Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

9 Zitate von Carl Huter

C. Zitate von Carl Huter über Nietzsche und Darwin

1. Über Nietzsche (1844 - 1900)

Einleitung

Die Werke dieser beiden Personen erschienen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie hatten zur Zeit Huters einen grossen Einfluss, namentlich auf die Jugend und namentlich in Deutschland und England. Die christlichen Werten gerieten ins Wanken. Es entstanden rassistische, materialistische und andere Ideologien.

Auch die Kolonial-Politik einzelner europäischer Länder war davon beeinflusst, namentlich jene von Deutschland, England und Belgien. Sie führte zu einem Verlust an Respekt gegenüber Menschen anderer Rasse und anderer Kulturen. Der Burenkrieg in Südafrika, der Boxeraufstand in China und die Ereignisse in belgischen Kolonien sind dadurch begünstigt worden. Die Bedenken gegen diese Vorgehensweise liessen sich leichter zerstreuen - bei der eigenen Bevölkerung, bei den Soldaten, die man dorthin schickte, etc.

Die Lehren von Nietzsche, Darwin, Häckel, Büchner (Ludwig) und anderer, deren Namen heute weniger bekannt sind, führten um 1900 herum zur Bildung eigentlicher weltanschaulicher Bewegungen, ganz besonders in Deutschland. Hier entstand der Monisten-Bund (naturwissenschaftlich orientiert; zehntausende von bekennenden Anhängern; beruhend auf den Schriften von Ernst Häckel) und der Kepler-Bund (als Reaktion auf den Monisten-Bund; christlich-biblisch orientiert).

Nun kam auch noch Carl Huter, der eine neue Weltanschauung vertrat, die weder monistisch noch christlich-biblisch war, sondern dazwischen lag und sich nicht konfliktfrei mit der einen oder anderen Weltanschauung verbinden liess. Seine Weltanschauung ist im Abschnitt E. Weltbild ersichtlich.

So war es für Huter schwierig, Personen zu finden, die sich für seine "Weltanschauung" interessierte und noch schwieriger, Anhänger und Anhängerinnen zu finden! Wer sich dafür interessierte, der hatte meist seine Wahl schon getroffen, z.B. Monisten-Bund, Kepler-Bund. Stets musste er in aufklärender Arbeit auf Irrtümer hinweisen und zweifelnde Personen zu überzeugen versuchen.


Aus "Welt- und Menschenkenntnis", zehnte Lektion I. Lehrbrief

  • "Nietzsche wird von vielen verehrt, von anderen verurteilt. Er ist ein Energie- und Tatenmensch, das zeigt sein gewaltig hervortretendes Kinn. Was Kant angeboren war, das fehlte Nietzsche etwas. Bei Kant war das Triebleben zurückgestellt, Nietzsche aber hat seine Lehre auf die Triebe des Lebens begründet. Er hat einen glänzenden Stil, weil er aus Lebenslust heraus geschrieben hat."
  • "Nietzsche ahnte Grosses, brachte es aber nicht, er zerstörte zu viel gutes Altes im ehrlichen Ringen nach Wahrheit."
  • "Darwins "Kampf ums Dasein-Lehre" mit Nietzsches Gewaltübermenschentheorie gepaart, haben den modernen Menschen zur Rastlosigkeit und Lieblosigkeit, zu einer grausamen Realpolitik und sinnloser Genusssucht geführt, zu einer Lebensanschauung, die neue Werte verspricht, aber nicht schafft, sondern fast alle idealen Werte vernichtet.
    Denn nicht Instinkt, sondern Weisheit und Kraft, nicht rohe Gewalt, sondern Liebe und Schönheit schaffen alle hohen dauernden Güter der Welt.
    "
  • "Nietzsche wollte, wie der Geheimbund der alten Essäer der Juden, die Epikuräer der Griechen und andere materialistische Sekten lange vor Nietzsche, ohne Gottesglauben leben. Die Zerstörung der höchsten Lebensideale, des Glaubens an eine Gottheit, ist aber kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in Philosophie und Erkenntnis."
  • "Über sich hinaus Höheres zu schaffen, zu glauben und zu erstreben, ist das Wesen wahrer Religion und jedes höheren Kulturfortschrittes, das Wesen aller Höherbildung und Entwicklung."
  • "Nietzsche irrte sich, wenn er eine Menschheitshöherbildung zu erreichen hofft ohne ein Ideal, das über allem Irdischen und Menschlichen steht. Die Weisen gehen die Bahnen eines Kant, die Toren die eines Nietzsche. Will man aber Nietzsche nicht ernst nehmen, sondern ihn betrachten wie jenen Künstler im Zirkus, der immerhin zur Abwechslung beiträgt, so hat man ihn richtig erkannt als den sprachgewandten Unterhaltungsvirtuosen, der mit manchen frischen derben Einfällen geistig anregt."

Anmerkung

  • Die von Huter beklagte Rastlosigkeit, grausame Realpolitik, etc. ist, genau genommen, nicht einzig eine Folge der Lehren von Darwin und Nietzsche, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass keine religiösen Lehren und Bewegungen bestehen, die auf einem naturwissenschaftlichen Weltbild beruhen. Die bestehenden Bewegungen vermögen viele heutige Menschen nicht mehr anzuziehen und zu überzeugen. So beginnt ihr religiöses Gefühl zu verkümmern. Das führt den Menschen leicht zum Realisten und zum Materialisten.
  • Man betrachte die Unterschiede im Gesichtsausdruck zwischen Nietzsche und Darwin:
    a. Nietzsche: Revoluzzertum, Genussfreude, Tatendrang, Unternehmungslust (25- und 30-jährig); auf allen Bildern: scharfe Beobachtung, heftiges Temperament.

    b. Darwin: geistige Konzentration und geistige Kraft, ruhige, scharfe, nüchterne Beobachtung, Eifer im Forschen, starkes Vorstellungsvermögen; Ernsthaftigkeit; auf dem letzten Bild (ein Gemälde, evtl. etwas idealisiert) erkennt man Abgeklärtheit, Erhabenheit, Klarheit, Natürlichkeit und Würde.

Nietzsche, ca. 25-jährig (1869)






Nietzsche, ca. 30-jährig (1874)


Nietzsche, ca. 40-jährig (1884)

2. Zitate über Darwin (1809 - 1892)

Aus "Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis":
"4. Charles Darwin, der bahnbrechende Naturforscher und größte Biologe des letzten Jahrhunderts, der die Entwicklungslehre zur wissenschaftlichen Anerkennung geführt hat.

Bei ihm liegt die Hauptkraft in der Unterstirn, da, wo die Beobachtungssinne für Gegenstände, Formen, Farben usw. zum Ausdruck kommen. Sein Gesicht erweckt, wenn man es betrachtet, die Vorstellung der Tierwelt, die er selbst so scharf beobachtet hat, und in deren Erforschung er ein Meister ersten Ranges geworden war.

Wie uns Jesus der Gottheit, so hat uns Darwin der Naturwahrheit nähergebracht. Die Gottheit und die Natur sind zwei ganz verschiedene Welten. Jesus konnte diese, Darwin jene nicht ganz verstehen, daher ist auch zwischen theologischer Wissenschaft und moderner Naturwissenschaft jener große Zwiespalt entstanden, den Ernst Haeckel noch mehr vergrösserte, und den ich durch meine neue Geisteslehre beseitigt habe; denn in dieser ist Wissenschaft und Religion ausgeglichen.

Die Gebrüder Humboldt sind akademisch gebildete, Hans Sachs und Charles Darwin autodidaktisch gebildete Geistesgrössen gewesen. Goethe erkannte Hans Sachs' Bedeutung ausserordentlich an. Auch ich stehe auf dem Boden, dass die freie autodidaktische Forschung neben der akademischen als gleichberechtigt zu gelten hat und voll gewürdigt werden soll, weil die genialen Autodidakten meistens die Bahnbrecher aller fortschreitenden Erkenntnis gewesen sind. Die geringe akademische Vorbildung des Darwin kommt gegenüber seiner bedeutenden autodidaktischen Forscherarbeit nicht in Betracht."

Aus "Führer durch das Carl Huter-Museum", Nr. 192:

"Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. Von Charles Darwin 1871. Ins Deutsche übersetzt von Georg Gärtner.

Mit diesem Werke rief der berühmte englische Biologe und Naturforscher eine wahre Revolution in der Wissenschaft hervor. Allen denen, welchen die Lehren der Bibel und der Kirche schon längst nicht mehr als Wahrheit und Weltanschauung galten, die von den neueren Begründern des Materialismus, Ludwig Büchner und Carl Vogt, schon stark eingenommen waren, wurden nunmehr vollends durch Darwin überzeugt, dass die Schöpfung eine andere war, als wie sie von den Kanzeln der Kirchen gelehrt wurde. -

Darwin wurde der Abgott der Materialisten, der Prophet einer neuen Weltanschauung. Er vertrat nicht nur den Gedanken des französischen Forscher Lamarck, dass sich alles entwickelt hat, er lehrte auch, dass durch Zuchtwahl sich eine Höherzüchtung der Arten vollzogen hat.

Bei alledem blieb Darwin privatim ein Anhänger des Gottesglaubens. Nach seinen Forschungsresultaten wurde er aber als Vertreter des Materialismus gefeiert."

Anmerkung
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Zwischen Darwin und Huter gibt es viele Gemeinsamkeiten: Darwin war wie Huter auf seinem Fachgebiet ein Autodidakt. Beide trugen denselben Vornamen: Charles resp. Carl. Beide haben sich mit der Entstehung der Arten befasst, beide haben sich mit dem Gesichtsausdruck befasst.

Huter führt die Entstehung und Höherentwicklung des Lebens auf 5 Prinzipien zurück. 4 davon hat er selbst entdeckt, Darwin eines (Zuchtwahl; der Wettstreit um die Existenz hat nach der Überzeugung von Carl Huter nicht zur Höherentwicklung beigetragen, siehe Ziffer 1 auf der Seite B. Evolution II. 

Es bestehen aber auch Unterschiede: Huter hat sich mit vielen Fachgebieten beschäftigt und über 200 wichtige Entdeckungen gemacht!

Darwin, 22-jährig (1831), vor seiner 5-jährigen Forschungsreise


Darwin, 51-jährig (1860), kurz nach Publikation seines ersten Hauptwerkes
Darwin, Gemälde; Carl Huter hat seine nebenstehende Beschreibung mit diesem Bild illustriert
 
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