeichnungen wie Face Reading, Gesichter lesen, Menschen lesen Lehrkurse angeboten und Fachbücher veröffentlicht mit folgenden Besonderheiten:

  • Es handelt sich um eine praktische Menschenkenntnis, die sich stark an die Hutersche Psycho-Physiognomik anlehnt.
  • Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, sich strikt an der Huterschen Psycho-Physiognomik zu orientieren.

2. Praktische Anwendung von 1912 bis heute

Die Hutersche Psycho-Physiognomik erfolgt meist für Anhänger der Huterschen Lehren und deren nahe Angehörige. 

Wäre die Bekanntheit und die Anerkennung grösser, wäre der Kreis jener Personen, die sich mit diesem Instrument beschreiben lassen, vermutlich viel grösser.

Nur wenige Unternehmen haben sich bei personellen Entscheidungen jahrelang von qualifizierten Psycho-Physiognomen beraten lassen. 


3. Validierung, Überprüfung

Der Beratungserfolg wurde nie objektiv überprüft. 

Es bestehen unzählige Rückmeldungen von jenen Personen, die beraten worden, sind oder an der Beratung beteiligt waren, z.B. als Auftraggeber. Diese sind fast ausnahmslos positiv.

Weder die Anhänger der Huterschen Psycho-Physiognomik noch die Vertreter aus der angewandten Psychologie haben sich jemals näher mit diesem Thema befasst!

Die Carl-Huter-Stiftung sucht nach Möglichkeiten, um diesen Mangel baldmöglichst zu beheben.


4. Resonanz in wissenschaftlichen Kreisen
Medizin, Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft

Die Huterschen Lehren haben bisher bei akademischen Forschern und bei wissenschaftlichen Einrichtungen fast keine Beachtung gefunden. Wer in der deutsch- oder fremdsprachigen Fachliteratur nach dem Namen Carl Huter sucht, wird ihn nur mit grösster Mühe finden. 

In den Theorien einzelner späterer Forscher findet man Einflüsse der typologischen Elemente der Huterschen Psycho-Physiognomik, z.B.

  • Prof. Dr. med. Ernst Kretschmer (1888 - 1964) hat 1921 seine Dreitypentheorie veröffentlicht, die eine Ähnlichkeit mit der Huterschen Naturelltypenlehre besitzt.
  • Prof. Dr. med. Carl Gustav Jung (1875 - 1961) hat 1921 seine Theorie über psychologische Typen veröffentlicht. Die Theorie unterscheidet zwischen extrovertierten und introvertierten Denken resp. Fühle, etc. Diese beiden Persönlichkeitstypen wurden von Huter entdeckt und erstmals beschrieben. 

Für die Fachpersonen der Huterschen Psycho-Physiognomik besteht kein Zweifel: Die Huterschen Lehren erweisen sich als besser verständlich, als praktikabler, als richtiger, etc. 

Es gab nie personelle oder andere Verbindungen zwischen den Vertretern der Kretschmerschen-Typenlehre resp. der Jungschen-Typenlehre mit der Huterschen Psycho-Physiognomik. 

Anmerkung

In keinem engeren Zusammenhang mit Carl Huter und seinen Lehren stehen die Schriften von Prof. Dr. phil. Hans Friedrich Karl Günther (1891 - 1968), promovierter Philologe (Sprachwissenschaftler).

  • Günther schrieb von 1920 bis 1922 das Werk "Rassenkunde des deutschen Volkes". Das Buch wurde sehr populär und hatte viele Auflagen. 
  • Günther schrieb das Buch im Auftrag seines Verlegers Julius Friedrich Lehmann, München. Dieser war, gleich wie er, völkisch orientiert. Günther hat während seinem Studium in Freiburg i.Br. Vorlesungen bei Eugen Fischer (1874 - 1967) besucht, einem Anthropologen, der 1910 die Ortsgruppe Freiburg für Rassenhygiene gegründet hatte. Fischer war in den folgenden Jahrzehnten einer der führenden Rassenhygieniker und später Professor an der Universität Berlin.
  • Die Theorien dieser Forscher sind nicht durch andere Wissenschaftler kritisch überprüft worden. Sie haben nie allgemeine Anerkennung erreicht. 
  • Fischer und Günther waren längst auf ihren Fachgebieten tätig als die Anhänger einer national orientierten deutschen Partei sich für deren Theorien zu interessieren begannen.

Die Theorien der beiden Forscher sowie der genannten Partei werden von Carl Huter resp. den Anhängern seiner Lehren abgelehnt:

  • Huter hat mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass der Rassismus zurückgewiesen werden muss, da der Mensch keine Schuld an seiner Rasse trägt.
  • Die Rasse hat einen sehr geringen Zusammenhang mit den individuellen Eigenschaften des einzelnen Menschen.

Viel aussagekräftiger ist die Kenntnis

  • der typologischen Merkmale des einzelnen Menschen: Körperbau resp. das Naturell, Geschlecht, Temperament, etc.;
  • der zusätzlichen, wichtigen Eigenschaften, die an Auge, Mund, Gesicht, Stirn, Nase, etc. zum Ausdruck kommen. Sie sind individuell unterschiedlich, also nicht unmittelbar typologisch bedingt.

Es gab nie personelle oder andere Verbindungen zwischen den Vertretern der Theorien von Fischer und Günther mit der Huterschen Psycho-Physiognomik. 

  • In den Schriften dieser Forscher findet man keine Textstellen, die aus den Huterschen Schriften stammen resp. stammen könnten. 
  • Es handelt sich hier um Theorien, die sich von den Huterschen Lehren fundamental unterscheiden.

Die Verbreitung der Huterschen Lehren war in Deutschland ab 1932 zunehmend schwieriger:

  • Die Schriften des Carl-Huter-Verlags, Schwaig b. Nürnberg, wurden 1941 und 1942 beschlagnahmt und vernichtet. 
  • Es gab Referenten, denen empfohlen wurde, sich nicht mehr zu betätigen; andere wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, in einem Fall zur Todesstrafe. 
  • Mindestens zwei Verleger und Referenten erhielten später eine Wiedergutmachung. Siehe  3L. Deutschland, 1933-1945



History
Diese Seite wurde im Juni 2022 erstmals veröffentlicht. Sie wird regelmässig überprüft und geändert, letztmals am 27. Juni 2022.

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