Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

2A2. Carl Huters Diagnosekunst - Teil I
Quelle: Aus eigener Kraft, 1911. 
VI. Carl Huters Tätigkeit auf dem Gebiete der Heilkunde, seine Begründung der wissenschaftlichen Krankenphysiognomik und einer darauf aufgebauten Heilwissenschaft.

Bericht über eine Privat-Soiree vom 30. Januar 1898 in Detmold. 

Im Atelier des Herrn Carl Stockmeyer hatte sich heute eine Anzahl Damen und Herren eingefunden, um sich von dem Inhaber des Sanatoriums für psycho-physiologisches Naturheilverfahren, Herrn Carl Huter hierselbst, untersuchen zu lassen. Anwesend waren: Herr Dr. med. Piderit, Herr Gymnasialdirektor Gebhardt, Frau von Behr, Fräulein Else Hahn, Frau Kaufmann Schlingmann, Frau Rentier Husemann, Frau Maler Stockmeyer, Frau Professor Thorbecke, Herr Bildhauer Retzlaff, Herr Ministerialsekretär Lahmann, Herr Carl Stockmeyer, Herr Carl Huter. 

Herr Huter stellte nach der von ihm selbst begründeten neuen Physiognomik und Psycho-Physiologie aus dem Gesichtsausdruck, der Mimik und Körperkonstitution an mehreren Personen 

1. die besonderen Charaktereigenschaften, 

2. die etwa vorhandenen Krankheiten, 

3. die Empfänglichkeit und Heilwirkung der verschiedenen Heilmittel auf die untersuchten Personen fest. 

Die Angaben des Herrn Huter, sowie die von den Beteiligten abgegebenen Erklärungen sind in nachstehendem Protokoll niedergelegt. 

Erste Untersuchung. Fräulein Else Hahn. 

Herr Huter kennt die Dame nur flüchtig; sie ist dreimal zur Begleitung des Fräulein Tochter der Frau von Behr in Huters Wohnung gewesen. Herr Huter konstatiert folgendes: 

  • Eine besonders hervortretende Charaktereigenschaft ist Treue oder Anhänglichkeit. 
  • Wenn die Dame von einem Platze geht, wo sie längere Zeit gewesen ist, so wird ihr dies sehr schwer werden, selbst in dem Falle, dass ihr dort etwas unangenehmes passiert wäre. 
  • Auch ist viel Impuls vorhanden. Ein Volk aus der Geschichte, das sich durch sehr hohen physischen Impuls auszeichnete, waren die alten Römer. Sie gingen hinaus in die Welt, eroberten Länder und Völker, machten neue Gesetze und verbreiteten Kultur und teilweise eine bessere Zivilisation in die entferntesten Gegenden der Erde. Sie erregten sich für etwas aus sich selbst, ohne äusseren Anlass; dadurch wurden sie selbst schöpferisch tätig, intelligent, aber auch eroberungssüchtig und genussliebend. Es gibt Menschen und Völker, die bleiben selbst bei den interessantesten Dingen indifferent. Das ist jedoch bei dieser Dame nicht der Fall. Auch diese Dame hat die Fähigkeit, aus sich selbst heraus etwas in Angriff zu nehmen. Diese Eigenschaft deckt sich nicht damit, dass ihre Besitzer auch den Mut in der Ausdauer haben; der Mut im Angriff ist hier stärker, als der Mut in der Ausdauer, auch kann die Dame aus sich selbst heraus sich lebhaft für etwas interessieren. 
  • Gesundheitlich. Es ist Neigung zu Herzleiden vorhanden, wozu eine gute Eiweiss-Ernährung beigetragen hat; sie wechselt leicht die Gesichtsfarbe bei inneren Erregungen. Die Anlage zu Herzkrankheiten und Kreislaufstörungen kann jedoch durch eine entsprechende hygienische Lebensweise vollständig ungefährlich bleiben. Es ist nach der ganzen Konstitution zu schliessen, dass die Aussicht vorhanden ist, bei völliger Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen. 
  • Sinn für gute Nahrung stark entwickelt, und zwar mehr für feste als für flüssige Nahrung. 
  • Die Dame besitzt ausdauernde Energie, nicht in einseitiger Tätigkeit, wohl aber in abwechselnder Arbeit. 
  • Selbstgefühl ist trotz der hervorragenden Energie nicht sehr stark entwickelt, es liegt vielmehr im gesellschaftlichen Verkehr eine gewisse Bescheidenheit vor. Kritisch forschender Sinn und gutes Sprachtalent vorhanden. Die Lunge ist gesund und die Verdauungskraft gut. 
  • Stark entwickelt sind Mitgefühl, Teilnahme, Wohlwollen und Vorstellungsgabe. Vorgelesen.  

Die unterzeichnete Dame erklärte alles für zutreffend, was auch von Frau von Behr bestätigt wurde. 
Durch eigenhändige Namensunterschrift bestätigt: Else Hahn. 


Zweite Untersuchung. Frau von Behr. 

Herr Huter ist mit der Dame seit einiger Zeit durch die Behandlung ihres Fräulein Tochter bekannt geworden und hat sie einmal auf ihren Gesundheitszustand hin untersucht.

  • Es spricht sich hier ein besonders starkes Bewegungsnaturell aus. Würde die Dame z. B. gezwungen sein, längere Zeit still zu sitzen, oder würde sie dauernd an einen engen Raum gefesselt, so würden ihr schwere körperliche und seelische Leiden daraus entstehen.
  • In sehr hohem Masse ist entwickelt Wohlwollen, Mitgefühl, Teilnahme und Interesse für das Neue, auch ist ein besonders grosses Interesse für anthropologische Wissenschaften vorhanden. 
  • Der Sinn für das Menschliche ist ausserordentlich stark im Gegensatz zu dem bei manchen andern Menschen mehr vertretenen Sinn für Tiere und Pflanzen.
  • Die Dame hat eine grosse Fähigkeit, Menschen zu beurteilen, und zwar aus dem innersten instinktiven Gefühl heraus, nicht durch Berechnung. 
  • Ferner ist ein gewisser Grad von Pietät und Sinn für das Historische vorhanden. Die Dame weiss das Alte und Vergangene zu ehren und zu würdigen, sie knüpft harmonisch an die gegebenen Verhältnisse an und geht mit den Fortschritten der Zeit weiter. Der Sinn für das Alte und der Sinn für das Neue ist in sehr günstiger Weise vereinigt.
  • Die Ordnungsliebe ist vortrefflich ausgebildet. 
  • Die Dame hat ein gewisses organisatorisches Talent und die Fähigkeit, planmässig etwas in Angriff zu nehmen. Zur besseren Verständigung dieser Eigenschaft möchte ich zwei Beispiele aus der Völkerpsychologie anführen.
  • Wenn man nach Italien kommt, so kann man beobachten, wie bei den dortigen Bewohnern die Naivität und Berechnungslosigkeit oft bei gelehrten Leuten und genialen Individuen vorhanden ist, dass man sich wundern muss; ebenfalls findet man dort häufig in der besten Gesellschaft neben hervorragendem Kunstsinn die grösste Ordnungslosigkeit vor. In schmutzigen, zerrissenen Kleidern sieht man manche wohlhabende Bürgerfrau einherwandeln!
  • Das Gegenteil ist z. B. bei den Engländern der Fall, hier findet man überall Plan, Berechnung, Ordnung, Reinlichkeit und Überlegung, also die Eigenschaften, die sich mit den soeben erwähnten Charaktereigenschaften dieser Dame decken. 
  • Sie hat für flüssige Nahrung einen ausgesprocheneren Sinn als für feste Nahrung (im Gegensatz zu der vorher untersuchten Dame). Das Selbstgefühl ist stärker entwickelt als bei der zuerst untersuchten Dame, Bevor sich die Dame zu etwas entschliesst, hört sie gern den Rat anderer und lässt sich hierbei leicht von einem zum andern bewegen, hat sie aber einmal einen festen Entschluss gefasst, dann führt sie ihn auch unbedingt aus, der Impuls ist bei ihr nicht so stark entwickelt wie bei der anderen Dame, weshalb sie auch weniger aus sich selbst vorgeht, vielmehr erst den Rat anderer hört. 
  • Innere Willenskraft ist sehr stark entwickelt, ebenso Beharrlichkeit für eine bestimmte Idee, Sinn für ideale Schönheit vorhanden; die Dame wird sich mehr für harmonisch-schöne Formen als für realistische Darstellung interessieren. 
  • Denk- und Vergleichungsvermögen sind stärker entwickelt als das Schlussvermögen, es ist aber auch ein heller Geist vorhanden. 
  • Die Dame ist gegenwärtig verschnupft. Die Schleimhäute der tieferen Luftwege sind geschwächt und chronisch leidend. Auch ist die äussere Lederhaut belastet, daher Anlage zu Hautkrankheiten, Scharlach, Flechten, Ausschlag usw. Durch entsprechende Diät und milde Wasseranwendungen, Luft- und Lichtkuren werden diese Übel gründlich ausgeheilt und ist bei dem sonst so sehr gesunden Organismus eine sehr lange Lebensdauer wahrscheinlich.  

Vorgelesen. 
Ich erkläre durch Namensunterschrift alles für zutreffend. 
Frau von Behr.


Dritte Untersuchung. Frau Professor Thorbecke.

Herrn Huter völlig unbekannt, heute zum ersten Male gesehen. 

  • Bei dieser Dame ist viel Impuls und Energie vorhanden. Der ästhetische Sinn und ein guter Geschmack sind ausgebildet und es ist ein besonders ausgeprägter Ordnungssinn zu bemerken, in welchem eine besondere Konsequenz zu konstatieren ist. Die Denkkraft ist im allgemeinen gut, besonders stark ist das Schlussvermögen entwickelt. Die Dame wird den Rat anderer zwar hören, sucht aber, dank ihres Schlussvermögens, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Auffassungs- und Vorstellungsgabe sowie Formsinn sehr stark entwickelt, auch grosses Interesse für bildende Kunst vorhanden. Die Dame hat viel gedacht und viel gelesen. Ihr Gefühlsleben ist gut entwickelt, sie ist wählerisch und wägt sehr vor einem Entschlusse, sie weiss im praktischen Leben sich famos durchzuschlagen, sie versteht den Menschen zu behandeln, wie sie will, auch vermag sie ihn zu beeinflussen, ohne viel zu reden, und sie hat ein ausgesprochenes, starkes diplomatisches Talent. 
  • Auch ist Talent für technische Fertigkeit, Geschicklichkeit usw. vorhanden. 
  • Das Gehirn hat viel gearbeitet, und wird momentane Gedächtnisschwäche durch Überarbeitung konstatiert. 
  • Das geistig-empfindliche Naturell ist stärker entwickelt als das Ernährungs- und Bewegungs-Naturell. Für feste Nahrung ist gut entwickelter Sinn vorhanden.
  • Knochenbau ist gut. 
  • Die Empfindlichkeit wirkt bei der Dame nur auf das Gehirn, nicht auf den Körper im allgemeinen. 
  • Leichte Schwäche der Schleimhaut der Luftwege vorhanden.
  • Sinn für Kinderliebe sehr hoch entwickelt und zwar siegt dieser meist über den oben konstatierten Ordnungssinn.  

Vorgelesen. 
Dass die gemachten Angaben sämtlich zutreffen, bescheinige ich durch Namensunterschrift. 
Frau Prof. Thorbecke. 


Vierte Untersuchung. 
Frau Joh. Husemann. 

Herrn Huter bis dahin völlig unbekannt. 

  • Selbstgefühl und Festigkeit in hohem Masse entwickelt. Die Dame setzt unter Umständen ihren Willen rücksichtslos durch; sie hat eine ausgesprochen subjektive Eigenart in ihrem Wesen und Empfinden. Dies ist eine Eigenschaft, die man oft bei Herrschern und hochgestellten Personen antrifft. Es ist nicht leicht für die Umgebung solcher Personen, sie aus ihrer subjektiven Anschauung zu sachlich objektiven Überzeugungen zu bringen. Die Kunst des Hofmanns ist oft eine sehr schwere, es ist eine ganz andere Kunst wie die des Diplomaten. Es gehört dazu ein eigenes Talent, eine subtile Feinfühligkeit bei Innehaltung strengster zeremonieller Formen, viel Ausdauer, Klugheit und Geduld, oft auch Verstellungskunst und grosse Berechnung. Im Umgange mit der Dame muss man sich bei ihr in Gunst setzen, weil sie von ihrem eigenen Standpunkte aus urteilt. Ein empfindliches Naturell ist ebenfalls ausgesprochen vorhanden und wirken bei ihr etwaige Reize sowohl auf das Gehirn wie auf den Magen und sonstigen Verdauungsapparat. Die Verdauungskraft ist geschwächt und nicht in normaler, gesunder Verfassung.
  • In Krankheitsfällen würde die Dame bei einer Behandlung mit Heilgymnastik, Massage, Licht- und Luftbädern und nur partiellen Wasseranwendungen gute Erfolge erzielen, auch müsste die Dame ganz besonders psychisch behandelt werden. Die Nervenkraft ist ebenfalls nicht mehr normal stark. 
  • Mässig begabt, besonders im Vergleichungsvermögen. Phantasie, Sinn für Religion, Erbauung und Andacht vorhanden, auch weiss die Dame sich mit dem Kirchlich-Religiösen in Harmonie zu setzen. 
  • Weniger scharf entwickelt ist die Beobachtungsgabe, stark entwickelt dagegen der Fleiss in einer bestimmten Tätigkeit, d. h. sie hat das Bedürfnis, in einer Arbeit, für die sie Sympathie besitzt, andauernd tätig zu sein; Ausdauer ist nicht für jede Arbeit vorhanden. Mitgefühl für Schmerz stark entwickelt, dagegen wird sie an der Freude eines anderen weniger Anteil nehmen. 
  • Die Verdauungsschwäche rief eine Belastung des Gehirns hervor, die Ursache liegt also in den geschwächten Verdauungsorganen und in mangelnder Funktion der Ausscheidungsorgane. 
  • Die Hauttätigkeit ist seit Jahren fast lahmgelegt. 
  • Daher werden Kopfschmerzen die oft wiederkehrenden unangenehmen Gäste bleiben, bis die Dame eine entsprechende Kur zur Heilung ihrer Leiden durchgemacht hat. 

Vorgelesen.
Die gemachten Angaben sind zutreffend. 
Frau Husemann. 

Zwischenfrage seitens der Lehrerin Fräulein Hahn: Kann man Charakterfehler verbessern oder mangelhafte Anlagen ergänzen?

  • Antwort des Herrn Carl Huter: Ja, innerhalb gewisser Grenzen, indem wir die vorhandenen Vorzüge weiter ausbilden und vorhandene verwandte Eigenschaften stärken, ganz besonders wirkungsvoll ist hierbei der physische und psychische Einfluss von aussen her. 
  • Für einen ausgesprochen geistig oder moralisch Blödsinnigen gibt es allerdings keinen Fortschritt. Degenerierte sind eben nicht normal. Viele charakterschwache Menschen sind aber körperlich leidend und können durch Heilung dieser körperlichen Leiden günstig zur Selbstbesserung angeregt werden.  


Fünfte Untersuchung. 
Frau Karl Stockmeyer. 

Die Bekanntschaft mit Herrn Huter beschränkt sich darauf, dass dieser die Dame einige Male gesehen und gesprochen hat. 

  • Kinderliebe ist in hohem Masse entwickelt, ebenso Beobachtungsgabe und Formensinn. Gutes Talent zum Zeichnen und Malen vorhanden. Gutes Augenmass, weite Entfernungen abzumessen. Für weite Räumlichkeiten ein ausgesprochener Sinn vorhanden.
  • Diese Dame muss jedoch viel Fleiss anwenden, das Grosse auf die kleinen Verhältnisse zu übertragen, Miniaturarbeiten würden eine ganz ausserordentliche Mühe verursachen. 
  • Sinn für reale Kunst, d. h. mehr für Wahrheit in der Kunst und weniger für das Überschwengliche. 
  • Charakteristisches Auge für bildende Kunst, Freude und Genuss an Formen und Farben, Begabung für Landschaftsmalerei. 
  • Ein Zug für Romantik, aber ohne Überschwenglichkeit, vorhanden. Sinn für feste Nahrung von Haus aus gut entwickelt, für flüssige schwächer. 
  • Die Dame besitzt eine starke psychische Energie, weniger stark ist die physische Energie, d. h. sie hat von Natur aus mehr Talent, etwas Geistiges in Angriff zu nehmen und sich dafür zu interessieren; sie ist jetzt in ruhigere Bahnen gekommen.
  • Fürsorge für ihre Angehörigen in hohem Grade ausgeprägt. 
  • Eigentumssinn stark entwickelt; es wird der Dame nicht leicht, solches Besitztum preiszugeben, woran sie mit ihren Familienmitgliedern enger verkettet ist. 
  • Schöpferisch ökonomisches Talent nicht entwickelt, oder nur insoweit, als es sich auf die notwendige Fürsorge für die Angehörigen erstreckt. 
  • Die Dame kann sehr verschwiegen sein. 
  • Das Gehirn hat viel gearbeitet, Schwäche des Gehirns und der Schleimhäute der Luftwege war vorhanden, doch ist ziemliche Gesundung eingetreten; heute ist noch eine Verdichtung der rechten Lungenspitze zu konstatieren. Viel Bewegung in frischer Luft und poröse Kleidung ist erforderlich, um die Gesundheit zu fördern und zu erhalten.  

Das vorstehend Gesagte wird sämtlich als zutreffend anerkannt. 
Frau Stockmeyer.

Nach stenographischen Aufzeichnungen von Ministerialsekretär Lahmann übertragen. 

Detmold, den 6. Februar 1898 Lahmann.

Die Richtigkeit bescheinigt
 

Detmold, den 6. Februar 1898. 

Stockmeyer, Vorsitzender des Naturheil-Vereins 



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Diese Seite wurde am 4. Mai 2022 erstellt. Sie wird regelmässig geprüft und überarbeitet.

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