Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

Zitate von Carl Huter über Drittpersonen


Über Nietzsche, die Wirkung von Darwin, die Strebsamkeit von Kant - und über Religion und Höherentwicklung
"Welt- und Menschenkenntnis", I. Lehrbrief, 10. Lektion


  • Nietzsche wird von vielen verehrt, von anderen verurteilt. Er ist ein Energie- und Tatenmensch, das zeigt sein gewaltig hervortretendes Kinn. Was Kant angeboren war, das fehlte Nietzsche etwas. Bei Kant war das Triebleben zurückgestellt, Nietzsche aber hat seine Lehre auf die Triebe des Lebens begründet. Er hat einen glänzenden Stil, weil er aus Lebenslust heraus geschrieben hat.
  • Nietzsche ahnte Grosses, brachte es aber nicht, er zerstörte zu viel gutes Altes im ehrlichen Ringen nach Wahrheit.
  • Darwins "Kampf ums Dasein-Lehre" mit Nietzsches Gewaltübermenschentheorie gepaart, haben den modernen Menschen zur Rastlosigkeit und Lieblosigkeit, zu einer grausamen Realpolitik und sinnloser Genusssucht geführt, zu einer Lebensanschauung, die neue Werte verspricht, aber nicht schafft, sondern fast alle idealen Werte vernichtet.
    Denn nicht Instinkt, sondern Weisheit und Kraft, nicht rohe Gewalt, sondern Liebe und Schönheit schaffen alle hohen dauernden Güter der Welt.
  • Nietzsche wollte, wie der Geheimbund der alten Essäer der Juden, die Epikuräer der Griechen und andere materialistische Sekten lange vor Nietzsche, ohne Gottesglauben leben. Die Zerstörung der höchsten Lebensideale, des Glaubens an eine Gottheit, ist aber kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in Philosophie und Erkenntnis.
  • Über sich hinaus Höheres zu schaffen, zu glauben und zu erstreben, ist das Wesen wahrer Religion und jedes höheren Kulturfortschrittes, das Wesen aller Höherbildung und Entwicklung.
  • Nietzsche irrte sich, wenn er eine Menschheitshöherbildung zu erreichen hofft ohne ein Ideal, das über allem Irdischen und Menschlichen steht. Die Weisen gehen die Bahnen eines Kant, die Toren die eines Nietzsche. Will man aber Nietzsche nicht ernst nehmen, sondern ihn betrachten wie jenen Künstler im Zirkus, der immerhin zur Abwechslung beiträgt, so hat man ihn richtig erkannt als den sprachgewandten Unterhaltungsvirtuosen, der mit manchen frischen derben Einfällen geistig anregt.

Hinweis: Huter macht eine Einschätzung über die Wirkung von Darwins Werk und nicht über Darwin als Person. Huter hat Darwin als Person sehr geschätzt, namentlich als hervorragenden, genialen Naturforscher. Dies ergibt sich aus Textteilen in "Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis" und "Welt- und Menschenkenntnis" (Hauptwerk"). Man vergleiche auch mit  V Evolution A und mit  VI Evolution B. Huter hat Darwins Erkenntnisse hat er als vollkommen richtig, aber als unvollständig eingeschätzt.
Darwin war wie Huter auf seinem Fachgebiet ein Autodidakt. Und sie trugen denselben Vornamen: Charles resp. Carl.



Über Johann Caspar Lavater
"Welt- und Menschenkenntnis", I. Lehrbrief, 3. Lektion

Gehe jeder mit solcher Innigkeit der Liebe und Hoheit der heiligen Begeisterung, wie sie einen meiner hochgeschätzten Vorgänger, den unsterblichen Johann Caspar Lavater auszeichneten, an das Studium dieser herrlichen Wissenschaft.   

Hat uns Lavater wissenschaftlich auch wenig Positives gegeben, so bleibe er jedem, der sich dem Studium physiognomischer Menschenkenntnis widmen will, ein Vorbild des höchsten und edelsten Strebens.

Er wurde allein schon im Forschen nach Menschenkenntnis ein vollendeter Edelmensch, obwohl er das Ziel der Erkenntnis nicht erreichte.

Lavater ahnte und fühlte wohl den unendlichen Wert, den diese damals noch halbverborgene Wissenschaft, die er über alles liebte und die er zu enträtseln suchte, in sich schliesst.


Über die Gallsche Phrenologie
"Welt- und Menschenkenntnis", V. Lehrbrief, 2. Lektion


Abgesehen von diesen wertvollen Leistungen ist das ganze Gallsche Lebenswerk im Lichte der Huterschen Psycho-Physiognomik trotz alledem nur ein Stückwerk, ein schwacher Abglanz der grossen, allumfassenden Wahrheit.

Kommentar: Huter hat Gall als Person sehr geschätzt. Hier äussert sich Carl Huter über sein Werk. Die Hutersche Menschenkenntnis resp. die Psycho-Physiognomik beruht auf fundamental anderen Erkenntnissen über Natur und Mensch. Die praktische Anwendung führt zu weit besseren Ergebnissen.