Carl-Huter-Stiftung

Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huter

11D.  Mensch und Gesellschaft


1. Schule, Berufslehre und Studium

Carl Huter: Wie erwirbt man sich die Freundschaft und Mitgliedschaft des Huterischen Weltbunds, für Menschenkenntnis und Menschenliebe, für Wahrheitskultur, Schönheitskultur und Menschenbeglückungswerke 1908. Kapitel VIII: "Die Erstrebung von Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten":

"Der Bund ist nicht nur bemüht, Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten zu fördern, sondern er ist auch bestrebt, sobald er die Mittel dazu von reichen stiftenden Mitgliedern erhalten hat, selber solche zu errichten. Hierbei ist zunächst näher ins Auge gefasst:

  • .... Ausführungen über
    1. Hochschule für Huterische Psycho-Physiognomik: ...
    2. Fachmuseum: ...
    3. Bundessanatorium für das Huterische Heilsystem: ...
    4. Erholungsheim: ...
    5. Musteranstalt für Erziehung von armen, aber begabten Kindern: ...

  • 6. Auch ist eine Lebensberufs-Lehranstalt geplant. Diese soll sich an die Musterschule anlehnen. Hier müssen Kinder neben Schulunterricht frühzeitig praktisch arbeiten lernen
    a) in Gartenwirtschaft,
    b) in Landwirtschaft,
    c) im Handwerk,
    d) in kaufmännischem Schaffen

Anmerkung: In einer anderen Schrift schreibt Huter, dass die Schüler am Nachmittag in Garten-, Feld- und Landwirtschaft tätig sein sollen (bis zum 12. Lebensjahr), dann in einem Handwerk (13. bis 15. Lebensjahr) und dann im administrativen und kaufmännischen Bereich (16. Lebensjahr). Daran anschliessen soll eine Berufslehre oder der Besuch eines Gymnasiums.

 

2. Partnerschaft
Carl Huter: Die neue Ethik, 1907. Kapitel "Die Ethik der Liebe und Zeugung"

  • 22. Da die verschiedenen menschlichen Verhältnisse verschiedene Formen und Arten von Ehen erfordern, (...) soll auf diesen breiteren Grundlagen dem Liebes-, Zeugungs- und Eheleben in Zukunft Rechnung getragen werden.

  • 23. Ehescheidungen sollen daher erleichtert, Ehen auf Zeit und Vertrag eingeführt werden. ...
    Siehe auch Rubrik "Zitate" in der Unterrubrik 
    A. Frau und Mann: Charakterisierung

3. Erwerbsleben
Carl Huter: Die neue Ethik, 1907. Kapitel "Die Ethik der neuen Wirtschaftslehre"

  • 7. Jedem sollen alle Bildungsanstalten ebenso offen stehen, als alle öffentlichen Stellungen im Leben. Jeder soll zur Sprache kommen, um seine Berufsinteressen vertreten und fördern zu können. Jedermann soll die Möglichkeit offen stehen, einen Erwerb zu ergreifen, wozu er sich befähigt fühlt, einer Gemeinschaft sich anzuschliessen, die ihn forthelfen und fortbilden will. Alle Knechtschaft, aller Zwang soll aufgehoben werden. 

  • 8. Frauen sollen alle Berufs- und Erwerbszweige, sowie alle Bildungsanstalten offen stehen. Männer und Frauen sollen gleichberechtigt im Beruf, Erwerb, Bildung und wirtschaftlicher, religiöser und politischer Freiheit sein und zu allen diesen Dingen sollen sie vom achtzehnten Lebensjahre an wahlberechtigt werden.
    Weltanschauung
    und Persönlichkeit sind nach Carl Huter unzertrennliche Begriffe. 

  • 10. Die Ansicht, dass das Kapital beseitigt werden muss, ist solche irrender Menschen, denn das Kapital ist die Basis jeder wirtschaftlichen Fortentwickelungsmöglichkeit Das Kapital soll daher nicht beseitigt, sondern vermehrt werden. Dieses braucht man den Kapitalstarken nicht zuerst zu sagen, denn diese haben es leichter, ihr Vermögen zu vermehren, dieses soll den Kapitalarmen besonders gelten. Dem Arbeiter, dem wenig Bemittelten sollst du Sparsamkeit lehren und Gelegenheit zur Kapitalansammlung geben. In Zukunft soll jeder Arbeiter ein Kapitalist sein an Bildungsmitteln, an Kleidung, Wohnung, Geldmitteln und möglichst auch an Grund und Boden.

  • 11. ... Aber da, wo das Grosskapital oder der Kapitalstarke die Arbeitskraft des kapitalschwachen Arbeiters nur auszubeuten sucht, ihm soziale Wohltaten verweigert, ihn missachtet, ihn nicht den Verhältnissen gemäss belohnt, da bekämpfe man nicht das Kapital, sondern diese unmoralischen Eigenschaften solcher Kapitalisten mit entsprechenden Streiks, Boykotts, sowie mit Gesetzen, die solche verbrecherische Tätigkeit verwüstender Kapitalisten aufhebt.
  • 12. Die wirtschaftliche Freiheit darf jedoch nie aufhören, denn damit würden bei allen erwerbsimpulsiven Menschen ihre grossen wirtschaftlichen Tugenden gelähmt werden. Diese Tugenden, wodurch sich solche wirtschaftlichen Talente vor den Durchschnittsmenschen auszeichnen, sind ausserordentlich achtenswert, es sind meist Intelligenz, Fleiss, Sparsamkeit, grosse Energie und schneller Überblick mit kluger Berechnung. Ein sozialer Staat mit wirtschaftlichen Zwangsgesetzen nach der Idee mancher Ideologen würde keinen Fortschritt bewirken; er würde ein Sklavenstaat werden und daher einen Rückschritt anbahnen. Denn die wirtschaftlich Impulsiven treiben die Trägen an, sie geben diesen Verdienst und Brot, sie bereichern die Kulturgüter und die Lebensmittel und sind dadurch die Mitträger des Glückes, des Fortschrittes und des Wohlstandes aller.
  • 14. Man soll Arbeitslosenversicherungen einführen, damit unschuldig arbeitslos gewordene vor Not geschützt sind, bis sie ein neues Arbeitsfeld wieder gefunden und nicht nötig haben, ihre Spargroschen zu verbrauchen. Unfall-, Kranken- und Altersversicherungen in für jeden Stand und jeden Beruf.
  • 15. Man fördere Personalkredit, Freihandel, Heimstätten. Man fördere den Weltfrieden und jede ethische, edelreligiöse , und wirtschaftliche Entwickelung.

4. Soziale Sicherheit
siehe auch obige Ziffer 3, Ziffer 14.
Carl Huter: Der Gebildete auf der Höhe, 1906. Erstveröffentlichung des Textes in der Hochwart, 1903, Heft III bis VI unter dem Titel: "Der Huterische Bund, ein moderner wissenschaftlicher Weltverein". Im Kapitel X "Soziale und wirtschaftliche Reformen" im Abschnitt 50 "Das Versicherungswesen" steht:

  • Ausser dem Personalkredit, der dem Einzelnen im gegebenen Falle die nötigen Mittel zum aktiven Handeln in die Hände gibt, ist das auf jeden Staatsbürger ausgedehnte Versicherungswesen eine Staatspflicht. So wie jeder Staatsbeamte bei Krankheit, Alter und Arbeitsunfähigkeit durch Pensionsgehälter versorgt ist, so sollte es bei jedem Staatsbürger sein, gleichviel ob reich, ob arm.

  • Jeder Staatsbürger sollte gegen Arbeitslosigkeit, Unfall, Alter und Krankheit von Staats wegen versichert werden, und zwar in einem ausreichenden Masse mit einer monatlichen Mindestpension, womit er leben kann, ohne fühlbaren Mangel zu leiden. 

5. Staat
Carl Huter: Der Gebildete auf der Höhe, 1906. - Erstveröffentlichung des Textes in der Hochwart, 1903, Heft III bis VI unter dem Titel: "Der Huterische Bund, ein moderner wissenschaftlicher Weltverein. Im Kapitel VIII "Frauenbewegung" im Abschnitt 40 "Die Frau als Staatsbürgerin" steht:

  • Die Frau muss gleichberechtigte Staatsbürgerin mit freiem Wahlrecht sein; Frauen müssen auch in den Abgeordnetenhäusern mitberaten und in der Regierung und Justiz, zu gleicher Zahl mit den Männern vereinigt, Recht sprechen und Wohl und Wehe des Volkes leiten dürfen.
  • In der inneren wie äusseren Politik, in der Krankenpflege, als Ärztin, ebenso wie in der Verwaltung muss die Frau wirksam tätig sein können; dann, glaube ich, werden Kunst, Wissenschaft, Frieden und Kulturfortschritt frischer und besser vorwärts kommen als jetzt; denn Männer und Frauen gehören von Natur aus überall im Leben sich ergänzend zusammen.
    Anmerkung: Siehe auch Rubrik "Zitate" in der Unterrubrik B. Frau, einzelne Lebensbereiche

Im Kapitel XI "Gesellschaftswissenschaften und Staatswissenschaften" im Abschnitt 52 "Demokratie und Republik" steht:

  • Die Schweiz ist ein solcher Staat auf demokratischer Grundlage, welcher sich als Musterstaat bewährt hat und von allen bisherigen republikanischen Formen die beste gewählt zu haben scheint. Die Schweiz ist ein föderalistischer Staatenbund, die Provinzen oder Kantone sind Staaten im Kleinen, welche ihre eigenen Gesetze haben, die vom Volke gemacht werden; über allen Kantonsgesetzen stehen die Bundesgesetze und regiert die Bundesregierung mit dem Präsidenten.
  • Für ein hochentwickeltes Volk scheint mir die Staatsform, wie sie die Schweiz hat, die beste zu sein.
  • Es gibt aber auch Völker, welche für derartige Staatsformen noch nicht reif sind. Ich erinnere hier an die südamerikanischen Republiken, welche manche Krisen durchgemacht haben und die sich erst nach und nach in eine gute republikanische Staatsform hineinleben mussten. Die nordamerikanische Union hingegen hat sich ruhiger entwickelt und steht heute als eine der ersten festgefügten Grossmächte da.

Anmerkung zur Staatsform

  • Was lässt sich aus dem kurzen Satz "Für ein hochentwickeltes Volk ..." direkt und indirekt entnehmen? (a) Bei einem nicht hochentwickelten Volk hält Huter diese Staatsformen offensichtlich nicht als die beste Staatsform; (b) Huter ist keineswegs der Ansicht, dass für hochentwickelte Völker nur eine Staatsform in Frage kommt, die vergleichbar mit jener der Schweiz ist; (c) Zu Huters Zeit hatten z.B. die Vereinigten Staaten von Nordamerika, USA und Frankreich eine republikanische Staatsform. Er sieht in der Form, wie sie die Schweiz gewählt hat, die beste Variante. In den USA besitzt z.B. der Präsident grosse Vorrechte (Ernennung der Richter am obersten Gericht, Veto-Recht) und ist auf eine feste Amtsdauer von 4 Jahren gewählt. Er ist zugleich Präsident der Regierung (Ministerpräsident) als auch Staatspräsident. In der Schweiz sind die beiden Ämter zwar auch in derselben Person vereinigt. Die Amtsdauer beträgt jedoch nur ein Jahr und die Befugnisse des Präsidenten sowie der Regierung sind deutlich kleiner. Die Macht ist somit viel stärker verteilt und die Gefahr des Machtmissbrauchs damit viel geringer.
  • Nach Carl Huter waltet in der lebenden Zelle das aristokratische Prinzip. Er hält es für natürlich, dass manche Menschen und Völker sich eine Staatsform wünschen, die monarchistische resp. aristokratische Elemente umfasst.
  • Huter äusserst sich in der obgenannten Schrift und in weiteren Schriften über die monarchistische Staatsform. Daraus ergibt sich:
    a. Die monarchistische Staatsform ist, im Grundsatz, ebenso berechtigt und als taugliche Staatsform zu betrachten.
    b. Die Monarchie muss stets eine Wahl-Monarchie sein: Die Ämter und Titel sind zeitlich befristet, können danach erneuert werden und sind nicht vererbbar. Die Wahlbehörde beachtet bei der Wahl insbesondere die Hutersche Psycho-Physiognomik.
    c. Es lässt sich schliessen, dass Huter die Aristokratie nur in der Form einer Wahl-Aristokratie verwirklicht sehen wollte. Sie besteht aus:
    (1) Personen, die durch eine ordentliche Wahl ein höheres Amt, eine hohe Funktion, etc. erhalten haben;
    (2) Personen, die durch ein staatliches Organ einen Ehren-Titel, einen Orden, etc. erhalten haben aufgrund persönlicher Verdienste, evtl. mit der Erhebung zum beratenden oder gar zum stimmberechtigten Mitglied des Parlaments, etc.
    Stets gilt die Nicht-Vererbbarkeit, die befristete Verleihung, maxmal auf Lebenszeit.


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Diese Seite wurde am 22. November 2019 erstellt. Sie wird regelmässig geprüft und überarbeitet.

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